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Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag

Sonntag, 26. April 2009 | Autor: Björn

Unter den „thermischen Schädigungen“, die man haben kann, gibt es diverse.
Drei Verschiedene sorgen in den Erste-Hilfe-Kursen immer wieder für Verwirrung, obwohl sie eigentlich recht leicht zu unterscheiden sind.
Worüber rede ich?
Über den

  • Sonnenstich,
  • die Hitzeerschöpfung
  • und den Hitzschlag.

Der Sonnenstich stellt hierbei eine Reizung der Hirnhäute (Meningitiden) durch die Strahlung der Sonne dar, die isoliert das Gehirn betrifft. Es kommt dabei zu einer Schwellung der Hirnhäute und zu einer entsprechenden Symptomatik.

Diese wären Kopfschmerzen, Übelkeit (teilweise bis zum Erbrechen) sowie Nackenschmerzen, bis hin zur sogenannten Nackensteifigkeit (Meningismus).
Ebenso ist beim Patienten ein erhitzter, roter Kopf zu bemerken.

Der Sonnenstich kann als isolierter „Hitzschlag“ im Gehirn angesehen werden, da die Symptomatik durch die langwellige Strahlung (Infrarotbereich) der Sonne ausgelöst wird, die durch den knöchernen Schädel dringen kann.

Durch diesen Vorgang kann übrigens ausgeschlossen werden, dass es sich bei der verantwortlichen Strahlung um die UV-Strahlung handelt, da diese den Schädel erst gar nicht durchdringen könnte.

Bei langer oder stetiger Bestrahlung des Kopfes mit Sonnenstrahlen kann – bis zu 8 Stunden nach dem eigentlichen Ereignis – ein Sonnenstich auftreten.
„Prädestiniert“ für einen Sonnenstich sind demnach Menschen mit lichtem Haupthaar, also ältere Menschen, Kinder oder Leute mit Glatze.
Die Hilfeleistung erstreckt sich dabei über Kühlen des Kopfes und des Nackens, bei dem die Schwellung der Hirnhäute gelindert wird.
Ebenfalls sollte der Patient in den Schatten verbracht werden, damit die Hirnhäute nicht noch weiter gereizt werden.

Anmerkend sollte allerdings noch erwähnt werden, dass Kopfschmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS; Handelsname: Aspirin) nicht wirken.
Ein Arzt erwähnte mir gegenüber einmal, dass die einzig sinnvolle Therapie des Sonnenstichs aus „aggressivem Zuwarten“ bestünde.
De facto ist es so, dass bei einem Sonnenstich eben Bettruhe und Kühlen des Kopfes, sowie des Nackens, am besten geeignet sind. Der Sonnenstich vergeht in der Regel nach spätestens einer Woche wieder von selbst.

Präventiv sollte gerade bei Kindern oder den anderen „Risikogruppen“ bei direkter Sonneneinstrahlung eine Kopfbedeckung getragen und vermieden werden, längere Zeit in einem Fahrzeug mit geöffneten Schiebedach oder gar ohne Dach zu fahren.

Die Hitzeerschöpfung ist mit der häufigste Grund, warum im Sommer der Rettungsdienst alarmiert wird, obwohl man diesem – ebenso wie dem Sonnenstich – recht leicht vorbeugen kann.
Die Hitzeerschöpfung entsteht dadurch, dass bei längerer körperlicher Betätigung und mangelnder Flüssigkeitsaufnahme der Körper „austrocknet“ (exsikkiert). Ebenfalls kann es zu einer vasovagalen Synkope kommen.

Durch das mangelnde Volumen sinkt der Blutdruck und das Gehirn kann nicht mehr ausreichend mit Blut und damit mit Sauerstoff versorgt werden.
Dabei kommt es dann zu dem klassischen „Schwarz vor Augen werden“, also zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit.
Diese kann durch Flüssigkeitsgabe relativ schnell wieder behoben werden.
Eine vasovagale Synkope entsteht durch eine Weitstellung der Gefäße, durch die es zu einem Blutdruckabfall kommt.
Diese ist in der Regel nur kurzfristig und kann ebenfalls sehr schnell durch eine Lagerung in der Schocklage kompensiert werden.
Oftmals findet sich bei einer Hitzeerschöpfung eine Kombination aus beiden Vorgängen.

Der Rettungsdienst gibt hierbei unter Umständen eine 0,9%ige Kochsalzlösung intravenös (NaCL 0,9% i.v.) und der Patient wird dann ins Krankenhaus verbracht um weiteres auszuschließen.

Präventiv wäre hier also eine ausreichende Flüssigkeitsgabe von Nöten, damit die Hitzeerschöpfung gar nicht erst auftritt.
Als Hilfemaßnahme bietet sich hier beim wachen Patienten eine Schocklagerung an, die auch nach kurzer Zeit zur Besserung führt. Ebenfalls kann dem wachen Patienten klares Wasser angeboten werden.

Wenn der Patient sich besser fühlt, kann man vorsichtig beginnen ihm aufzuhelfen, wobei man darauf achten muss, dass dieses möglichst langsam und in mehreren Schritten erfolgt.
Beginnend mit einer Flachlagerung (die Beine herunternehmen), übergehend zum langsamen Aufrichten bis zum Sitzen und erst abschließend das Aufhelfen zum Stehen.
Sollte der Patienten während einer einer Phase über „Schwummerigkeit“ oder erneuten „Schwarz vor den Augen werden“ klagen, sollte die jeweils vorhergehende Position eingenommen werden und spätestens dann der Rettungsdienst verständigt werden.

!! Bewusstlose Patienten kommen generell in die Stabile Seitenlage. !!

Die Hitzeerschöpfung kann man nun als eine „Vorstufe“ zum Hitzschlag sehen.
Dieser tritt heutzutage weit seltener auf, als noch vor etwa 15-20 Jahren, dennoch handelt es sich beim Hitzschlag um ein lebensbedrohliches Ereignis, das nicht unterschätzt werden sollte.
Während die Hitzeerschöpfung und der Sonnenstich meist eine stärkere „Befindlichkeitsstörung“ darstellen und in der Regel nach kurzer Zeit wieder behoben werden können, ist der Hitzschlag eine hoch kritische Notfallsituation.

Der Hitzschlag ist eine generalisierte Überhitzung des Körper (Hyperthermie), die der Körper von allein nicht beheben kann, die natürliche Temperaturregulation kann dabei nicht mehr stattfinden.

Beim Hitzschlag kommen mehrere Faktoren zusammen, die häufigste Situation heutzutage ist ein Zusammenspiel aus Exsikkose (Austrocknung), Hyperthermie und sehr hoher Außentemperatur.
Als leider klassische Situation kommt hierbei der Säugling im geschlossenen Fahrzeug vor.
Durch den Hitzestau im geschlossenen Fahrzeug kommt es dabei zu einer Überhitzung des Körpers (Hyperthermie). Der Körper versucht sich durch Schwitzen (Transpiration) zu kühlen.
Normalerweise sorgt die Verdunstungskälte dafür, dass die Körpertemperatur sinkt. Da im geschlossenen Fahrzeug jedoch keine Luftbewegung stattfindet, kommt es zu keiner Kühlung sondern nur zu einer weiter steigenden Körpertemperatur.

Die starke Transpiration sorgt zudem für eine stärker werdenden Exsikkose (Austrocknung), sodass sich die Symptomatik verstärkt.
Nach mehr oder weniger langer Zeit steigt die Körpertemperatur so hoch, dass der Körper diese nicht mehr kompensieren kann.

Es kommt hierbei neben einer sehr hohen Körpertemperatur bei meist trockener Haut zu einer starken Rötung des Kopfes. Bei einer fortgeschrittenen Symptomatik kann der Kopf auch violett erscheinen.
Weiterhin kann eine starke Bewusstseinseintrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit auftreten.

!! Dieses Krankheitsbild ist, wie gesagt, ein hochkritisches und muss umgehend notfallmedizinisch versorgt werden. !!

Dazu gehört Flüssigkeitsgabe (Substitution), Senken der Körpertemperatur und das Vermeiden von weiteren organischen Störungen.
Die Problematik bei der stark erhöhten Körpertemperatur liegt in unter anderem im Unvermögen des Gehirns, mit extremen Temperaturen umgehen zu können.

Es kann in sehr schweren Fällen ebenfalls zu Krampfanfällen oder zum Herz-Kreislaufstillstand kommen.

Ersthelfer sollten zuerst den Patienten aus der heißen Umgebungstemperatur entfernen und in den Schatten oder einen kühlen Raum verbringen. Übermäßige Kleidung wie Jacken oder Pullover sind zu entfernen und der Körper sollte versucht werden, mit feuchten Tüchern durch Verdunstungskälte heruntergekühlt zu werden.

Beim wachen Patienten kann ebenfalls klares Wasser als Flüssigkeit verabreicht werden, um die körpereigene Temperaturregulation durch Transpiration wieder in Gang gesetzt zu bekommen.

!! Ein Notarzt ist durch Notruf auf jeden Fall hinzuzuziehen. !!

Generell stellt dieser Beispiel-Notfall eine Ausnahmesituation dar, die relativ simpel umgangen werden kann.
Kinder sollten unter keinen Umständen – auch nicht für ein „paar Minuten“ – unbeaufsichtigt im Fahrzeug gelassen werden.

Bei längeren Autofahrten, sollten – wenn sie unbedingt tagsüber bei stetem Sonnenschein stattfinden müssen – ausreichende Pausen eingelegt werden, bei denen das Fahrzeug gut gelüftet werden, sowie das Kind sich außerhalb des Fahrzeugs aufhalten und ihm regelmäßig Flüssigkeit angeboten werden sollte.

Generell sollten Situationen, in denen es zu einer starken Überhitzung kommen kann vermieden werden und das Kind der Jahreszeit entsprechend gekleidet werden.

Bei Erwachsenen sollte ebenfalls darauf geachtet werden, dass es nicht zu einer solchen starken Überhitzung kommt, jahreszeitentsprechende Kleidung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sollte unbedingt beachtet werden.
Ebenfalls sollten anstrengende Arbeiten in geschlossenen überhitzenden Räumen auf weniger warme Tageszeiten verlagert werden.

Gerade ältere Menschen sollten verstärkt auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und beispielsweise längere Gartenarbeiten auf die Abendstunden verlagern, denn damit können von vornherein Hitzeerschöpfungen und ähnliches vermieden werden und man kommt „gesund durch den Sommer“.

Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

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Hustensaft

Sonntag, 19. April 2009 | Autor: Björn

Nach meinem letztlichen Aufruf in eigener Sache kommen wir nun wieder zu einem Artikel, der sich mit Fragen zur „Kinderfragen“ beschäftigt.
Ein immer wieder gern gefragtes Thema lautet Hustensaft.
Es gibt viele verschiedene Hustensäfte, manche wirken gleich, andere anders, generell unterscheidet man zwischen einem Husten- bzw. Schleimlöser und einem „Hustenstiller“.
Die Wirkungsweise ist nun je nach Hustensaft eine unterschiedliche und wird bei jeweils verschiedenen Hustenformen verabreicht.
In den Hustenformen unterscheidet man zwischen einem sogenannten produktiven Husten und einem Reizhusten.

Unter produktivem Husten versteht man Husten, bei dem Schleim aus den Bronchien abgehustet wird. Bei einer „Erkältung“, also einer viralen Infektion, kommt es in der Lunge zu einer Schleimproduktion, die je nach Erkrankung eitrig sein kann. Dieses erkennt man beispielsweise an der grünen oder gelben Verfärbung des Schleims. Der Schleim in der Lunge veranlasst den Körper sich des Schleims zu entledigen, welches mittels Husten von statten geht. Durch den Druck, der beim Husten in der Lunge entsteht, wird der Schleim aus der Lunge nach oben befördert und wir dann entweder ausgespuckt oder wieder heruntergeschluckt.
Dabei bekommt man immer wieder zu hören, dass man den Schleim nicht wieder herunterschlucken soll, da dann der Husten ja gar keinen Effekt gehabt hätte…
Dabei muss man sich allerdings vergegenwärtigen, dass der Schleim aus der Lunge ja durch die Luftröhre (Trachea) hochkommt, durch die Speiseröhre (Ösophagus) aber wieder heruntergeschluckt wird und im Magen endet. Die Reinigung der Lunge wurde also demnach doch vollzogen, ob der Schleim nun heruntergeschluckt wird oder nicht.

Problematisch ist der produktive Husten allerdings, wenn der Schleim sehr zäh ist und sich nicht löst.
Dem kann man zwar relativ simpel durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr entgegenwirken, dennoch kommt es immer wieder zu massiven Hustenattacken, bei denen der Körper eben versucht den zähen Schleim heraus zu befördern. Bei zu zähem, bzw. festsitzendem Schleim kann es dabei aber auch zu einem Würgereiz und teilweise zum Erbrechen kommen.

In einem solchen gegebenen Fall verabreicht man nun einen sogenannten Husten-/Schleimlöser, der die Konsistenz des Schleims ändert und ein leichteres Abhusten ermöglicht.
Demnach – und das muss man sich vergegenwärtigen – kommt es nach Gabe eines Husten-/Schleimlösers zu einem vermehrten Husten, da der gelöste Schleim ja auch abtransportiert werden muss.
Dieses ist dann beispielsweise Acetylcystein (ACC).

Die andere Form ist der Reizhusten, der beispielsweise bei sehr trockener oder staubiger Luft auftreten kann. Der Unterschied zum produktiven Husten ist, dass dieser Husten eben nicht dazu dient Schleim zu transportieren, da bei Reizhusten kein oder nur wenig Schleim produziert wird.
Reizhusten entsteht durch eine Reizung der Lunge und führt dabei zu reflektorischem Husten.
Dadurch, dass kein Schleim vorhanden ist, nutzt hierbei der Husten-/Schleimlöser nicht, da er schlichtweg nicht wirken kann.
Hier wäre ein „Hustenstiller“ angebracht, der den Husten unterdrückt. Selbst bei einer Reizung der Lunge wird der Husten beim Kind unterdrückt und bringt so eine Verbesserung des Befindens.
Diese wäre dann beispielsweise Sedotussin (Pentoxyverin).

Es ist also wichtig – bevor man einem Kind einen Hustensaft verabreicht – abzuklären, welche Art von Husten es ist, ob weitere Medikamente gegeben werden müssen (Antibiotika) und wenn ja, ob es zu Wechselwirkungen mit dem Hustensaft kommen kann.

Dieses kann der Kinderarzt bei einer Untersuchen recht leicht klarstellen und den entsprechenden Saft verordnen.

Wichtig ist, wenn vorher keine Arztkonsultation erfolgt ist (welche von mir allerdings dringend empfohlen wird), dass eben das Kind beobachtet werden muss, wie es auf den Saft reagiert.
Weiterhin muss gesagt werden, dass ein Kind, welches ein Medikament benötigt, nicht in die Schule oder in den Kindergarten gehört.

Ein verschriebener Hustensaft sollte in der verschriebenen Dosis zu den verschriebenen Zeiten gegeben werden um gewährleisten zu können, dass er entsprechend wirkt.
Ebenso ist es wichtig in der Packungsbeilage zu lesen, wie und wann der Saft verabreicht werden soll. Soll der Saft beispielsweise eine halbe Stunde vor dem Essen verabreicht werden, dann sollte er auch eine halbe Stunde vor dem Essen gegeben werden.

Bei Reaktionen, Wechsel- oder Nebenwirkungen sollte wie in der Packungsbeilage verfahren werden und der Arzt konsultiert werden. Wie bei allen Medikamenten sollte auch Hustensaft über die verschriebene Dauer eingenommen werden und nicht bei Anzeichen der Besserung sofort eigenmächtig abgesetzt werden.

Abschließend als kleines „Schmankerl“ möchte ich noch die – zugegeben zwar ältere – meines Erachtens dennoch etwas missglückte Werbung des Hustensaftes Mucosolvan zum Besten geben:

Stoppt den Hustenreiz und löst den Schleim!

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Krupp, Pseudo-Krupp und Epiglottitis

Samstag, 14. März 2009 | Autor: Björn

Zwei Erkrankungen, die immer wieder verwechselt werden, was im Zweifelsfall tödlich enden kann, sind Pseudo-Krupp und die Epiglottitis.
In Erste Hilfe am Kind-Kursen kommt es auch immer wieder zu Verwechslungen zwischen diesen beiden und viele Ausbilder hüten sich zudem, die Epiglottitis überhaupt zu erwähnen.
Pseudo-Krupp wird häufiger – wenn auch nicht immer – besprochen. Trotzdem ranken sich immer noch einige Mythen um den Unterschied zwischen (echtem)Krupp(husten) und Pseudo-Krupp.
Aber wie immer wollen wir vorne beginnen.

Alle 3 Erkrankungen sind Erkrankungen der oberen Atemwege, genauer gesagt, des Kehlkopfes.
Allerdings unterscheiden sie sich

  • im Erreger
  • im genauen Bereich.
  • So sind die Erreger der Epiglottitis und des Krupp(husten)s Bakterien (allerdings auch unterschiedliche), während Pseudo-Krupp in der Regel von Parainfluenzaviren verursacht wird.

    Der Pseudo-Krupp ist also meist eine virale Infektion der Schleimhäute im sogenannten subglottischen Bereich (unterhalb der Stimmritze).
    Das typische Alter für Kinder, die einen Pseudo-Krupp-Anfall erleiden, liegt zwischen 6 Monaten und 5 Jahren, der Altersgipfel liegt bei bis etwa 3 Jahren. Die Symptomatik des Pseudo-Krupp-Anfalls entsteht durch das Anschwellen der Schleimhäute in den Atemwegen. Wachstumsbedingt vergrößern sich im voranschreitenden Alter die Atemwege, sodass dadurch die Gefahr des Wiederauftretens eines Pseudo-Krupp-Anfalls stark gemindert wird.
    Pseudo-Krupp tritt gehäuft im Spät-Herbst bis Früh-Winter auf, die klassischen Monate sind zwischen Oktober und November.
    Des Weiteren treten Pseudo-Krupp-Anfälle meist in den frühen Morgenstunden auf, oftmals besteht seit einigen Tagen ein leichter Erkältungs-Infekt bei den Kindern.
    Bei Pseudo-Krupp sind nun die Schleimhäute entzündet und gereizt (die „trockene“ Heizungsluft reizt zusätzlich), es kommt so zu einem Anschwellen, worauf das Kind mit dem charakteristischen „bellenden“ Husten reagiert. Zudem tritt Heiserkeit auf und das Kind hat eine hörbar pfeifende Einatmung (inspiratorischer Stridor).
    Je nach Schweregrad des Anfalls unterteilt man den Pseudo-Krupp in 4 Grade:

  • Schweregrad I:
  • 
„bellender“ Husten, Heiserkeit, begleitet von einem leichten pfeifenden Atemgeräusch bei der Einatmung

    Hörbeispiel:

    Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

  • Schweregrad II:
  • 
bellender Husten, deutliches pfeifendes Atemgeräusch mit beginnender oder leichter Atemnot

  • Schweregrad III:

  • ausgeprägtes Atemgeräusch, deutliche Atemnot mit Einziehungen (des Brustkorbes), Unruhe

  • Schweregrad IV:
  • 
hochgradige Atemnot, ausgeprägtes Atemgeräusch auch bei Ein- und Ausatmung, Zyanose (Blaufärbung von Haut und Lippen)

    Pseudo-Krupp spricht in aller Regel gut auf entsprechende Behandlung an, jedoch ist ein progredienter Verlauf möglich, sodass man entsprechend vorbereitet sein sollte, bei Unsicherheit oder Unklarheit über den Schweregrad, einen Notruf abzusetzen. Jeder Anfall sollte wenigstens dem Kinderarzt gemeldet werden, damit eine Abgrenzung getroffen werden kann, ob es sich tatsächlich „nur“ um Pseudo-Krupp handelt.

    Als klassische Behandlung für den Pseudo-Krupp-Anfall verbringt man das Kind in eine feucht-kalte Umgebung („Vernebelung“ von kaltem Wasser in der Dusche, das Kind auf dem Arm der betreuenden Person; Verbringen des bekleideten, zugedeckten Kindes auf den Balkon/die Terrasse).
    Zudem sollte man selbst Ruhe bewahren, da das Kind – je nach Schweregrad – unruhig und verängstigt ist.
    Zur weiteren (medikamentösen) Therapie zählt die Gabe von Glucokortikoiden (z.B.: Prednison), im weiteren Verlauf auch Vernebelung von Epinephrin durch den Notarzt.

    Zum Pseudo-Krupp gehört ebenfalls der „spasmoide“ Krupp.
    Dieser ist häufig allergisch oder psychosozial bedingt. Während sich der „klassische“ Pseudo-Krupp häufig mit leichtem Fieber und vorangegangener Infektion präsentiert, ist der „spasmoide“ Krupp afebril (fieberlos). Er tritt gehäuft im Alter zwischen 1-3 Jahre auf und ist stets gutartig. Eine Verbesserung der Situation tritt hierbei meist schon nach einigen Stunden ein, eine medikamentöse Therapie ist nicht angezeigt. Adäquate Betreuung bringt schnell Besserung.

    (Echter)Krupp(husten) ist eine bakterielle Entzündung und eigentlich eine Form der Diphtherie. Diese ist in Deutschland – bedingt durch die Impfempfehlung – stark zurückgegangen und quasi nicht mehr existent. Allerdings kommt es auch heute noch vereinzelt zu Fällen von Diphtherie.
    Diese Krankheit ist meldepflichtig, daher kann man Statistiken im Internet nachlesen.
    2007 wurden in ganz Deutschland 2 Fälle gemeldet, 2002 und 2005 war es ein Fall. 2001, 2003 und 2006 gingen ohne eine Meldung vorüber.
    Trotzdem darf Diphtherie nicht unterschätzt werden.
    Die Symptomatik ist abhängig davon, wo die Diphtherie besteht und ist vor allem nicht altersabhängig. Beim (echten)Krupp ist es meist eine Kombination aus der Kehlkopfdiphtherie (der eigentliche Krupp), die als Begleiterscheinung mit der Rachendiphtherie einhergeht.
    Rachendiphtherie äußert sich in Regel durch Abgeschlagenheit (Patient fühlt sich „matt“), Übelkeit – wobei Erbrechen seltener auftritt – und Schluckbeschwerden bei faulig-süßem Mundgeruch. Häufig ist dies noch verbunden mit Bauch- und Gliederschmerzen bei zunehmendem Fieber.
    Die Symptomatik der Kehlkopfdiphtherie besteht aus bellendem Husten, zunehmender Heiserkeit und Stimmlosigkeit (Aphonie). Zudem besteht auch hier ein pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen. Die Progredienz hierbei ist allerdings insgesamt etwas langsamer als beim Pseudo-Krupp, die Inkubationszeit von Diphtherie beträgt 2-6 Tage.
    Die Gefährlichkeit der Diphtherie besteht außerdem darin, dass die Erreger (Corynebacterium diphtheriae) ein bestimmtes Gift ausscheiden (Exotoxin), die die menschlichen Zellen angreifen.
    Dabei kann es zu vielseitigen Komplikationen kommen, darunter der gefährlichen Myokarditis, die zum akuten Herztod führen kann.
    Deshalb muss im Krankheitsfall eine sofortige medikamentöse Therapie begonnen werden. Dadurch kann die Letalitätsrate beträchtlich gesenkt werden. Hierzu wird dem Patienten ein Antitoxinserum verabreicht und er wird weiterhin mit Antibiotika behandelt.
    Für den Ersthelfer bedeutet dies, dass primär eine symptomatische Behandlung und die Verbringung des Patienten ins Krankenhaus (im Zweifelsfall Notruf) im Vordergrund steht.
    Als prophylaktisch wichtiger kann hier allerdings die Schutzimpfung von Säuglingen und die Auffrischungsimpfungen (bis ins Erwachsenenalter) angesehen werden.

    Während der (echte)Krupp eine eher „langsam“ verlaufende Krankheit darstellt ist die nun folgende Epiglottitis eine rasch verlaufende und hochakute Erkrankung.
    Die – eigentlich seltene – Epiglottitis ist ebenfalls eine bakterielle Infektion, die heutzutage am häufigsten durch eine Kombination von Streptokokken und Staphylokokken verursacht wird. Dennoch wird sie auch heute noch sehr häufig durch Haemophilus influenzae Typ B (HiB) verursacht, wobei Säuglinge nach der Empfehlung der STIKo hiergegen geimpft werden.
    Die Epiglottitis kann zu jeder Jahreszeit auftreten und betrifft am häufigsten Kinder im Alter von 2 Jahren bis 5-6 Jahren.
    Es kommt zu plötzlichem, starken Fieber, einhergehend mit massiven Schluckbeschwerden, daraus resultierend Nahrungsverweigerung und starkem Speichelfluss.
    Das Kind hat eine ausgeprägte Atemnot, ist – im Gegensatz zum Pseudo-Krupp-Anfall – sehr ruhig und „hochkonzentriert“ und sitzt vornübergebeugt. Es kommt bei der Epiglottitis ebenfalls zu einer Verengung der Atemwege, im Gegensatz zu den anderen Krupp-Syndromen ist bei der Epiglottitis allerdings der Kehldeckel (Epiglottis) betroffen und der typische Husten fehlt vollständig.
    Es kann neben einem pfeifenden Atemgeräusch beim Einatmen ebenfalls zu einem Röcheln bei der Ausatmung (Karcheln) kommen. Dies tritt allerdings meist erst im fortgeschrittenen Stadium auf.

    !Die Epiglottitis stellt einen akuten Notfall dar, zu dem unbedingt ein Notarzt hinzugezogen werden sollte!

    Als Hilfemaßnahmen steht vor allem die Beruhigung des Kindes im Vordergrund. Das Kind sollte möglichst nicht gestresst werden, da es zu einer weiteren Verschlechterung des Allgemeinzustandes führen könnte.
    Auch hier hilft das Verbringen des Kindes in ein feuchtes und kühles Millieu (siehe Pseudo-Krupp: Bad, Balkon).
    Der Ersthelfer sollte keinesfalls den Mund-Rachenraum inspizieren, da selbiges zu einer weiteren Verschlimmerung der Atemsituation des Kindes führen könnte.

    Bei Eintreffen des Notarztes steht die Sicherung der Atemwege im Vordergrund, welche häufig durch rasche Intubation des sedierten Kindes realisiert wird.
    Auch bei der Epiglottitis sollte schnellstmöglich eine Behandlung mit Glucokotikoiden (Prednison) und zusätzlich intravenöser Gabe von Antibiotika begonnen werden.

    Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

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