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ERC Guidelines 2005 #3

Freitag, 26. Juni 2009 | Autor:

Doch nu früher… Ich hatte ein wenig mehr Zeit als eingeplant, daher jetzt der neue Teil, Die Arbeiten am nächsten Schockcast sind auch in Vorbereitung, für alle, die den Schockcast mögen.
Dazu wird es auch ein kleine Änderung geben, dazu aber später mehr.
Hier soll es nun nach Artikel #1 und Artikel #2 um den letzten Teil der Betrachtung der ERC Guidelines gehen, um die Fremdkörperverlegung.
Anbei noch eine Frage an die “Profi-Leser” von schockzeichen.de: Ist jemand auf dem diesjährigen ERC-Kongress in Köln? Vielleicht eine kleine Mail, ich hätte da mal die ein oder andere Frage ;)

So… nun folgt aber deer letzte Teil dieser „Abhandlung“, nämlich die Änderungen bezüglich der Atemwegsverlegung (Obstruktion) durch einen Fremdkörper (FBAO – Foreign Body Airway Obstruction).

Wichtig ist vorab hierbei zu erwähnen, dass es sich eben um einen Fremdkörper handeln muss.
Die folgende Maßnahmen machen keinen Sinn und bringen auch keine Besserung bei einem „Verschlucken“ mit einer Flüssigkeit.
Diese ist zwar durchaus mehr als unangenehm – wer sich schon mal an seiner eigenen Spucke verschluckt hat, weiß das nur zu gut… – gibt sich aber in der Regel nach kürzerer Zeit von selbst.
Das soll nicht heißen, dass ein „Verschlucken“ einer Flüssigkeit nicht gefährlich sein kann, allerdings ist sie – wie schon geschrieben – nicht durch diese Maßnahmen zu beheben.

Bevor wir nun aber zu den eigentlich Maßnahmen und den Änderungen, die durch die neue Richtlinie zu verzeichnen sind, kommen, möchte ich vorab erst ein mal das Wort „Verschlucken“ erklären und die größten Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Der Körper unterscheidet generell zwischen Flüssigkeiten und Speisebrei, sowie Luft.
Das ist durchaus sinnvoll, da je nachdem, was es ist, es eine andere Bestimmung hat.
Der Körper benötigt logischerweise die Flüssigkeit und den Speisebrei in einem anderen Organ (Magen), als die Luft (Lunge).
Da im Halsbereich zwei Röhren verlaufen, nämlich die Speiseröhre (Ösophagus) und die Luftröhre (Trachea), muss der Körper nun entscheiden, wo was hineinkommen soll.
Dafür ist der Kehlkopf (Larynx) zuständig.
Er unterscheidet zwischen Flüssigkeit und Speisebrei, die er in den Ösophagus leitet, sowie Luft, die er in die Trachea lässt.
In manchen Fällen kann es nun vorkommen, dass der Kehlkopf durch Flüssigkeit und/oder Speisebrei gereizt wird (diese berührt die Schleimhäute des Kehlkopfes und/oder der Trachea) und dadurch eben diese starken Hustenreiz auslöst.
In noch selteneren Fällen kann es dann passieren, dass ein größerer Brocken den Kehlkopf passiert und so in der Luftröhre landet und sich dort festsetzt.
Daraus entsteht dann ein massiver Husten- und Würgereiz.

Das bedeutet also, dass beim „Verschlucken“ ein Fremdkörper tatsächlich in die falsche Röhre gelangt ist. Das sprichwörtliche „etwas in den falschen Hals bekommen haben“ kann man also doch durchaus wörtlich verstehen.

Daraus kann man nun also schlussfolgern, dass der nett gemeinte Rat, den mir meine Großmutter beispielsweise immer gab:
„Dann trink‘ halt mal was Bub‘„
absolut nicht effektiv ist.
Denn wenn ich dann etwas trinke, kommt es ja in die Speiseröhre, wo es gar nicht „benötigt“ würde.

Man kategorisiert die FBAO in zwei Schweregrade.
Eine „milde“ Obstruktion der Atemwege, sowie eine schwere Obstruktion.

Eine milde Obstruktion äußert sich beim Patienten dadurch, dass er noch husten und auch würgen kann.
Die Ausprägung der Atembeeinträchtigung ist relativ gering, er kann zumeist sogar noch sprechen.
Im Falle einer milden Obstruktion reicht es aus, den Patienten weiterhin zum Husten zu animieren, eine weitere Behandlung ist meist nicht nötig, da durch das Husten der Fremdkörper hinausbefördert werden kann…

Eine schwere Obstruktion ist gravierender. Der Patient kann dabei nicht mehr husten, das Sprechen fällt ihm im Bestfall sehr schwer meistens kann er gerade noch so nicken.
Hierbei ist eine aktive Hilfeleistung durch den Ersthelfer nicht nur indiziert, sondern auch lebensnotwendig, der Patient ist nicht in der Lage sich des Fremdkörpers selbst zu entledigen.

Die nun durchzuführende Maßnahme ist simpel aber effektiv.
Man begibt sich leicht seitlich hinter den Patienten und beugt den Oberkörper des Patienten nach vorne.
Dann schlägt man mit der flachen Hand – mit ausreichend viel Kraft – auf den Rücken, zwischen die Schulterblätter des Patienten.
Das führt man bis zu 5 mal durch, während man nach jedem Schlag überprüft, ob der Fremdkörper hinausbefördert wurde.
Falls nicht – und das ist die Änderung in der „neuen“ Richtlinie – führt man bis zu 5 Oberbauchkompressionen durch.
Dazu stellt man sich hinter den Patienten und legt die geschlossene Faust auf den Oberbauch des Patienten (Der Oberbauch befindet sich etwa zwischen dem Ende des Brustbeins und dem Bauchnabel).
Die andere Hand legt man über die Faust und beugt den Patienten nach vorn.
Anschließend führt man ruckartige Kompressionen auf den Oberbauch des Patienten aus.
Wichtig ist hierbei, dass die Kompressionen möglichst „gerade“ nach hinten durchgeführt werden.
Nach jeder Oberbauchkompression sollte überprüft werden, ob der Fremdkörper hinaus gelangt ist.
Man möchte hierbei sicher stellen, dass nur wirklich benötigte Oberbauchkompressionen durchgeführt werden.
Sollte also nach der ersten Oberbauchkompression der Fremdkörper bereits draußen sein, bitte nicht weitermachen.
Zudem muss der Patient nach spätestens der ersten erfolgten Oberbauchkompression definitiv in Krankenhaus verbracht werden, damit er auf eventuelle innere Verletzungen untersucht werden kann.

Viele Kollegen sehen – durch das hohe Verletzungsrisiko bei der Oberbauchkompression – die Durchführung als relativ kritisch an, war die Oberbauchkompression in der Laienausbildung doch, soweit ich weiß, 10 Jahre lang nicht mehr enthalten.
Die Frage, die sich hierbei immer stellt, ist die, der Verhältnismäßigkeit… Es ist eine Sache der Abwägung.
Die Maßnahme hat durchaus ihre Berechtigung. Doch muss sie entsprechend angewendet werden.

Ich möchte hier nun kurz erläutern, welcher Mechanismus hinter der Oberbauchkompression steckt und warum dieser durchaus positiv für den Verlauf einer schweren Obstruktion sein kann…
Dazu hole ich ein wenig aus und erkläre ganz kurz die Atemmechanik (also wie Atmen funktioniert).
Im Bauchraum befindet sich das Zwerchfell (Diaphragma). Dieses Muskelfell trennt nicht nur die Bauchorgane von den Brustorganen, sondern kann sich auch – es ist ja schließlich ein Muskel – zusammenziehen und entspannen.
Einatmen funktioniert nun folgendermaßen:
Das Zwerchfell dehnt sich aus und zieht sich nach unten hin weg, es entsteht ein freier Raum, der somit das Volumen der Lunge vergrößert.
Dadurch entsteht ein Unterdruck in selbiger, so dass Luft hineingesogen wird.
Beim Entspannen des Zwerchfells wird das Lungenvolumen wieder verkleinert und die Luft wird – bedingt durch den dadurch entstehenden Überdruck wieder hinaus befördert.
Die Zwischenrippenmuskulatur (Intercostalmuskulatur) hat zwar auch etwas damit zu tun, darauf werde ich aber an anderer Stelle einmal genauer eingehen.

Dieses Prinzip macht man sich nun bei der Oberbauchkompression zu Nutze.
Durch das ruckartige Zusammendrücken des Oberbauches wird auch das Zwerchfell komprimiert. Durch diese Komprimierung entsteht also ein Überdruck in der Lunge, wodurch die Luft hinaus gepresst wird.
Da die Trachea nun aber durch den Fremdkörper verlegt ist, wirkt dieser Druck also gegen den Fremdkörper.
Im optimalen Fall reicht dieser Druck dabei aus, den Fremdkörper aus der Trachea zu befördern.

Die Problematik ist eben – wie bereits geschrieben – die hohe Verletzungsgefahr.
Man muss sich vorstellen, dass man im Oberbauch wichtige Organe hat, darunter beispielsweise die Leber.
Durch den ruckartigen Druck, der bei der Oberbauchkompression angewandt wird, entsteht ein sehr hohes Gefahrenpotential, dass man eben eines dieser Organe verletzt.
Und wenn die Leber verletzt wird, ist das durchaus gefährlich, da die Leber eines der am besten durchblutetsten Organe darstellt, die wir im Körper haben.
Sollte diese also verletzt worden sein, kann der Patient schwere Komplikationen entwickeln.
Deswegen ist die Verbringung in eine Klinik absolut notwendig.

Die Oberbauchkompression ist also die Maßnahme bei einer schweren FBAO, die nach den „Rückenschlägen“ durchgeführt wird, sollten diese nicht den gewünschten Erfolg bringen.
Die Frage, die sich nun stellt, ist, was mache ich, sollte die Oberbauchkompression auch nicht zum gewünschten Ergebnis führen.
Die Frage ist einfach zu beantworten:
Die besprochenen Maßnahmen werden einfach im Wechsel durchgeführt.
Also bis zu 5 „Rückenschläge“ im Wechsel mit bis zu 5 Oberbauchkompressionen.
Das wird solange durchgeführt, bist entweder

  • der Fremdkörper entfernt ist,
  • der Rettungsdienst eintrifft,
  • oder der Patient bewusstlos wird.

Im Falle einer eintretenden Bewusstlosigkeit sollte – spätestens dann – unverzüglich der Rettungsdienst verständigt werden.
Der Patient sollte vorsichtig auf den Boden gelegt und die „Standardmaßnahmen“ bei Bewusstlosigkeit ergriffen werden (Ansprechen – „Um Hilfe rufen“ – Atemkontrolle – HLW bzw. Stabile Seitenlage).

Ich habe zwar zwischenzeitlich die eine oder andere Bemerkung über die Behandlung von Kindern verloren, möchte das aber nun noch einmal kurz zusätzlich aufbereiten.
Ich denke hierbei erübrigt sich eine genauere Erläuterung, diese würde sich in der Regel nur wiederholen, so dass ich primär die Änderungen und die durchgeführten Maßnahmen aufbereiten werde. Änderungen und Ergänzungen werde ich aber selbstverständlich erläutern.

Bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung habe ich bereits erwähnt, dass das Aufsuchen des Druckpunktes, die Geschwindigkeit und die Anzahl der Kompressionen angeglichen worden sind.
Es gibt dennoch eine Änderung bezüglich der Reanimation bei Kindern.
Und diese bezieht sich auf eine isolierte Maßnahme vor der eigentlichen HLW.
Bei Säuglingen und Kindern macht man – nach festgestellter „nicht normaler“ Atmung – mit 5 Initialbeatmungen. Das sind 5 Beatmungen, die eben vor der eigentlichen HLW durchgeführt werden… Sie stellen also eine Erweiterung dar.
Anschließend (und auch währenddessen) prüft man, ob das Kind/der Säugling dabei Lebenszeichen (in Form von Husten, Würgen oder Abwehrbewegungen) hat.

Liegen beim Patienten Lebenszeichen vor, fährt man mit den Beatmungen fort, bzw. dreht den Patienten, falls wieder eine „normale“ Atmung vorhanden ist, in die Stabile Seitenlage.

Bei nicht vorhandenen Lebenszeichen wird anschließend die „normale“ HLW begonnen, sprich im Verhältnis 30:2.

Da der Jugendliche mehr dem Erwachsenen zuzuordnen ist, entfallen bei diesem die Initialbeatmungen.

Die „neue“ Stabile Seitenlage kann mittlerweile – wie bereits erwähnt – auch bei Säuglingen und Kindern durchgeführt werden.
Das Problem hierin lag in der „alten“ Richtlinie darin, dass die Extremitäten, proportional gesehen, zu kurz waren, was die Durchführung der „alten“ Stabilen Seitenlage bei Säuglingen und jungen Kindern unmöglich machte.
Mit den erläuterten Änderungen ist dies nun möglich, was eine Verbesserung für Handhabung durch den Ersthelfer darstellt.

Eine prägnantere Änderung findet sich bei der Behandlung der FBAO bei Säuglingen.
So wird bei Säuglingen keine Oberbauchkompression durchgeführt, stattdessen macht man Thoraxkompressionen.
Die Durchführung erfolgt wie die Thoraxkompression bei einer Reanimation, erfolgt jedoch langsamer.
Der Grund hierfür ist recht simpel, sollte aber erwähnt werden – vor allem, weil ich ihn so nicht als Argumentation gefunden habe…
Die Problematik ist, dass bei einem Säugling die Leber überproportinal groß ist… Daher ist auch die Verletzungsgefahr relativ gesehen höher, bei einem Säugling selbige zu verletzen.
Der andere Grund ist, dass bei Säuglingen der Brustkorb noch nicht so verknöchert ist, wie bei einem Erwachsenen. Es ist also verhältnismäßig einfacher, den benötigten Druck aufzubauen…

Durch die Kompression wird der Druck im Brustkorb erhöht, der wie auch bei der Oberbauchkompression auf den Fremdkörper wirkt und ihn, bedingt durch eben jenen Druck hinausbefördert.

Nach diesem doch durchaus langen Text hoffe ich doch, ein wenig Licht ins Dunkel gebracht zu haben.
Sehen wir der neuen Richtlinie freudig entgegen, denn die wird 2010 veröffentlicht.

Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

info@schockzeichen.de

ERC Guidelines 2005 #1 | ERC Guidelines 2005 #2

Thema: Allgemeines, Erste Hilfe, Erste Hilfe am Kind | 2 Kommentare

Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag

Sonntag, 26. April 2009 | Autor:

Unter den „thermischen Schädigungen“, die man haben kann, gibt es diverse.
Drei Verschiedene sorgen in den Erste-Hilfe-Kursen immer wieder für Verwirrung, obwohl sie eigentlich recht leicht zu unterscheiden sind.
Worüber rede ich?
Über den

  • Sonnenstich,
  • die Hitzeerschöpfung
  • und den Hitzschlag.

Der Sonnenstich stellt hierbei eine Reizung der Hirnhäute (Meningitiden Meningen) durch die Strahlung der Sonne dar, die isoliert das Gehirn betrifft. Es kommt dabei zu einer Schwellung der Hirnhäute und zu einer entsprechenden Symptomatik.

Diese wären Kopfschmerzen, Übelkeit (teilweise bis zum Erbrechen) sowie Nackenschmerzen, bis hin zur sogenannten Nackensteifigkeit (Meningismus).
Ebenso ist beim Patienten ein erhitzter, roter Kopf zu bemerken.

Der Sonnenstich kann als isolierter „Hitzschlag“ im Gehirn angesehen werden, da die Symptomatik durch die langwellige Strahlung (Infrarotbereich) der Sonne ausgelöst wird, die durch den knöchernen Schädel dringen kann.

Durch diesen Vorgang kann übrigens ausgeschlossen werden, dass es sich bei der verantwortlichen Strahlung um die UV-Strahlung handelt, da diese den Schädel erst gar nicht durchdringen könnte.

Bei langer oder stetiger Bestrahlung des Kopfes mit Sonnenstrahlen kann – bis zu 8 Stunden nach dem eigentlichen Ereignis – ein Sonnenstich auftreten.
„Prädestiniert“ für einen Sonnenstich sind demnach Menschen mit lichtem Haupthaar, also ältere Menschen, Kinder oder Leute mit Glatze.
Die Hilfeleistung erstreckt sich dabei über Kühlen des Kopfes und des Nackens, bei dem die Schwellung der Hirnhäute gelindert wird.
Ebenfalls sollte der Patient in den Schatten verbracht werden, damit die Hirnhäute nicht noch weiter gereizt werden.

Anmerkend sollte allerdings noch erwähnt werden, dass Kopfschmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS; Handelsname: Aspirin) nicht wirken.
Ein Arzt erwähnte mir gegenüber einmal, dass die einzig sinnvolle Therapie des Sonnenstichs aus „aggressivem Zuwarten“ bestünde.
De facto ist es so, dass bei einem Sonnenstich eben Bettruhe und Kühlen des Kopfes, sowie des Nackens, am besten geeignet sind. Der Sonnenstich vergeht in der Regel nach spätestens einer Woche wieder von selbst.

Präventiv sollte gerade bei Kindern oder den anderen „Risikogruppen“ bei direkter Sonneneinstrahlung eine Kopfbedeckung getragen und vermieden werden, längere Zeit in einem Fahrzeug mit geöffneten Schiebedach oder gar ohne Dach zu fahren.

Die Hitzeerschöpfung ist mit der häufigste Grund, warum im Sommer der Rettungsdienst alarmiert wird, obwohl man diesem – ebenso wie dem Sonnenstich – recht leicht vorbeugen kann.
Die Hitzeerschöpfung entsteht dadurch, dass bei längerer körperlicher Betätigung und mangelnder Flüssigkeitsaufnahme der Körper „austrocknet“ (exsikkiert). Ebenfalls kann es zu einer vasovagalen Synkope kommen.

Durch das mangelnde Volumen sinkt der Blutdruck und das Gehirn kann nicht mehr ausreichend mit Blut und damit mit Sauerstoff versorgt werden.
Dabei kommt es dann zu dem klassischen „Schwarz vor Augen werden“, also zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit.
Diese kann durch Flüssigkeitsgabe relativ schnell wieder behoben werden.
Eine vasovagale Synkope entsteht durch eine Weitstellung der Gefäße, durch die es zu einem Blutdruckabfall kommt.
Diese ist in der Regel nur kurzfristig und kann ebenfalls sehr schnell durch eine Lagerung in der Schocklage kompensiert werden.
Oftmals findet sich bei einer Hitzeerschöpfung eine Kombination aus beiden Vorgängen.

Der Rettungsdienst gibt hierbei unter Umständen eine 0,9%ige Kochsalzlösung intravenös (NaCL 0,9% i.v.) und der Patient wird dann ins Krankenhaus verbracht um weiteres auszuschließen.

Präventiv wäre hier also eine ausreichende Flüssigkeitsgabe von Nöten, damit die Hitzeerschöpfung gar nicht erst auftritt.
Als Hilfemaßnahme bietet sich hier beim wachen Patienten eine Schocklagerung an, die auch nach kurzer Zeit zur Besserung führt. Ebenfalls kann dem wachen Patienten klares Wasser angeboten werden.

Wenn der Patient sich besser fühlt, kann man vorsichtig beginnen ihm aufzuhelfen, wobei man darauf achten muss, dass dieses möglichst langsam und in mehreren Schritten erfolgt.
Beginnend mit einer Flachlagerung (die Beine herunternehmen), übergehend zum langsamen Aufrichten bis zum Sitzen und erst abschließend das Aufhelfen zum Stehen.
Sollte der Patienten während einer einer Phase über „Schwummerigkeit“ oder erneuten „Schwarz vor den Augen werden“ klagen, sollte die jeweils vorhergehende Position eingenommen werden und spätestens dann der Rettungsdienst verständigt werden.

!! Bewusstlose Patienten kommen generell in die Stabile Seitenlage. !!

Die Hitzeerschöpfung kann man nun als eine „Vorstufe“ zum Hitzschlag sehen.
Dieser tritt heutzutage weit seltener auf, als noch vor etwa 15-20 Jahren, dennoch handelt es sich beim Hitzschlag um ein lebensbedrohliches Ereignis, das nicht unterschätzt werden sollte.
Während die Hitzeerschöpfung und der Sonnenstich meist eine stärkere „Befindlichkeitsstörung“ darstellen und in der Regel nach kurzer Zeit wieder behoben werden können, ist der Hitzschlag eine hoch kritische Notfallsituation.

Der Hitzschlag ist eine generalisierte Überhitzung des Körper (Hyperthermie), die der Körper von allein nicht beheben kann, die natürliche Temperaturregulation kann dabei nicht mehr stattfinden.

Beim Hitzschlag kommen mehrere Faktoren zusammen, die häufigste Situation heutzutage ist ein Zusammenspiel aus Exsikkose (Austrocknung), Hyperthermie und sehr hoher Außentemperatur.
Als leider klassische Situation kommt hierbei der Säugling im geschlossenen Fahrzeug vor.
Durch den Hitzestau im geschlossenen Fahrzeug kommt es dabei zu einer Überhitzung des Körpers (Hyperthermie). Der Körper versucht sich durch Schwitzen (Transpiration) zu kühlen.
Normalerweise sorgt die Verdunstungskälte dafür, dass die Körpertemperatur sinkt. Da im geschlossenen Fahrzeug jedoch keine Luftbewegung stattfindet, kommt es zu keiner Kühlung sondern nur zu einer weiter steigenden Körpertemperatur.

Die starke Transpiration sorgt zudem für eine stärker werdenden Exsikkose (Austrocknung), sodass sich die Symptomatik verstärkt.
Nach mehr oder weniger langer Zeit steigt die Körpertemperatur so hoch, dass der Körper diese nicht mehr kompensieren kann.

Es kommt hierbei neben einer sehr hohen Körpertemperatur bei meist trockener Haut zu einer starken Rötung des Kopfes. Bei einer fortgeschrittenen Symptomatik kann der Kopf auch violett erscheinen.
Weiterhin kann eine starke Bewusstseinseintrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit auftreten.

!! Dieses Krankheitsbild ist, wie gesagt, ein hochkritisches und muss umgehend notfallmedizinisch versorgt werden. !!

Dazu gehört Flüssigkeitsgabe (Substitution), Senken der Körpertemperatur und das Vermeiden von weiteren organischen Störungen.
Die Problematik bei der stark erhöhten Körpertemperatur liegt in unter anderem im Unvermögen des Gehirns, mit extremen Temperaturen umgehen zu können.

Es kann in sehr schweren Fällen ebenfalls zu Krampfanfällen oder zum Herz-Kreislaufstillstand kommen.

Ersthelfer sollten zuerst den Patienten aus der heißen Umgebungstemperatur entfernen und in den Schatten oder einen kühlen Raum verbringen. Übermäßige Kleidung wie Jacken oder Pullover sind zu entfernen und der Körper sollte versucht werden, mit feuchten Tüchern durch Verdunstungskälte heruntergekühlt zu werden.

Beim wachen Patienten kann ebenfalls klares Wasser als Flüssigkeit verabreicht werden, um die körpereigene Temperaturregulation durch Transpiration wieder in Gang gesetzt zu bekommen.

!! Ein Notarzt ist durch Notruf auf jeden Fall hinzuzuziehen. !!

Generell stellt dieser Beispiel-Notfall eine Ausnahmesituation dar, die relativ simpel umgangen werden kann.
Kinder sollten unter keinen Umständen – auch nicht für ein „paar Minuten“ – unbeaufsichtigt im Fahrzeug gelassen werden.

Bei längeren Autofahrten, sollten – wenn sie unbedingt tagsüber bei stetem Sonnenschein stattfinden müssen – ausreichende Pausen eingelegt werden, bei denen das Fahrzeug gut gelüftet werden, sowie das Kind sich außerhalb des Fahrzeugs aufhalten und ihm regelmäßig Flüssigkeit angeboten werden sollte.

Generell sollten Situationen, in denen es zu einer starken Überhitzung kommen kann vermieden werden und das Kind der Jahreszeit entsprechend gekleidet werden.

Bei Erwachsenen sollte ebenfalls darauf geachtet werden, dass es nicht zu einer solchen starken Überhitzung kommt, jahreszeitentsprechende Kleidung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sollte unbedingt beachtet werden.
Ebenfalls sollten anstrengende Arbeiten in geschlossenen überhitzenden Räumen auf weniger warme Tageszeiten verlagert werden.

Gerade ältere Menschen sollten verstärkt auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und beispielsweise längere Gartenarbeiten auf die Abendstunden verlagern, denn damit können von vornherein Hitzeerschöpfungen und ähnliches vermieden werden und man kommt „gesund durch den Sommer“.

Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

info@schockzeichen.de

Thema: Allgemeines | 2 Kommentare

Krupp, Pseudo-Krupp und Epiglottitis

Samstag, 14. März 2009 | Autor:

Zwei Erkrankungen, die immer wieder verwechselt werden, was im Zweifelsfall tödlich enden kann, sind Pseudo-Krupp und die Epiglottitis.
In Erste Hilfe am Kind-Kursen kommt es auch immer wieder zu Verwechslungen zwischen diesen beiden und viele Ausbilder hüten sich zudem, die Epiglottitis überhaupt zu erwähnen.
Pseudo-Krupp wird häufiger – wenn auch nicht immer – besprochen. Trotzdem ranken sich immer noch einige Mythen um den Unterschied zwischen (echtem)Krupp(husten) und Pseudo-Krupp.
Aber wie immer wollen wir vorne beginnen.

Alle 3 Erkrankungen sind Erkrankungen der oberen Atemwege, genauer gesagt, des Kehlkopfes.
Allerdings unterscheiden sie sich

  • im Erreger
  • im genauen Bereich.
  • So sind die Erreger der Epiglottitis und des Krupp(husten)s Bakterien (allerdings auch unterschiedliche), während Pseudo-Krupp in der Regel von Parainfluenzaviren verursacht wird.

    Der Pseudo-Krupp ist also meist eine virale Infektion der Schleimhäute im sogenannten subglottischen Bereich (unterhalb der Stimmritze).
    Das typische Alter für Kinder, die einen Pseudo-Krupp-Anfall erleiden, liegt zwischen 6 Monaten und 5 Jahren, der Altersgipfel liegt bei bis etwa 3 Jahren. Die Symptomatik des Pseudo-Krupp-Anfalls entsteht durch das Anschwellen der Schleimhäute in den Atemwegen. Wachstumsbedingt vergrößern sich im voranschreitenden Alter die Atemwege, sodass dadurch die Gefahr des Wiederauftretens eines Pseudo-Krupp-Anfalls stark gemindert wird.
    Pseudo-Krupp tritt gehäuft im Spät-Herbst bis Früh-Winter auf, die klassischen Monate sind zwischen Oktober und November.
    Des Weiteren treten Pseudo-Krupp-Anfälle meist in den frühen Morgenstunden auf, oftmals besteht seit einigen Tagen ein leichter Erkältungs-Infekt bei den Kindern.
    Bei Pseudo-Krupp sind nun die Schleimhäute entzündet und gereizt (die „trockene“ Heizungsluft reizt zusätzlich), es kommt so zu einem Anschwellen, worauf das Kind mit dem charakteristischen „bellenden“ Husten reagiert. Zudem tritt Heiserkeit auf und das Kind hat eine hörbar pfeifende Einatmung (inspiratorischer Stridor).
    Je nach Schweregrad des Anfalls unterteilt man den Pseudo-Krupp in 4 Grade:

  • Schweregrad I:
  • 
„bellender“ Husten, Heiserkeit, begleitet von einem leichten pfeifenden Atemgeräusch bei der Einatmung

    Hörbeispiel:

    Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

    Inspiratorischer Stridor

  • Schweregrad II:
  • 
bellender Husten, deutliches pfeifendes Atemgeräusch mit beginnender oder leichter Atemnot

  • Schweregrad III:

  • ausgeprägtes Atemgeräusch, deutliche Atemnot mit Einziehungen (des Brustkorbes), Unruhe

  • Schweregrad IV:
  • 
hochgradige Atemnot, ausgeprägtes Atemgeräusch auch bei Ein- und Ausatmung, Zyanose (Blaufärbung von Haut und Lippen)

    Pseudo-Krupp spricht in aller Regel gut auf entsprechende Behandlung an, jedoch ist ein progredienter Verlauf möglich, sodass man entsprechend vorbereitet sein sollte, bei Unsicherheit oder Unklarheit über den Schweregrad, einen Notruf abzusetzen. Jeder Anfall sollte wenigstens dem Kinderarzt gemeldet werden, damit eine Abgrenzung getroffen werden kann, ob es sich tatsächlich „nur“ um Pseudo-Krupp handelt.

    Als klassische Behandlung für den Pseudo-Krupp-Anfall verbringt man das Kind in eine feucht-kalte Umgebung („Vernebelung“ von kaltem Wasser in der Dusche, das Kind auf dem Arm der betreuenden Person; Verbringen des bekleideten, zugedeckten Kindes auf den Balkon/die Terrasse).
    Zudem sollte man selbst Ruhe bewahren, da das Kind – je nach Schweregrad – unruhig und verängstigt ist.
    Zur weiteren (medikamentösen) Therapie zählt die Gabe von Glucokortikoiden (z.B.: Prednison), im weiteren Verlauf auch Vernebelung von Epinephrin durch den Notarzt.

    Zum Pseudo-Krupp gehört ebenfalls der „spasmoide“ Krupp.
    Dieser ist häufig allergisch oder psychosozial bedingt. Während sich der „klassische“ Pseudo-Krupp häufig mit leichtem Fieber und vorangegangener Infektion präsentiert, ist der „spasmoide“ Krupp afebril (fieberlos). Er tritt gehäuft im Alter zwischen 1-3 Jahre auf und ist stets gutartig. Eine Verbesserung der Situation tritt hierbei meist schon nach einigen Stunden ein, eine medikamentöse Therapie ist nicht angezeigt. Adäquate Betreuung bringt schnell Besserung.

    (Echter)Krupp(husten) ist eine bakterielle Entzündung und eigentlich eine Form der Diphtherie. Diese ist in Deutschland – bedingt durch die Impfempfehlung – stark zurückgegangen und quasi nicht mehr existent. Allerdings kommt es auch heute noch vereinzelt zu Fällen von Diphtherie.
    Diese Krankheit ist meldepflichtig, daher kann man Statistiken im Internet nachlesen.
    2007 wurden in ganz Deutschland 2 Fälle gemeldet, 2002 und 2005 war es ein Fall. 2001, 2003 und 2006 gingen ohne eine Meldung vorüber.
    Trotzdem darf Diphtherie nicht unterschätzt werden.
    Die Symptomatik ist abhängig davon, wo die Diphtherie besteht und ist vor allem nicht altersabhängig. Beim (echten)Krupp ist es meist eine Kombination aus der Kehlkopfdiphtherie (der eigentliche Krupp), die als Begleiterscheinung mit der Rachendiphtherie einhergeht.
    Rachendiphtherie äußert sich in Regel durch Abgeschlagenheit (Patient fühlt sich „matt“), Übelkeit – wobei Erbrechen seltener auftritt – und Schluckbeschwerden bei faulig-süßem Mundgeruch. Häufig ist dies noch verbunden mit Bauch- und Gliederschmerzen bei zunehmendem Fieber.
    Die Symptomatik der Kehlkopfdiphtherie besteht aus bellendem Husten, zunehmender Heiserkeit und Stimmlosigkeit (Aphonie). Zudem besteht auch hier ein pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen. Die Progredienz hierbei ist allerdings insgesamt etwas langsamer als beim Pseudo-Krupp, die Inkubationszeit von Diphtherie beträgt 2-6 Tage.
    Die Gefährlichkeit der Diphtherie besteht außerdem darin, dass die Erreger (Corynebacterium diphtheriae) ein bestimmtes Gift ausscheiden (Exotoxin), die die menschlichen Zellen angreifen.
    Dabei kann es zu vielseitigen Komplikationen kommen, darunter der gefährlichen Myokarditis, die zum akuten Herztod führen kann.
    Deshalb muss im Krankheitsfall eine sofortige medikamentöse Therapie begonnen werden. Dadurch kann die Letalitätsrate beträchtlich gesenkt werden. Hierzu wird dem Patienten ein Antitoxinserum verabreicht und er wird weiterhin mit Antibiotika behandelt.
    Für den Ersthelfer bedeutet dies, dass primär eine symptomatische Behandlung und die Verbringung des Patienten ins Krankenhaus (im Zweifelsfall Notruf) im Vordergrund steht.
    Als prophylaktisch wichtiger kann hier allerdings die Schutzimpfung von Säuglingen und die Auffrischungsimpfungen (bis ins Erwachsenenalter) angesehen werden.

    Während der (echte)Krupp eine eher „langsam“ verlaufende Krankheit darstellt ist die nun folgende Epiglottitis eine rasch verlaufende und hochakute Erkrankung.
    Die – eigentlich seltene – Epiglottitis ist ebenfalls eine bakterielle Infektion, die heutzutage am häufigsten durch eine Kombination von Streptokokken und Staphylokokken verursacht wird. Dennoch wird sie auch heute noch sehr häufig durch Haemophilus influenzae Typ B (HiB) verursacht, wobei Säuglinge nach der Empfehlung der STIKo hiergegen geimpft werden.
    Die Epiglottitis kann zu jeder Jahreszeit auftreten und betrifft am häufigsten Kinder im Alter von 2 Jahren bis 5-6 Jahren.
    Es kommt zu plötzlichem, starken Fieber, einhergehend mit massiven Schluckbeschwerden, daraus resultierend Nahrungsverweigerung und starkem Speichelfluss.
    Das Kind hat eine ausgeprägte Atemnot, ist – im Gegensatz zum Pseudo-Krupp-Anfall – sehr ruhig und „hochkonzentriert“ und sitzt vornübergebeugt. Es kommt bei der Epiglottitis ebenfalls zu einer Verengung der Atemwege, im Gegensatz zu den anderen Krupp-Syndromen ist bei der Epiglottitis allerdings der Kehldeckel (Epiglottis) betroffen und der typische Husten fehlt vollständig.
    Es kann neben einem pfeifenden Atemgeräusch beim Einatmen ebenfalls zu einem Röcheln bei der Ausatmung (Karcheln) kommen. Dies tritt allerdings meist erst im fortgeschrittenen Stadium auf.

    !Die Epiglottitis stellt einen akuten Notfall dar, zu dem unbedingt ein Notarzt hinzugezogen werden sollte!

    Als Hilfemaßnahmen steht vor allem die Beruhigung des Kindes im Vordergrund. Das Kind sollte möglichst nicht gestresst werden, da es zu einer weiteren Verschlechterung des Allgemeinzustandes führen könnte.
    Auch hier hilft das Verbringen des Kindes in ein feuchtes und kühles Millieu (siehe Pseudo-Krupp: Bad, Balkon).
    Der Ersthelfer sollte keinesfalls den Mund-Rachenraum inspizieren, da selbiges zu einer weiteren Verschlimmerung der Atemsituation des Kindes führen könnte.

    Bei Eintreffen des Notarztes steht die Sicherung der Atemwege im Vordergrund, welche häufig durch rasche Intubation des sedierten Kindes realisiert wird.
    Auch bei der Epiglottitis sollte schnellstmöglich eine Behandlung mit Glucokotikoiden (Prednison) und zusätzlich intravenöser Gabe von Antibiotika begonnen werden.

    Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

    info@schockzeichen.de

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