Bewusstlosigkeit ist eines der größeren Themen im EH-Kurs. Eigentlich ist es ganz einfach, aber die Zusammenhänge sind manchmal ein wenig verwirrend.
Also… Bewusstlosigkeit ist erstmal gar keine Bewusstlosigkeit, sondern es handelt sich dabei eigentlich “nur” um eine Bewusstseinseintrübung , bzw. Bewusstseinsminderung. Die Eintrübung entsteht durch Sauerstoffmangel im Gehirn. Soweit, so einfach. Auf die Frage, warum die Bewusstseinseintrübung so gefährlich ist, kommt dann die klassische Erklärung, dass bei einem „Bewusstlosen“ der Grundtonus der Muskulatur ausfällt und daher die Zunge zurückfällt und die Atemwege blockiert.
Nun handelt es sich dabei aber nur um die halbe Wahrheit.
Denn es hängt von dem Grad oder auch der Tiefe der Bewusstseinseintrübung ab, inwieweit die Schutzreflexe und der Grundtonus (Ruhetonus) ausfallen.
Man unterscheidet zwischen grob 4 Graden der Bewusstseinseintrübung:
Diese sind
a) Benommenheit
b) Somnolenz
c) Sopor
d) Koma
Benommenheit sollte eigentlich jedem zumindest ansatzweise bekannt sein. Patienten sind desorientiert und leicht verlangsamt, aber noch kommunikationsfähig. Das kann man gut mit jemandem vergleichen, der gerade aufgestanden ist. Der wird auch noch ein wenig benommen sein (diese müssen dann aber noch nicht in die Stabile Seitenlage gelegt werden).
Auch Somnolenz dürfte dem Ein oder Anderen bekannt sein. Der Patient ist schläfrig, auch „schlafsüchtig“ und wird ständig einschlafen. Aus diesem Schlaf ist er aber jederzeit wieder erweckbar. Auch die Orientierung leidet. Oft ist die Sprache verwaschen und unzusammenhängend. Der Schlaf verschwimmt mit der Realität, manche somnolente Patienten antworten auf Fragen, die sie „geträumt“ haben.
Sopor ist ein tiefer Schlafzustand. Der Patient ist zwar immer noch erweckbar, allerdings nur mühevoll, meist nur unter Einsatz von Schmerzreizen (Vorsicht!! Hierbei muss man SEHR vorsichtig vorgehen. Bei Verletzungen des Patienten handelt es sich um Körperverletzung!).
Sopore Patienten können sicht nicht mehr artikulieren, geben höchstens unzusammenhängende Wortfetzen von sich (Wortsalat)und sind komplett desorientiert. Der Muskeltonus ist herabgesetzt.
Koma ist die tiefste Form der Bewusstlosigkeit. Hierbei fallen (je nach Tiefe des Komas) auch die Schutzreflexe und eben der Muskeltonus aus. Komatöse Patienten sind nicht erweckbar und können keine zielgerichteten Bewegungen mehr durchführen. Als Reaktion auf Ansprache erfolgt teilweise nur noch eine unkoordinierte Abwehrbewegung. Für Laien ist es sehr schwer, Sopor von einem niedergradigen Koma zu unterscheiden.
Im Rettungsdienst bedient man sich, um den Grad der Bewusstseinseintrübung einzuschätzen, der Glascow-Coma-Scale (GCS)
Hierbei kontrolliert man den Patienten auf 3 Kriterien: Augen öffnen, Verbale Kommunikation und Motorische Reaktion.
Hierbei kommt es auf die Qualität der jeweiligen Reaktion an. Die besten Ergebnisse wären spontanes Augen öffnen, klare orientierte Kommunikation und gezielte Bewegung nach Aufforderung. Die Schlechteste entsprechend keinerlei Reaktion.
Für Kinder nimmt man eine angepasste Skala, um dem Alter der Kinder gerecht zu werden. Denn dass ein 2 jähriges Kind keine orientierte Konversation führen kann, sollte klar sein.
Was hat es aber nun mit der „Orientierung“ auf sich?
Die Orientierung bezieht sich auf folgende Begebenheiten: Orientierung zur eigenen Person, zum Ort und zur Zeit. Fragen hierzu wären also: Wie heißen sie? Wann sind sie geboren? Wo sind wir denn (Ort, Stadt, Straße)? Welchen Tag haben wir denn heute?
Je nach Angabe des Patienten (Wie antwortet er? Antwortet er spontan? Antwortet er verständlich?) kann man dann eine Einschätzung erlangen, inwieweit der Patient orientiert ist.
Dabei kontrolliert man gleichzeitig die Fähigkeit, die Augen zu öffnen und kann die Qualität der Sprache beurteilen (Verwaschen, spontan, Wortfetzen). Auch die motorischen Fähigkeiten sind einfach zu prüfen, indem man den Patienten einfache motorische Übungen durchführen lässt, wie beispielsweise die Nase berühren lassen (mit jeweils einem Finger beider Hände) oder ihn abwechselnd beide Beine anheben lassen.
Es hängt natürlich immer vom jeweiligen Patienten ab, welche der Diagnostiken man anwenden muss oder nicht. Ein Betrunkener, der nur noch lallend durch die Gegend fällt, muss nicht noch auf einem Bein stehen, da in diesem Fall die Gefahr, dass sich der Patient dabei noch verletzt einfach viel zu groß ist.
Wie gesagt, handelt es sich hierbei „nur“ um Hintergrundwissen der geneigte Ersthelfer muss diese Dinge nicht kontrollieren. Aber es ist doch schon mal recht interessant zu wissen, was mit dem Patienten los ist, wenn er denn unerwarteter Weise doch reagiert, aber eben nicht voll orientiert. Für den Ersthelfer reicht es aber normalerweise aus zu wissen, dass bei Bewusstlosen die Atmung kontrolliert werden muss und bei entsprechend „normaler“ Atmung der Patient in die Stabile Seitenlage gehört.
Aber auch stark somnolente oder sopore Patienten kann man durchaus in die Stabile Seitenlage „verfrachten“, insofern sie es tolerieren. Die Grundregel hierbei ist: Solange sich der Patient alleine aus der Stabilen Seitenlage herausrollen kann, darf er das auch. Trotz allem muss ich „meinen“ Patienten kontinuierlich beobachten und ihn im Zweifelsfall wieder zurück in die Stabile Seitenlage legen. Und dass ein Notruf erfolgen sollte, dürfte selbstverständlich sein.
Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:
info@schockzeichen.de
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