Was ist ein Schock?
Was ist eigentlich ein Schock?
Nachdem wir uns hier ja auf der Seite schockzeichen.de befinden sollte der Schock durchaus erklärt werden.
Das Problem am Schock, so, wie er im Erste Hilfe-Kurs erklärt wird, ist, dass er dem eigentlichen Schock meistens gar nicht gerecht wird.
Denn wenn man im „Erste Hilfe“-Kursen (EH) das Thema Schock anspricht, werden die Teilnehmer generell selbstsicherer, weil sie sich auf sicherem Terrain wähnen.
Wenn ich dann frage, was denn ein Schock sei, kommen im Normalfall als erstes Aussagen, wie, es handele sich dabei um ein schlimmes Erlebnis, oder wenn man einen Unfall beobachte oder wenn sich jemand ganz schlimm verbrennt.
Jedoch machen die Teilnehmer immer wieder den „Fehler“ und gehen davon aus, dass der „Schock“ nur bei Unfallzeugen auftritt.
Tatsächlich ist aber gerade die Schocksymptomatik eine nicht zu unterschätzende Angelegenheit. Schockzeichen zeigen sich bei allen Schockformen, denn das, was landläufig als Schock bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit nur eine von mehreren Schockformen.
Die, die aber in den EH angesprochen werden, sind lediglich 2, namentlich der hypovolämische Schock und der „psychogene Schock“ (eigentlich vasovagale Synkope).
Der hypovolämische Schock ist einfach erklärt und auch einfach verstanden. Wenn jemand beispielsweise stark blutet, verliert er Volumen (Hypovolämie). Je mehr Volumen der Patient verliert, um so stärker prägt sich der Schock aus.
Das Volumen ist aber nicht nur Blut, sondern auch Wasser. Das heißt im Klartext, dass nicht nur jemand der Blut verliert in der Schockgefahr steht, sondern auch jemand, der stark schwitzt, starken Brechdurchfall hat oder eine Verbrennung erlitten hat, davon betroffen ist.
So weit, so gut. Dieser Vorgang wird in aller Regel gut verstanden und ist auch nachvollziehbar.
Allerdings wirft diese Erklärung Fragen nach dem den Teilnehmern bekannten „psychogenen“ Schock auf.
Der „psychogene Schock“ wird oft nur mit Aussagen, wie „da versackt halt das Blut im Körper“ erklärt. Ein Blick in die Gesichter der Teilnehmer verrät hier Verwirrung. Doch oft belässt es der Ausbilder bei dieser Erklärung, um die Teilnehmer nicht zu verwirren.
Ich bin allerdings der Meinung, dass manche Vorgänge näher erklärt werden müssen, da sich sonst die entsprechende Maßnahme dem potentiellen Ersthelfer verschließt.
Kollegen widersprechen mir da oft, der Teilnehmer würde durch die Erklärung nur noch mehr verwirrt und solle ja schließlich keine rettungsdienstliche Ausbildung genießen.
Befragungen von Teilnehmern zeigen aber immer wieder, dass ihnen die Maßnahme dadurch verständlicher würden und sie eine größere Sicherheit gegenüber der Maßnahme empfänden.
Mich bestätigt diese Aussagen immer wieder, den Teilnehmern ruhig auch mal etwas mehr zuzutrauen.
Aber trotz allem möchte ich hier einmal den „psychogenen Schock“ näher erklären.
Eigentlich gibt es etwas wie den „psychogenen Schock“ nämlich nicht. Es handelt sich dabei ebenfalls um eine Art des hypovolämischen Schocks. Dazu noch eine kurze Erläuterung. Der weiter oben erwähnte Schock ist ein „tatsächlicher“ hypovolämischer Schock. Es geht tatsächlich Volumen verloren (z. B.: durch eine Blutung).
Bei einem „psychogenen“ Schock handelt es sich hingegen um einen „relativen“ hypovolämischen Schock. Dabei „versackt“ das Blut in den Gefäßen und es kommt dadurch zu einer Schocksymptomatik.
Wie passiert das aber nun?
Dazu muss ich ein wenig ausholen.
Der Körper benötigt Sauerstoff. Und zwar für alles. Die Muskeln, die Organe, alle benötigen Sauerstoff, um ihre Arbeit verrichten zu können. Dieser Sauerstoff wird mittels des Blutes transportiert. Das Herz pumpt also das Blut durch die Gefäße (Arterien, Venen und Kapillargefäße), am „Erfolgsorgan“ findet dann der Gasaustausch statt.
Das wird durch das Kreislaufzentrum reguliert.
Wenn nun ein „schreckliches Ereignis“ eintritt, schüttet der Körper Adrenalin aus. Dieses bewirkt, dass sich die Arterien verengen (Vasokonstriktion), um einen höheren Druck zu erreichen. Das geschieht, um eine bessere und schnellere Sauerstoffversorgung der Muskeln, des Herzens usw. zu gewährleisten.
Das Problem liegt nun in dem hohen Blutdruck. Im Hals befinden sich unter anderem sogenannte Pressorezeptoren, welche den Blutdruck registrieren und „auswerten“. Steigt dieser Druck nun zu hoch, senden diese Rezeptoren ein Signal an das Kreislaufzentrum, welches dann dafür sorgt, dass sich die Gefäße wieder weiten, um den Druck zu senken (Vasodilatation), indem der Vagusnerv aktiviert wird. Dadurch kommt es ebenfalls zu einer Minderung der Herzfrequenz.
Das Blut „versackt“ also in den peripheren Gefäßen der Beine und dadurch entsteht eine „Minderversorgung“ des Gehirns mit Sauerstoff.
Man kann das recht simpel visualisieren, indem man sich ein “Kölsch”-Glas vorstellt. In so ein Glas passen 0,2l Flüssigkeit.
Wenn man den Inhalt dieses Glases nun in ein Weizenbier-Glas schüttet, ist „tatsächlich“ immer noch die selbe Menge Flüssigkeit enthalten, nämlich 0,2l. „Relativ“ gesehen, ist es aber weniger Flüssigkeit, da eben das Gefäß (also das Weizenbier-Glas) größer ist.
Und genau das passiert im Körper, nur eben in einer anderen Dimension. Also entsteht, relativ gesehen, ein Volumenmangel mit entsprechender Symptomatik.
Hierbei allerdings handelt es sich um eine normalerweise kurzfristige Erscheinung, die sich durch die gegebenen Maßnahmen wie Schocklagerung oder Flüssigkeitszufuhr sicher und schnell beheben lässt.
Aber wie schon erwähnt, sind diese beiden Schockformen nicht die einzigen ihrer Art und ich möchte hier im Verlauf auch die anderen ein wenig erklären, aber das würde hier in diesem Beitrag ein wenig den Rahmen sprengen.
Im Verlauf werde ich dann, wenn der Bedarf besteht auch noch die anderen Schockformen versuchen zu erklären.
Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:
info@schockzeichen.de




sehr gut erklärt, vielen dank
Hallo Herr Björn Höckele!
Sie haben absolut Recht mit Ihrer Aussage, dass den Teinehmern teilweise leider “irgendwas” von einem Schock erzählt wird.Sie haben das Prinzip jedoch sehr gut verstanden ,so, dass sich auch “Leihen” mit dem Krankheitsbild Schock auseinander setzen können.
sehr gut erklärt!!!
Auch ich als EH-Ausbilder gebe mir Mühe, den Teilnehmern eine adäquate Präsentation zu vermitteln.
Vielen Dank führ ihre ausführliche Arbeit.
mfg Frank Z.
Ps.mich würde brennend interessieren wie sie den kardiogen Schock für einen Leihen erklären…?
hallo – wenn ich bitte etwas fragen darf – was ist im Prinzip passiert, wenn ein Kind (10 Jahre) verprügelt, bedroht ( wenn Du etwas sagst, erschlage ich Dich) dann plotzlich nicht mehr spricht – nur eigenartigen Singsang von sich gibt – ist das ein psychogener Schock? Etwas Ähnliches gibt es auch in dem Film ” Die WEndeltreppe” von 1945 das Kind sieht, wie die Eltern im HAus verbrennen und spricht nicht mehr. Ixh wäre danlkbar für eine Definition.
freundliche Grüsse A. BAldelli