Rettungsdienst – Wann nicht?!?
Mittwoch, 17. Dezember 2008 | Autor: Björn
Wer mich kennt, weiß, dass ich eigentlich jemand bin, der gerne Steilvorlagen annimmt und auch meistens versenkt…
Und folgende Steilvorlage fand ich in dem interessanten Blog von einem “Ex-Zivi im Rettungsdient”:
Zusammenfassend kann man sagen, dass einmal kurz “Menschenverstand einsetzen” die Frage, ob der RD erforderlich ist in aller Regel beantwortet.
Als kurze Erklärung vorneweg:
In seinem Blogeintrag ging es um die Fragestellung, wann es nötig ist, den Rettungsdienst zu alarmieren und wann man es sich theoretisch sparen könnte. Ich selbst komme auch aus dem Rettungsdienst und kenne die geschilderten Situationen in fast jeglicher Couleur…
Mein Beispiel hierfür, ist ein Semi-Betrunkener in einer Kneipe, der seit 3 Monaten (!!) Schmerzen im rechten Bein hatte und dem gerade kurz vor Schichtwechsel einfiel, doch einen Rettungswagen mit Sondersignal anfordern zu lassen, weil er jetzt sofort und gleich in Krankenhaus müsse. Bei unserer Ankunft fanden wir einen stehenden Patienten vor.
Warum er nicht am nächsten Tag zum Hausarzt ginge, da seine Schmerzen bei diesem ja wohl bekannt seien? Die Schmerzen seien hochakut und nicht zum aushalten.
Warum er Alkohol getrunken habe? Er müsse doch die Schmerzen betäuben.
Ob er nicht lieber mit einem Taxi ins Krankenhaus fahren wolle, das sei billiger, als mit einem Rettungswagen, für den keine Indikation vorliege? Er sei Sozialhilfeempfänger und habe kein Geld dabei. Er müsse aber nicht unbedingt ins Krankenhaus, alternativ könnten wir ihn auch nach Hause fahren. Er wohne in der XY-Straße (etwa 6 Kilometer von der Kneipe entfernt).
Wie er denn hergekommen sei? Naja, er sei gelaufen.
Die pflichtbewusste Kneipenbesitzerin, die die Leitstelle verständigt hatte, hat sich während unserer kleinen Konversation fein verdrückt.
So viel zum Thema “gesunder Menschenverstand”.
Der “Ex-Zivi” setzt sich mit eben gerade diesen Begebenheiten recht humorvoll auseinander und gibt auch schöne Beispiele.
De Facto ist es nun aber so, dass ich zwar im “Herzen” Rettungsdienstler bin, als Ausbilder den Ersthelfern in den Kursen etwas ganz simples beibringe…
Wann auch immer man sich unsicher über die Situation des Patienten/Angehörigen ist, sollte der Rettungsdienst gerufen werden. Ich weiß, dass mich die Kollegen aus selbigem nun am liebsten steinigen würden, aber wie auch der “Ex-Zivi” schreibt, kann man unter Umständen nicht sicher sein, ob die kleine Verletzung, tatsächlich nur eine kleine Verletzung ist. Daher kann ich nur immer wieder anraten, dass bei (zumindest nachvollziehbaren) Unsicherheiten der Rettungsdienst verständigt werden sollte.
Aber wie ich oben schon zitiert habe, lässt sich der “gesunde Menschenverstand” nicht ersetzen. Natürlich hilft eine regelmäßige “Fortbildung” in Erster Hilfe ebenso weiter, denn je mehr man über Notfälle weiß, umso souveräner kann man mit der Zeit entscheiden, ob es nun tatsächlich ein Rettungswagen sein muss, oder ob es der Privat-PKW nicht auch tut. Aber im Notfall sollte man sich auch mal auf sein Bauchgefühl verlassen…
Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:
info@schockzeichen.de
Thema: Allgemeines, Rettungsdienst | 2 Kommentare



