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ERC Guidelines 2005 #1

Freitag, 12. Juni 2009 | Autor:

Nachdem es sehr lange, sehr ruhig war gibt es jetzt mal ein etwas größeres Projekt.
Und zwar die Besprechung der ERC Guidelines 2005.
Das das Thema ein etwas größeres ist, werde ich den Artikel teilen.

Ich hoffe, das ist für die lieben Leser in Ordnung, bei Feedback kann man sich wie gewohnt an mich wenden.

Viel Spaß beim Lesen.

Das International Liason Comittee Of Resuscitation (ILCOR) trifft sich alle 5 Jahre um die momentane „Situation“ bezüglich der Kardio-Pulmonalen Reanimation (Herz-Lungen-Wiederbelebung – HLW) und der angegliederten Themengebiete zu erörtern und zu verbessern. Dies geschah zuletzt im Jahre 2005, da wurde die neue Richtlinie zur Herz-Lungen-Wiederbelebung (Guidelines) veröffentlicht.
Anschließend geben die jeweils zuständigen Organisationen für Europa (European Resuscitation Council, kurz: ERC) und die Vereinigten Staaten von Amerika (American Heart Association, kurz: AHA) die angeglichenen Richtlinien für die entsprechenden Länder aus.
Die Übersetzung eben jener Richtlinien in Landessprache (die „Veröffentlichungssprache“ ist Englisch) dauert eine weitere Zeit, sodass die 2005 beschlossenen Richtlinien letztendlich 2007 endgültig in Kraft traten.
Ob die Richtlinien vom jüngeren German Resuscitation Council (GRC) weiter angeglichen werden oder sich diese nur um eine zeitnahe einheitliche Übersetzung kümmern werden, entzieht sich meiner Kenntnis.
Die 2005 veröffentlichte Richtlinie brachte zum Zeitpunkt des Inkrafttretens seitens der Teilnehmer, wie auch bei den Ausbildern zu einiger Verwirrung und Unverständnis, ob der enthaltenen Veränderungen.

Dazu muss man immer wieder sagen, dass diese enthaltenen Änderungen jeder Richtlinie stets eine gewisse Verbesserung für das Patientenwohl oder der „Handhabbarkeit“ für die Ersthelfer enthalten.

Immer wieder jedoch tritt bei Teilnehmern eine gewisse Skepsis auf, wenn man ihnen diese neue Richtlinie zu vermitteln versucht.
Besonders gravierend äußern sich diese Zweifel, sollte der Teilnehmer bereits vor 2007 (als die neue Richtlinie letztendlich aktuell wurde) einen Kurs besucht haben.

Hierbei entsteht immer wieder das Unverständnis, warum die Inhalte denn nun „schon wieder“ geändert wurden und sie zweifeln dann regelmäßig an dem Sinn der Richtlinien allgemein, wenn sie sich „doch eh wieder ständig ändert“.

So möchte ich nun hier einmal die „neue“ Richtlinie – die ja mittlerweile seit bereits 2 Jahren aktuell ist und unterrichtet wird – beleuchten, um die Vor- und Nachteile selbiger aufzuzeigen.

Dazu möchte ich erst einmal klären, was in der Richtlinie alles enthalten ist.
So finden sich in der Richtlinie folgende – für Ersthelfer relevante – Handlungsanweisungen:

    • Herz-Lungen-Wiederbelebung (Kardio-Pulmonale Reanimation, kurz: Reanimation) beim Erwachsenen, sowie bei Kindern,
    • Stabile Seitenlage, sowie die
    • Atemwegsverlegung durch Fremdkörper.
  • Die Änderungen belaufen sich in den Gebieten auf verschiedene Dinge.
    Im Verlauf möchte ich nun die Neuerungen vorstellen.
    Vorweg muss folgendes erklärt werden:
    Diese Neuerungen sind als Verbesserungen im herkömmlichen Sinne zu verstehen.
    Es geht hierbei nicht um ein „Richtig“ oder „Falsch“, sondern um ein „besser als vorher“. In der neuen Richtlinie wird eben jener Verbesserung Rechnung getragen, eine signifikante Veränderung zur vorherigen Richtlinie kann meines Wissens nach nicht nachgewiesen werden. Das bedeutet eben, dass ein Mensch, der – wegen mangelnder Fortbildung – nach der vorherigen „alten“ Richtlinie reanimiert wird, keine stark verminderte Überlebenswahrscheinlichkeit hat, zu dem, der nach der „neuen“ Richtlinie reanimiert wird.
    Die grundsätzliche „Überlebensrate“ hängt davon ab, dass die Reanimation möglichst sofort eingeleitet wird, nicht, ob man sich nach den Empfehlungen von 2000 oder 2005 richtet.

    In der Reanimation gibt es mit die größten Änderungen.
    Als Erstes sei die Angleichung der Reanimation bei Kindern und bei Erwachsenen herausgestellt.
    In allen Altersstufen läuft die Reanimation nun in einer Geschwindigkeit von 100 Kompressionen/Minute ab.

    Dies ist eine Würdigung an den Ersthelfer, da Teilnehmer der Kurse „Erste Hilfe“ und „Erste Hilfe am Kind“ sich nicht mehr viele verschiedene Abfolgen merken müssen, sondern der Ablauf prinzipiell immer gleich ist.
    Des Weiteren ist die Erhöhung der Frequenz bei Säuglingen beispielsweise marginal und kann der Übersichtlichkeit halber vernachlässigt werden.
    Zudem ermöglicht die verhältnismäßig niedrigere Frequenz, dass sich das Herz vollkommen mit Blut füllen und somit eine bessere Versorgung der Organe mit Blut gewährleistet werden kann.

    Im Zuge dessen wurde die Anzahl der Kompressionen von 15 auf 30 erhöht. Das ist aus folgendem Grund durchaus sinnvoll.
    Durch die Kompressionen wird die Pumpleistung des Herzens ersetzt, sodass durch die Kompressionen der Blutkreislauf in Gang gesetzt wird, um die lebenswichtigen Organe mit Blut und damit mit Sauerstoff zu versorgen.
    Diese benötigen aber nicht nur einen möglichst kontinuierlichen Blutfluss, sondern auch einen entsprechenden Blutdruck. Selbiger wird nun durch die höhere Anzahl der Kompressionen zuverlässiger erreicht und die Dauer der suffizienten Durchblutung wird dadurch erhöht.

    Gleichzeitig wurde das für den Laien umständliche und komplizierte Aufsuchen des Druckpunktes vereinfacht, indem man den Druckpunkt mit „in der Mitte der Brust“ beschreibt.
    Nachdem bei diesbezüglichen Befragungen herausgefunden wurde, dass bei der Beschreibung „in der Mitte der Brust“ in der Regel exakt der Druckpunkt gezeigt wurde, wurde eben beschlossen, diese Beschreibung mit der vorhergehenden Beschreibung „Am Rippenbogen entlang, bis zum Brustbeinende, dann zwei Finger anlegen und den Handballen der anderen Hand daneben“ zu ersetzen.
    Die Erfahrung zeigt nun, dass diese neue Formulierung nicht nur gut angenommen, sondern auch verständlicher und besser zu merken ist, als die vorherige Umschreibung.

    Weiterhin wurde – auch wenn das von einigen Organisation vehement abgestritten wird – die sogenannte Zwei-Helfer-Methode, bei der sich ein Helfer um die Beatmung des Patienten kümmert, der andere Helfer um die Brustkorb-Kompression (Thoraxkompression), komplett abgeschafft.
    Ein Helfer kümmert sich um beides, bei mehr als einem Helfer wechseln sich beide – unter Berücksichtigung einer möglichst geringen Ausfallzeit der Reanimation – nach etwa 1-2 Minuten (entspricht ca. 2-4 Abfolgen der Reanimation, bestehend aus 30 Kompressionen und 2 Beatmungen) ab, sodass ein Helfer entweder beide Maßnahmen durchführt, oder eben keine.
    Dabei kann eine längere, kontinuierliche Reanimation gewährleistet werden, da die Erschöpfungsanzeichen wesentlich geringer ausfallen, als bei einem einzelnen Helfer.

    Die Beatmungsanzahl wurde innerhalb der neuen Richtlinie verhältnismäßig verkürzt, da es bei 30 Kompressionen bei 2 Beatmungen blieb, diese aber im Vergleich zur vorherigen Richtlinie weiter „entschärft“ wurden, da es sich nicht mehr um 2 „effektive“ Beatmungen bei maximal 5 Versuchen handelt, sondern um 2 Beatmungen. Ob diese nun effektiv sind oder nicht, ist für die Durchführung nun irrelevant.
    Die Begründung hierin ist nun bei genauerer Betrachtung logisch und nachvollziehbar, im direkten Vergleich kommt die Beatmung – bei vorliegendem „dogmatischen Wechsel“ – dann jedoch entsprechend „zu kurz“.

    Man hat in der neuen Richtlinie einen größeren Fokus auf die Durchführung der Thoraxkompressionen gelegt, statt, wie in der vorherigen Richtlinie, auf die Beatmung.
    Grund hierfür ist sehr einleuchtend und eigentlich sogar recht simpel:
    Was will der Patient mit soviel Sauerstoff, wenn dieser nicht transportiert wird…

    Bei einem vorliegenden Herz-Kreislauf-Stillstand liegt die Problematik hauptsächlich darin, dass der Sauerstoff nicht mehr transportiert wird. Denn Sauerstoff ist ja weiterhin noch im Blut gebunden, jedoch muss dieser aber auch erst einmal transportiert werden.

    Der noch im Blut enthaltene Sauerstoff reicht sogar noch für eine – je nach Literatur mehr oder weniger großzügig bemessene – gewisse Dauer aus, um, bei bestehender Blutzirkulation, die lebenswichtigen Organe mit genügend Sauerstoff zu versorgen, ohne dass Folgeschäden auftreten.
    Dazu muss aber eben zeitnah mit der Thoraxkompression begonnen werden.

    Die noch vorhandenen Beatmungen sorgen „nur“ für ein weiteres „Auffüllen“ der im Blut gebundenen Reserven.
    Ob die Beatmung nun effektiv ist, oder nicht, ist in diesem Zusammenhang also uninteressant, da diese nicht zwangsläufig notwendig ist.
    Bei Eintreffen des Rettungsdienstes wird der Patient mit 100%igen Sauerstoff beatmet, sodass dabei dann ein Überangebot an Sauerstoff besteht.

    Eine weitere Neuerung, die dann auch im Zusammenhang mit der Stabilen Seitenlage steht, ist, wann die eben die genannte Stabile Seitenlage verwendet und wann der Patient reanimiert wird.

    Als Voraussetzungen für eine Reanimation werden in der neuen Richtlinie Bewusstlosigkeit des Patienten, sowie eine nicht normale Atmung genannt.
    Diese Änderung in der Formulierung – von „Keine Atmung vorhanden“ zu „Nicht normale Atmung vorhanden“ – stellt wiederum einen großen Knackpunkt dar.

    Immer wieder fand der Rettungsdienst Patienten mit insuffizienter (unzureichender) Atmung vor, die – obwohl bei diesen eine Reanimation angezeigt gewesen wäre – in die Stabile Seitenlage verbracht wurden.
    Den Ersthelfern kann man allerdings hierzu keinen Vorwurf machen, der geneigte Ersthelfer kann nun mal nicht unterscheiden, ob eine Atmung nun suffizient ist, oder nicht – zumindest nicht nach der „alten“ Richtlinie. Denn für den Ersthelfer ist Atmung nun mal Atmung. Ob das nun eine präfinale Schnappatmung ist, oder nicht, das kann der Ersthelfer in diesem Moment nicht beurteilen.

    In der neuen Richtlinie ist nun von einer „nicht normalen Atmung“ die Rede.
    Das bedeutet nun auf der einen Seite, dass auch Patienten, die „eigentlich noch eine Atmung haben“ reanimiert werden, aber auch, dass der Ersthelfer nun in einer „Entscheidungsposition“ ist, die es ihm ermöglicht eine Problematik zu erkennen und entsprechend zu beheben.
    Der Punkt dabei ist nur, dass sich viele Ersthelfer schwer daran tun, zu erkennen, ob es sich bei einer vorliegenden Atmung um eine normale oder eben um eine nicht normale handelt.
    Mein Hinweis ist immer, dass Atemgeräusche, sowohl bei der Einatmung, als auch bei der Ausatmung (Giemen, Brummen, Rasseln), sowie zu schnelles oder auch zu langsames Atmen genauso keine normalen Atemformen darstellen, wie eben gar keine vorhandene Atmung.
    Wenn sich ein Ersthelfer unsicher ist, ob es sich bei der vorliegenden Atmung um eine „normale“ Atmung handelt, sollte er eine Reanimation beginnen.

    Und spätestens dabei fragt sich auch der letzte Teilnehmer immer wieder folgendes:
    Wenn doch aber noch eine Atmung vorhanden ist und damit das Herz doch eigentlich noch schlägt, ist es dann nicht gefährlich Thoraxkompressionen durchzuführen?
    Die Antwort ist seit der berühmten „Schweinestudie“ recht einfach: Nein!

    Zur Erklärung:
    Die „Schweinestudie“ ist eine medizinische Studie, bei der am Schwein überprüft wird, ob es Schäden am schlagenden Herzen hinterlässt, wenn es reanimiert wird.
    Warum ausgerechnet an Schweinen?
    Das liegt erst einmal daran, das man an Menschen nicht so ohne Weiteres solche Studien durchführen kann.
    Zum anderen, weil die Organe des Schweins denen des Menschen am ähnlichsten sind.
    Nun ist es daher so, dass man dabei einer Studie am Schwein Indizien gewinnt, dass, sollte die Fragestellung am Schwein positiv beantwortet werden, ein ähnliches Ergebnis für den Menschen gemutmaßt werden kann.
    Bei dieser Studie ging es nun darum, ob das Herz eine Schädigung davon trägt, sollte es während seiner Tätigkeit reanimiert werden.
    Man hat dabei herausgefunden, dass es – dem Schweineherzen – eben nichts ausmacht, wenn das schlagende Herz reanimiert wird.

    Daher nun die „Umformulierung“ der Richtlinie auf die „normale“, bzw. „nicht normale“ Atmung.

    Alles in allem kann man also festhalten, dass die Änderung der Richtlinie durchaus eine positive Verbesserung für den Patienten im Hinblick auf die Reanimation darstellt.

    So… Das war also der erste Teil der “ERC”-Serie. Bis zur nächsten Folge ein schönes Wochenende

    Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

    info@schockzeichen.de

    ERC Guidelines 2005 #2 | ERC Guidelines 2005 #3

    Thema: Allgemeines, Erste Hilfe | 3 Kommentare

    Defibrillation

    Samstag, 16. Mai 2009 | Autor:

    Automatische Externe Defibrillatoren (AED’s) sind eine recht nette Erfindung.
    Kleine Geräte, die an einigen öffentlichen Plätzen vorhanden sind, um, im Falle eines „Herzstillstandes“ angewendet werden zu können.
    Doch über die Defibrillation bestehen immer wieder ein paar Missverständnisse, die unter anderem durch das Fernsehen forciert werden.
    Ich möchte nun hier ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, ohne all zu sehr ins Detail zu gehen.

    Um zu verstehen, wie ein Defibrillator funktioniert, muss man verstehen, wie das Herz funktioniert…
    Wie funktioniert also das Herz?
    Das Herz ist ein sogenanntes muskuläres Hohlorgan. Es arbeitet als Pumpe, um das Blut durch den Körper zu transportieren.
    Muskeln benötigen dabei elektrische Impulse, damit sie sich zusammenziehen (Kontrahieren) können.
    Bei anderen Muskeln werden die Impulse vom Gehirn gesteuert und veranlasst, das geschieht beim Herzen allerdings nicht. Das Herz ist autonom, da die Herzmuskelzellen – im Gegensatz zu den anderen Muskelarten – von sich aus in der Lage sind, elektrisch aktiv zu werden.
    Damit diese aber nicht unabhängig voneinander agieren, gibt es im Herzen Taktgeber, die einen Rhythmus vorgeben. Diesen nennt man den Sinus-Knoten, welcher im oberen Teil des Herzens lokalisiert ist. Dieser gibt seinen Impuls an den AV-Knoten (Atrio-Ventrikular) weiter, welcher den Impuls über das Hiß‘sche Bündel zu den Tawara-Schenkeln leitet, die in den Purkinje-Fasern endet, welche dann von unten die Zellen zum zusammenziehen veranlassen.
    Anbei eine kleine Grafik, die die Arbeitsweise des Herzens verdeutlicht:

    Herzfunktion

    Bei den verschiedenen Weiterleitungen können nun diverse Störungen auftreten, von denen allerdings nur wenige tatsächlich „defibrillationswürdig“ sind.
    Darunter fallen Kammerflimmern, bzw. -flattern und die pulslose ventrikuläre Tachykardie.
    Die Defibrillation funktioniert nun folgendermaßen:
    Als Visualisierung kann man sich ein Orchester vorstellen, welches probt. Jedes Instrument spielt für sich, keiner hört auf den anderen (Die Instrumente stellen hierbei die einzelnen Herzmuskelzellen dar.)
    Wenn der Dirigent aber mit seinem Taktstock auf das Pult klopft, verstummen alle und beginnen dann das entsprechende Stück zu spielen.
    Der Dirigent ist in unserem Beispiel nun der Defibrillator.
    Durch den Stromstoß werden alle Herzmuskelzellen elektrisch entladen, sodass anschließend der Sinusknoten wieder den Takt vorgeben kann.

    Und genau da liegt nun der Knackpunkt: Das Herz muss also noch „arbeiten“ können, will heißen, es findet noch eine elektrische und auch mechanische Tätigkeit statt (auch wenn diese nicht mehr suffizient ist).

    Daher ist die Durchführung einer Defibrillation bei einer Asystolie (Null-Linie) nicht nur unsinnig, sondern auch ineffektiv. Da wir ja aber wissen, dass uns die Medien immer unverblümt die Wahrheit erzählen, können die geneigten Ärzte der bekannten Arztserien auch einen Patienten mit einer Asystolie defibrillieren…
    Dabei handelt es sich allerdings um eine dramaturgische Finesse und ist vom medizinischen Standpunkt her unrealistisch.

    Der AED analysiert nun die elektrische Aktivität des Herzens durch die aufgeklebten Elektroden und entscheidet daraufhin, ob ein elektrischer “Schock” empfohlen ist, oder eben nicht.

    Dabei gibt sich das Gerät als sehr laienfreundlich, es kommuniziert mit dem Ersthelfer und gibt die vorzunehmenden Schritte vor.
    Zudem kann man das Gerät nicht „zweckentfremden“, denn wenn keine entsprechende Störung vorliegt und der AED keinen elektrischen “Schock” freigibt, dann kann man diesen eben nicht auslösen.
    Aber auch wenn das Gerät als nahezu „idiotensicher“ bezeichnet werden kann, unterliegt es dennoch dem Medizin-Produkte-Gesetz (MPG).
    Das bedeutet, dass nur eingewiesenes Personal damit umgehen darf.
    In Firmen oder öffentlichen Einrichtungen, die ein solches Gerät vorhalten gibt es also immer einen eingewiesenen Helfer, der das Gerät benutzen darf.
    Hierzu bieten die Rettungsorganisationen immer wieder spezielle Kurse an, die den Umgang mit dem Gerät schulen. Auf das Gerät selbst wird man durch einen Vertreter der Herstellerfirma selbst unterwiesen.

    Wichtig ist noch zu erwähnen, dass die Defibrillation eine Erweiterung zur Herz-Lungen-Wiederbelebung darstellt und keinen Ersatz dafür bietet.
    Die Herz-Lungen-Wiederbelebung muss auch bei einem vorhandenen AED beherrscht werden!

    Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

    info@schockzeichen.de

    Thema: Erste Hilfe | 2 Kommentare

    Abdrücken contra Abbinden

    Montag, 2. Februar 2009 | Autor:

    Inspiriert durch immer wieder die gleiche Aussage in meinen EH-Kursen, möchte ich hier ein Missverständnis aufklären.
    Es gibt einen erheblichen Unterschied zwischen Abbinden und einem Druckverband, bzw. Abdrücken.
    Dazu eine kurze Erläuterung, wann überhaupt abgedrückt/ein Druckverband angelegt wird.
    Bei einer starken Blutung, wie beispielsweise einer Amputationsverletzung oder einer tiefen Schnittwunde (v.a. bei Verletzung größerer Arterien) kann der Körper die Blutung nicht mehr durch Kontraktion (Zusammenziehen des Gefäßes) oder der Blutgerinnung stoppen. Dabei kann es zu einer lebensgefährlichen Blutung kommen. Um dem im Notfall vorbeugen zu können, muss diese Blutung von „außen“ gestoppt werden. Dies macht man mit einem sogenannten Druckband. Dieser ist ein spezieller Verband, der auf eine bestimmte Art gewickelt wird und zusätzlich ein Druckpolster benutzt, um durch direkten Druck auf die Wunde die Blutung zu stillen.
    Um allerdings einen Druckverband anlegen zu können, muss als erstes die Blutung vorübergehend stehen. Dieses erreicht man durch Abdrücken der größeren Arterie, die für die Blutversorgung des betroffenen Körperteils zuständig ist.
    Diese ist für die Arme die Oberarmarterie (A. brachialis). Diese kann man verhältnismäßig einfach finden. Auf der Oberarminnenseite lässt sich ein Spalt zwischen Bizeps und Trizeps tasten. Wenn man in diesen Spalt hineintastet, stößt man auf den Oberarmknochen und die Oberarmarterie, die zwischen den tastenden Fingern und Knochen abgedrückt werden kann. Man drückt, mit angemessen viel Kraft, mit dem Zeige-, Mittel- und Ringfinger auf besagte Arterie und unterbricht damit gezielt die Blutzufuhr zum Arm. Das funktioniert entsprechend auf beiden Seiten.
    Bei den Beinen ist das ein wenig schwieriger, da das zuführende Gefäß die Leistenarterie (A. femoralis) ist. Diese ist wie der Name schon vermuten lässt in der Leistenregion verborgen und kann beim entkleideten Patienten auch ziemlich gut gefunden werden. Allerdings wird der Patient vom Ersthelfer ja nicht entkleidet.
    Um nun die Leistenarterie abdrücken zu können stemmt man am einfachsten die eigenen Fingerknöchel in die betreffende Leiste des Patienten. Wie beim Arm kann man den Erfolg direkt kontrollieren, da die Blutung zum stehen kommt, wenn man die Arterie erwischt hat.
    Steht die Blutung nun, kann ein zweiter Helfer den Druckverband anlegen. Wenn man alleine ist, lautet die adäquate Maßnahme abzudrücken, bis der Rettungsdienst eintrifft.

    Wichtig:
    Der Kopf wird lediglich durch 2 Hauptschlagadern und 2 kleineren Arterien versorgt.
    Hier darf kein Druckverband im eigentlichen Sinne angelegt werden, man komprimiert die Blutung durch direkten Druck mit einer sterilen Kompresse. Dabei sollte man darauf achten, dass die Hauptschlagader der anderen Seite nicht mitkomprimiert wird, da sonst das Gehirn nicht mehr durchblutet wird.
    Eine solche Verletzung ist eine der am schwierigsten zu versorgende.

    Worin besteht aber nun der Unterschied zwischen „Abdrücken“, was durchgeführt werden soll und dem „Abbinden“, das man nicht mehr praktiziert?

    Abbinden ist eine Maßnahme, die früher durchgeführt wurde, allerdings immer unter der Aussage, dass maximal 1 Stunde lang abgebunden werden darf. Der Grund hierfür liegt in folgendem Punkt:
    Beim Abbinden wird mit einem breiten Tuch das betroffene Gliedmaß umschlungen und festgezogen. Damit sollte auch die Blutung unterbunden werden.
    Das Problem hierbei ist, dass in die Extremität kein Blut und damit kein Sauerstoff mehr gelangt, sodass die Muskeln nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt werden können. Hierbei wechselt nun die Energieversogung des Muskels von aerob (Sauerstoff abhängig) auf anaerob (Sauerstoff unabhängig), um den Muskel weiterhin mit Energie versorgen zu können.
    Dabei entstehen Stoffwechselprodukte, die für den menschlichen Organismus schädlich sind, darunter Laktat und abgestorbene Zellteile. Das noch in der Extremität verbliebene Blut wird stark sauer. Wird die Stauung nun aufgehoben schwemmen die schädlichen Stoffwechselprodukte in den Organismus und können dabei unter Umständen einen Herzstillstand auslösen.
    Zudem muss das abgebundene Gliedmaß, wenn das Gewebe zu stark nekrotisiert ist, amputiert werden.
    Da das, aus offensichtlichen Gründen vermieden werden soll, wurde das Abbinden aus der Ersten Hilfe verbannt.

    Die Alternative Druckverband hat sich erfolgreich durchgesetzt, die spezielle Wickeltechnik des Druckverbandes ermöglicht direkten Druck auf die Wunde und stillt die Blutung, und durch „breites“ Wickeln auf der gegenüberliegenden Seite stellt man sicher, dass das Blut trotzdem abfließen kann (Man wickelt also X-förmig über die Wunde, wobei der Schnittpunkt direkt über dem Druckpolster liegt).
    Abschließend aber noch einmal der Hinweis: Sollte man sich einer starken Blutung alleine gegenübersehen, sollte man das zuführende Gefäß abdrücken und auf das Eintreffen des Rettungsdienstes warten. Denn die Blutung soll unterbrochen werden. Ob dieses durch einen Druckverband oder durch alleiniges Abdrücken geschieht, ist unerheblich.

    Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

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    Thema: Erste Hilfe | 2 Kommentare