Krupp, Pseudo-Krupp und Epiglottitis
Samstag, 14. März 2009 | Autor: Björn
Zwei Erkrankungen, die immer wieder verwechselt werden, was im Zweifelsfall tödlich enden kann, sind Pseudo-Krupp und die Epiglottitis.
In Erste Hilfe am Kind-Kursen kommt es auch immer wieder zu Verwechslungen zwischen diesen beiden und viele Ausbilder hüten sich zudem, die Epiglottitis überhaupt zu erwähnen.
Pseudo-Krupp wird häufiger – wenn auch nicht immer – besprochen. Trotzdem ranken sich immer noch einige Mythen um den Unterschied zwischen (echtem)Krupp(husten) und Pseudo-Krupp.
Aber wie immer wollen wir vorne beginnen.
Alle 3 Erkrankungen sind Erkrankungen der oberen Atemwege, genauer gesagt, des Kehlkopfes.
Allerdings unterscheiden sie sich
So sind die Erreger der Epiglottitis und des Krupp(husten)s Bakterien (allerdings auch unterschiedliche), während Pseudo-Krupp in der Regel von Parainfluenzaviren verursacht wird.
Der Pseudo-Krupp ist also meist eine virale Infektion der Schleimhäute im sogenannten subglottischen Bereich (unterhalb der Stimmritze).
Das typische Alter für Kinder, die einen Pseudo-Krupp-Anfall erleiden, liegt zwischen 6 Monaten und 5 Jahren, der Altersgipfel liegt bei bis etwa 3 Jahren. Die Symptomatik des Pseudo-Krupp-Anfalls entsteht durch das Anschwellen der Schleimhäute in den Atemwegen. Wachstumsbedingt vergrößern sich im voranschreitenden Alter die Atemwege, sodass dadurch die Gefahr des Wiederauftretens eines Pseudo-Krupp-Anfalls stark gemindert wird.
Pseudo-Krupp tritt gehäuft im Spät-Herbst bis Früh-Winter auf, die klassischen Monate sind zwischen Oktober und November.
Des Weiteren treten Pseudo-Krupp-Anfälle meist in den frühen Morgenstunden auf, oftmals besteht seit einigen Tagen ein leichter Erkältungs-Infekt bei den Kindern.
Bei Pseudo-Krupp sind nun die Schleimhäute entzündet und gereizt (die „trockene“ Heizungsluft reizt zusätzlich), es kommt so zu einem Anschwellen, worauf das Kind mit dem charakteristischen „bellenden“ Husten reagiert. Zudem tritt Heiserkeit auf und das Kind hat eine hörbar pfeifende Einatmung (inspiratorischer Stridor).
Je nach Schweregrad des Anfalls unterteilt man den Pseudo-Krupp in 4 Grade:
„bellender“ Husten, Heiserkeit, begleitet von einem leichten pfeifenden Atemgeräusch bei der Einatmung
Hörbeispiel:
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bellender Husten, deutliches pfeifendes Atemgeräusch mit beginnender oder leichter Atemnot
ausgeprägtes Atemgeräusch, deutliche Atemnot mit Einziehungen (des Brustkorbes), Unruhe
hochgradige Atemnot, ausgeprägtes Atemgeräusch auch bei Ein- und Ausatmung, Zyanose (Blaufärbung von Haut und Lippen)
Pseudo-Krupp spricht in aller Regel gut auf entsprechende Behandlung an, jedoch ist ein progredienter Verlauf möglich, sodass man entsprechend vorbereitet sein sollte, bei Unsicherheit oder Unklarheit über den Schweregrad, einen Notruf abzusetzen. Jeder Anfall sollte wenigstens dem Kinderarzt gemeldet werden, damit eine Abgrenzung getroffen werden kann, ob es sich tatsächlich „nur“ um Pseudo-Krupp handelt.
Als klassische Behandlung für den Pseudo-Krupp-Anfall verbringt man das Kind in eine feucht-kalte Umgebung („Vernebelung“ von kaltem Wasser in der Dusche, das Kind auf dem Arm der betreuenden Person; Verbringen des bekleideten, zugedeckten Kindes auf den Balkon/die Terrasse).
Zudem sollte man selbst Ruhe bewahren, da das Kind – je nach Schweregrad – unruhig und verängstigt ist.
Zur weiteren (medikamentösen) Therapie zählt die Gabe von Glucokortikoiden (z.B.: Prednison), im weiteren Verlauf auch Vernebelung von Epinephrin durch den Notarzt.
Zum Pseudo-Krupp gehört ebenfalls der „spasmoide“ Krupp.
Dieser ist häufig allergisch oder psychosozial bedingt. Während sich der „klassische“ Pseudo-Krupp häufig mit leichtem Fieber und vorangegangener Infektion präsentiert, ist der „spasmoide“ Krupp afebril (fieberlos). Er tritt gehäuft im Alter zwischen 1-3 Jahre auf und ist stets gutartig. Eine Verbesserung der Situation tritt hierbei meist schon nach einigen Stunden ein, eine medikamentöse Therapie ist nicht angezeigt. Adäquate Betreuung bringt schnell Besserung.
(Echter)Krupp(husten) ist eine bakterielle Entzündung und eigentlich eine Form der Diphtherie. Diese ist in Deutschland – bedingt durch die Impfempfehlung – stark zurückgegangen und quasi nicht mehr existent. Allerdings kommt es auch heute noch vereinzelt zu Fällen von Diphtherie.
Diese Krankheit ist meldepflichtig, daher kann man Statistiken im Internet nachlesen.
2007 wurden in ganz Deutschland 2 Fälle gemeldet, 2002 und 2005 war es ein Fall. 2001, 2003 und 2006 gingen ohne eine Meldung vorüber.
Trotzdem darf Diphtherie nicht unterschätzt werden.
Die Symptomatik ist abhängig davon, wo die Diphtherie besteht und ist vor allem nicht altersabhängig. Beim (echten)Krupp ist es meist eine Kombination aus der Kehlkopfdiphtherie (der eigentliche Krupp), die als Begleiterscheinung mit der Rachendiphtherie einhergeht.
Rachendiphtherie äußert sich in Regel durch Abgeschlagenheit (Patient fühlt sich „matt“), Übelkeit – wobei Erbrechen seltener auftritt – und Schluckbeschwerden bei faulig-süßem Mundgeruch. Häufig ist dies noch verbunden mit Bauch- und Gliederschmerzen bei zunehmendem Fieber.
Die Symptomatik der Kehlkopfdiphtherie besteht aus bellendem Husten, zunehmender Heiserkeit und Stimmlosigkeit (Aphonie). Zudem besteht auch hier ein pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen. Die Progredienz hierbei ist allerdings insgesamt etwas langsamer als beim Pseudo-Krupp, die Inkubationszeit von Diphtherie beträgt 2-6 Tage.
Die Gefährlichkeit der Diphtherie besteht außerdem darin, dass die Erreger (Corynebacterium diphtheriae) ein bestimmtes Gift ausscheiden (Exotoxin), die die menschlichen Zellen angreifen.
Dabei kann es zu vielseitigen Komplikationen kommen, darunter der gefährlichen Myokarditis, die zum akuten Herztod führen kann.
Deshalb muss im Krankheitsfall eine sofortige medikamentöse Therapie begonnen werden. Dadurch kann die Letalitätsrate beträchtlich gesenkt werden. Hierzu wird dem Patienten ein Antitoxinserum verabreicht und er wird weiterhin mit Antibiotika behandelt.
Für den Ersthelfer bedeutet dies, dass primär eine symptomatische Behandlung und die Verbringung des Patienten ins Krankenhaus (im Zweifelsfall Notruf) im Vordergrund steht.
Als prophylaktisch wichtiger kann hier allerdings die Schutzimpfung von Säuglingen und die Auffrischungsimpfungen (bis ins Erwachsenenalter) angesehen werden.
Während der (echte)Krupp eine eher „langsam“ verlaufende Krankheit darstellt ist die nun folgende Epiglottitis eine rasch verlaufende und hochakute Erkrankung.
Die – eigentlich seltene – Epiglottitis ist ebenfalls eine bakterielle Infektion, die heutzutage am häufigsten durch eine Kombination von Streptokokken und Staphylokokken verursacht wird. Dennoch wird sie auch heute noch sehr häufig durch Haemophilus influenzae Typ B (HiB) verursacht, wobei Säuglinge nach der Empfehlung der STIKo hiergegen geimpft werden.
Die Epiglottitis kann zu jeder Jahreszeit auftreten und betrifft am häufigsten Kinder im Alter von 2 Jahren bis 5-6 Jahren.
Es kommt zu plötzlichem, starken Fieber, einhergehend mit massiven Schluckbeschwerden, daraus resultierend Nahrungsverweigerung und starkem Speichelfluss.
Das Kind hat eine ausgeprägte Atemnot, ist – im Gegensatz zum Pseudo-Krupp-Anfall – sehr ruhig und „hochkonzentriert“ und sitzt vornübergebeugt. Es kommt bei der Epiglottitis ebenfalls zu einer Verengung der Atemwege, im Gegensatz zu den anderen Krupp-Syndromen ist bei der Epiglottitis allerdings der Kehldeckel (Epiglottis) betroffen und der typische Husten fehlt vollständig.
Es kann neben einem pfeifenden Atemgeräusch beim Einatmen ebenfalls zu einem Röcheln bei der Ausatmung (Karcheln) kommen. Dies tritt allerdings meist erst im fortgeschrittenen Stadium auf.
!Die Epiglottitis stellt einen akuten Notfall dar, zu dem unbedingt ein Notarzt hinzugezogen werden sollte!
Als Hilfemaßnahmen steht vor allem die Beruhigung des Kindes im Vordergrund. Das Kind sollte möglichst nicht gestresst werden, da es zu einer weiteren Verschlechterung des Allgemeinzustandes führen könnte.
Auch hier hilft das Verbringen des Kindes in ein feuchtes und kühles Millieu (siehe Pseudo-Krupp: Bad, Balkon).
Der Ersthelfer sollte keinesfalls den Mund-Rachenraum inspizieren, da selbiges zu einer weiteren Verschlimmerung der Atemsituation des Kindes führen könnte.
Bei Eintreffen des Notarztes steht die Sicherung der Atemwege im Vordergrund, welche häufig durch rasche Intubation des sedierten Kindes realisiert wird.
Auch bei der Epiglottitis sollte schnellstmöglich eine Behandlung mit Glucokotikoiden (Prednison) und zusätzlich intravenöser Gabe von Antibiotika begonnen werden.
Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:
info@schockzeichen.de
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Thema: Erste Hilfe am Kind | 2 Kommentare



