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ERC Guidelines 2005 #3

Freitag, 26. Juni 2009 | Autor: Björn

Doch nu früher… Ich hatte ein wenig mehr Zeit als eingeplant, daher jetzt der neue Teil, Die Arbeiten am nächsten Schockcast sind auch in Vorbereitung, für alle, die den Schockcast mögen.
Dazu wird es auch ein kleine Änderung geben, dazu aber später mehr.
Hier soll es nun nach Artikel #1 und Artikel #2 um den letzten Teil der Betrachtung der ERC Guidelines gehen, um die Fremdkörperverlegung.
Anbei noch eine Frage an die “Profi-Leser” von schockzeichen.de: Ist jemand auf dem diesjährigen ERC-Kongress in Köln? Vielleicht eine kleine Mail, ich hätte da mal die ein oder andere Frage ;)

So… nun folgt aber deer letzte Teil dieser „Abhandlung“, nämlich die Änderungen bezüglich der Atemwegsverlegung (Obstruktion) durch einen Fremdkörper (FBAO – Foreign Body Airway Obstruction).

Wichtig ist vorab hierbei zu erwähnen, dass es sich eben um einen Fremdkörper handeln muss.
Die folgende Maßnahmen machen keinen Sinn und bringen auch keine Besserung bei einem „Verschlucken“ mit einer Flüssigkeit.
Diese ist zwar durchaus mehr als unangenehm – wer sich schon mal an seiner eigenen Spucke verschluckt hat, weiß das nur zu gut… – gibt sich aber in der Regel nach kürzerer Zeit von selbst.
Das soll nicht heißen, dass ein „Verschlucken“ einer Flüssigkeit nicht gefährlich sein kann, allerdings ist sie – wie schon geschrieben – nicht durch diese Maßnahmen zu beheben.

Bevor wir nun aber zu den eigentlich Maßnahmen und den Änderungen, die durch die neue Richtlinie zu verzeichnen sind, kommen, möchte ich vorab erst ein mal das Wort „Verschlucken“ erklären und die größten Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Der Körper unterscheidet generell zwischen Flüssigkeiten und Speisebrei, sowie Luft.
Das ist durchaus sinnvoll, da je nachdem, was es ist, es eine andere Bestimmung hat.
Der Körper benötigt logischerweise die Flüssigkeit und den Speisebrei in einem anderen Organ (Magen), als die Luft (Lunge).
Da im Halsbereich zwei Röhren verlaufen, nämlich die Speiseröhre (Ösophagus) und die Luftröhre (Trachea), muss der Körper nun entscheiden, wo was hineinkommen soll.
Dafür ist der Kehlkopf (Larynx) zuständig.
Er unterscheidet zwischen Flüssigkeit und Speisebrei, die er in den Ösophagus leitet, sowie Luft, die er in die Trachea lässt.
In manchen Fällen kann es nun vorkommen, dass der Kehlkopf durch Flüssigkeit und/oder Speisebrei gereizt wird (diese berührt die Schleimhäute des Kehlkopfes und/oder der Trachea) und dadurch eben diese starken Hustenreiz auslöst.
In noch selteneren Fällen kann es dann passieren, dass ein größerer Brocken den Kehlkopf passiert und so in der Luftröhre landet und sich dort festsetzt.
Daraus entsteht dann ein massiver Husten- und Würgereiz.

Das bedeutet also, dass beim „Verschlucken“ ein Fremdkörper tatsächlich in die falsche Röhre gelangt ist. Das sprichwörtliche „etwas in den falschen Hals bekommen haben“ kann man also doch durchaus wörtlich verstehen.

Daraus kann man nun also schlussfolgern, dass der nett gemeinte Rat, den mir meine Großmutter beispielsweise immer gab:
„Dann trink‘ halt mal was Bub‘„
absolut nicht effektiv ist.
Denn wenn ich dann etwas trinke, kommt es ja in die Speiseröhre, wo es gar nicht „benötigt“ würde.

Man kategorisiert die FBAO in zwei Schweregrade.
Eine „milde“ Obstruktion der Atemwege, sowie eine schwere Obstruktion.

Eine milde Obstruktion äußert sich beim Patienten dadurch, dass er noch husten und auch würgen kann.
Die Ausprägung der Atembeeinträchtigung ist relativ gering, er kann zumeist sogar noch sprechen.
Im Falle einer milden Obstruktion reicht es aus, den Patienten weiterhin zum Husten zu animieren, eine weitere Behandlung ist meist nicht nötig, da durch das Husten der Fremdkörper hinausbefördert werden kann…

Eine schwere Obstruktion ist gravierender. Der Patient kann dabei nicht mehr husten, das Sprechen fällt ihm im Bestfall sehr schwer meistens kann er gerade noch so nicken.
Hierbei ist eine aktive Hilfeleistung durch den Ersthelfer nicht nur indiziert, sondern auch lebensnotwendig, der Patient ist nicht in der Lage sich des Fremdkörpers selbst zu entledigen.

Die nun durchzuführende Maßnahme ist simpel aber effektiv.
Man begibt sich leicht seitlich hinter den Patienten und beugt den Oberkörper des Patienten nach vorne.
Dann schlägt man mit der flachen Hand – mit ausreichend viel Kraft – auf den Rücken, zwischen die Schulterblätter des Patienten.
Das führt man bis zu 5 mal durch, während man nach jedem Schlag überprüft, ob der Fremdkörper hinausbefördert wurde.
Falls nicht – und das ist die Änderung in der „neuen“ Richtlinie – führt man bis zu 5 Oberbauchkompressionen durch.
Dazu stellt man sich hinter den Patienten und legt die geschlossene Faust auf den Oberbauch des Patienten (Der Oberbauch befindet sich etwa zwischen dem Ende des Brustbeins und dem Bauchnabel).
Die andere Hand legt man über die Faust und beugt den Patienten nach vorn.
Anschließend führt man ruckartige Kompressionen auf den Oberbauch des Patienten aus.
Wichtig ist hierbei, dass die Kompressionen möglichst „gerade“ nach hinten durchgeführt werden.
Nach jeder Oberbauchkompression sollte überprüft werden, ob der Fremdkörper hinaus gelangt ist.
Man möchte hierbei sicher stellen, dass nur wirklich benötigte Oberbauchkompressionen durchgeführt werden.
Sollte also nach der ersten Oberbauchkompression der Fremdkörper bereits draußen sein, bitte nicht weitermachen.
Zudem muss der Patient nach spätestens der ersten erfolgten Oberbauchkompression definitiv in Krankenhaus verbracht werden, damit er auf eventuelle innere Verletzungen untersucht werden kann.

Viele Kollegen sehen – durch das hohe Verletzungsrisiko bei der Oberbauchkompression – die Durchführung als relativ kritisch an, war die Oberbauchkompression in der Laienausbildung doch, soweit ich weiß, 10 Jahre lang nicht mehr enthalten.
Die Frage, die sich hierbei immer stellt, ist die, der Verhältnismäßigkeit… Es ist eine Sache der Abwägung.
Die Maßnahme hat durchaus ihre Berechtigung. Doch muss sie entsprechend angewendet werden.

Ich möchte hier nun kurz erläutern, welcher Mechanismus hinter der Oberbauchkompression steckt und warum dieser durchaus positiv für den Verlauf einer schweren Obstruktion sein kann…
Dazu hole ich ein wenig aus und erkläre ganz kurz die Atemmechanik (also wie Atmen funktioniert).
Im Bauchraum befindet sich das Zwerchfell (Diaphragma). Dieses Muskelfell trennt nicht nur die Bauchorgane von den Brustorganen, sondern kann sich auch – es ist ja schließlich ein Muskel – zusammenziehen und entspannen.
Einatmen funktioniert nun folgendermaßen:
Das Zwerchfell dehnt sich aus und zieht sich nach unten hin weg, es entsteht ein freier Raum, der somit das Volumen der Lunge vergrößert.
Dadurch entsteht ein Unterdruck in selbiger, so dass Luft hineingesogen wird.
Beim Entspannen des Zwerchfells wird das Lungenvolumen wieder verkleinert und die Luft wird – bedingt durch den dadurch entstehenden Überdruck wieder hinaus befördert.
Die Zwischenrippenmuskulatur (Intercostalmuskulatur) hat zwar auch etwas damit zu tun, darauf werde ich aber an anderer Stelle einmal genauer eingehen.

Dieses Prinzip macht man sich nun bei der Oberbauchkompression zu Nutze.
Durch das ruckartige Zusammendrücken des Oberbauches wird auch das Zwerchfell komprimiert. Durch diese Komprimierung entsteht also ein Überdruck in der Lunge, wodurch die Luft hinaus gepresst wird.
Da die Trachea nun aber durch den Fremdkörper verlegt ist, wirkt dieser Druck also gegen den Fremdkörper.
Im optimalen Fall reicht dieser Druck dabei aus, den Fremdkörper aus der Trachea zu befördern.

Die Problematik ist eben – wie bereits geschrieben – die hohe Verletzungsgefahr.
Man muss sich vorstellen, dass man im Oberbauch wichtige Organe hat, darunter beispielsweise die Leber.
Durch den ruckartigen Druck, der bei der Oberbauchkompression angewandt wird, entsteht ein sehr hohes Gefahrenpotential, dass man eben eines dieser Organe verletzt.
Und wenn die Leber verletzt wird, ist das durchaus gefährlich, da die Leber eines der am besten durchblutetsten Organe darstellt, die wir im Körper haben.
Sollte diese also verletzt worden sein, kann der Patient schwere Komplikationen entwickeln.
Deswegen ist die Verbringung in eine Klinik absolut notwendig.

Die Oberbauchkompression ist also die Maßnahme bei einer schweren FBAO, die nach den „Rückenschlägen“ durchgeführt wird, sollten diese nicht den gewünschten Erfolg bringen.
Die Frage, die sich nun stellt, ist, was mache ich, sollte die Oberbauchkompression auch nicht zum gewünschten Ergebnis führen.
Die Frage ist einfach zu beantworten:
Die besprochenen Maßnahmen werden einfach im Wechsel durchgeführt.
Also bis zu 5 „Rückenschläge“ im Wechsel mit bis zu 5 Oberbauchkompressionen.
Das wird solange durchgeführt, bist entweder

  • der Fremdkörper entfernt ist,
  • der Rettungsdienst eintrifft,
  • oder der Patient bewusstlos wird.

Im Falle einer eintretenden Bewusstlosigkeit sollte – spätestens dann – unverzüglich der Rettungsdienst verständigt werden.
Der Patient sollte vorsichtig auf den Boden gelegt und die „Standardmaßnahmen“ bei Bewusstlosigkeit ergriffen werden (Ansprechen – „Um Hilfe rufen“ – Atemkontrolle – HLW bzw. Stabile Seitenlage).

Ich habe zwar zwischenzeitlich die eine oder andere Bemerkung über die Behandlung von Kindern verloren, möchte das aber nun noch einmal kurz zusätzlich aufbereiten.
Ich denke hierbei erübrigt sich eine genauere Erläuterung, diese würde sich in der Regel nur wiederholen, so dass ich primär die Änderungen und die durchgeführten Maßnahmen aufbereiten werde. Änderungen und Ergänzungen werde ich aber selbstverständlich erläutern.

Bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung habe ich bereits erwähnt, dass das Aufsuchen des Druckpunktes, die Geschwindigkeit und die Anzahl der Kompressionen angeglichen worden sind.
Es gibt dennoch eine Änderung bezüglich der Reanimation bei Kindern.
Und diese bezieht sich auf eine isolierte Maßnahme vor der eigentlichen HLW.
Bei Säuglingen und Kindern macht man – nach festgestellter „nicht normaler“ Atmung – mit 5 Initialbeatmungen. Das sind 5 Beatmungen, die eben vor der eigentlichen HLW durchgeführt werden… Sie stellen also eine Erweiterung dar.
Anschließend (und auch währenddessen) prüft man, ob das Kind/der Säugling dabei Lebenszeichen (in Form von Husten, Würgen oder Abwehrbewegungen) hat.

Liegen beim Patienten Lebenszeichen vor, fährt man mit den Beatmungen fort, bzw. dreht den Patienten, falls wieder eine „normale“ Atmung vorhanden ist, in die Stabile Seitenlage.

Bei nicht vorhandenen Lebenszeichen wird anschließend die „normale“ HLW begonnen, sprich im Verhältnis 30:2.

Da der Jugendliche mehr dem Erwachsenen zuzuordnen ist, entfallen bei diesem die Initialbeatmungen.

Die „neue“ Stabile Seitenlage kann mittlerweile – wie bereits erwähnt – auch bei Säuglingen und Kindern durchgeführt werden.
Das Problem hierin lag in der „alten“ Richtlinie darin, dass die Extremitäten, proportional gesehen, zu kurz waren, was die Durchführung der „alten“ Stabilen Seitenlage bei Säuglingen und jungen Kindern unmöglich machte.
Mit den erläuterten Änderungen ist dies nun möglich, was eine Verbesserung für Handhabung durch den Ersthelfer darstellt.

Eine prägnantere Änderung findet sich bei der Behandlung der FBAO bei Säuglingen.
So wird bei Säuglingen keine Oberbauchkompression durchgeführt, stattdessen macht man Thoraxkompressionen.
Die Durchführung erfolgt wie die Thoraxkompression bei einer Reanimation, erfolgt jedoch langsamer.
Der Grund hierfür ist recht simpel, sollte aber erwähnt werden – vor allem, weil ich ihn so nicht als Argumentation gefunden habe…
Die Problematik ist, dass bei einem Säugling die Leber überproportinal groß ist… Daher ist auch die Verletzungsgefahr relativ gesehen höher, bei einem Säugling selbige zu verletzen.
Der andere Grund ist, dass bei Säuglingen der Brustkorb noch nicht so verknöchert ist, wie bei einem Erwachsenen. Es ist also verhältnismäßig einfacher, den benötigten Druck aufzubauen…

Durch die Kompression wird der Druck im Brustkorb erhöht, der wie auch bei der Oberbauchkompression auf den Fremdkörper wirkt und ihn, bedingt durch eben jenen Druck hinausbefördert.

Nach diesem doch durchaus langen Text hoffe ich doch, ein wenig Licht ins Dunkel gebracht zu haben.
Sehen wir der neuen Richtlinie freudig entgegen, denn die wird 2010 veröffentlicht.

Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

info@schockzeichen.de

ERC Guidelines 2005 #1 | ERC Guidelines 2005 #2

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Hustensaft

Sonntag, 19. April 2009 | Autor: Björn

Nach meinem letztlichen Aufruf in eigener Sache kommen wir nun wieder zu einem Artikel, der sich mit Fragen zur „Kinderfragen“ beschäftigt.
Ein immer wieder gern gefragtes Thema lautet Hustensaft.
Es gibt viele verschiedene Hustensäfte, manche wirken gleich, andere anders, generell unterscheidet man zwischen einem Husten- bzw. Schleimlöser und einem „Hustenstiller“.
Die Wirkungsweise ist nun je nach Hustensaft eine unterschiedliche und wird bei jeweils verschiedenen Hustenformen verabreicht.
In den Hustenformen unterscheidet man zwischen einem sogenannten produktiven Husten und einem Reizhusten.

Unter produktivem Husten versteht man Husten, bei dem Schleim aus den Bronchien abgehustet wird. Bei einer „Erkältung“, also einer viralen Infektion, kommt es in der Lunge zu einer Schleimproduktion, die je nach Erkrankung eitrig sein kann. Dieses erkennt man beispielsweise an der grünen oder gelben Verfärbung des Schleims. Der Schleim in der Lunge veranlasst den Körper sich des Schleims zu entledigen, welches mittels Husten von statten geht. Durch den Druck, der beim Husten in der Lunge entsteht, wird der Schleim aus der Lunge nach oben befördert und wir dann entweder ausgespuckt oder wieder heruntergeschluckt.
Dabei bekommt man immer wieder zu hören, dass man den Schleim nicht wieder herunterschlucken soll, da dann der Husten ja gar keinen Effekt gehabt hätte…
Dabei muss man sich allerdings vergegenwärtigen, dass der Schleim aus der Lunge ja durch die Luftröhre (Trachea) hochkommt, durch die Speiseröhre (Ösophagus) aber wieder heruntergeschluckt wird und im Magen endet. Die Reinigung der Lunge wurde also demnach doch vollzogen, ob der Schleim nun heruntergeschluckt wird oder nicht.

Problematisch ist der produktive Husten allerdings, wenn der Schleim sehr zäh ist und sich nicht löst.
Dem kann man zwar relativ simpel durch ausreichende Flüssigkeitszufuhr entgegenwirken, dennoch kommt es immer wieder zu massiven Hustenattacken, bei denen der Körper eben versucht den zähen Schleim heraus zu befördern. Bei zu zähem, bzw. festsitzendem Schleim kann es dabei aber auch zu einem Würgereiz und teilweise zum Erbrechen kommen.

In einem solchen gegebenen Fall verabreicht man nun einen sogenannten Husten-/Schleimlöser, der die Konsistenz des Schleims ändert und ein leichteres Abhusten ermöglicht.
Demnach – und das muss man sich vergegenwärtigen – kommt es nach Gabe eines Husten-/Schleimlösers zu einem vermehrten Husten, da der gelöste Schleim ja auch abtransportiert werden muss.
Dieses ist dann beispielsweise Acetylcystein (ACC).

Die andere Form ist der Reizhusten, der beispielsweise bei sehr trockener oder staubiger Luft auftreten kann. Der Unterschied zum produktiven Husten ist, dass dieser Husten eben nicht dazu dient Schleim zu transportieren, da bei Reizhusten kein oder nur wenig Schleim produziert wird.
Reizhusten entsteht durch eine Reizung der Lunge und führt dabei zu reflektorischem Husten.
Dadurch, dass kein Schleim vorhanden ist, nutzt hierbei der Husten-/Schleimlöser nicht, da er schlichtweg nicht wirken kann.
Hier wäre ein „Hustenstiller“ angebracht, der den Husten unterdrückt. Selbst bei einer Reizung der Lunge wird der Husten beim Kind unterdrückt und bringt so eine Verbesserung des Befindens.
Diese wäre dann beispielsweise Sedotussin (Pentoxyverin).

Es ist also wichtig – bevor man einem Kind einen Hustensaft verabreicht – abzuklären, welche Art von Husten es ist, ob weitere Medikamente gegeben werden müssen (Antibiotika) und wenn ja, ob es zu Wechselwirkungen mit dem Hustensaft kommen kann.

Dieses kann der Kinderarzt bei einer Untersuchen recht leicht klarstellen und den entsprechenden Saft verordnen.

Wichtig ist, wenn vorher keine Arztkonsultation erfolgt ist (welche von mir allerdings dringend empfohlen wird), dass eben das Kind beobachtet werden muss, wie es auf den Saft reagiert.
Weiterhin muss gesagt werden, dass ein Kind, welches ein Medikament benötigt, nicht in die Schule oder in den Kindergarten gehört.

Ein verschriebener Hustensaft sollte in der verschriebenen Dosis zu den verschriebenen Zeiten gegeben werden um gewährleisten zu können, dass er entsprechend wirkt.
Ebenso ist es wichtig in der Packungsbeilage zu lesen, wie und wann der Saft verabreicht werden soll. Soll der Saft beispielsweise eine halbe Stunde vor dem Essen verabreicht werden, dann sollte er auch eine halbe Stunde vor dem Essen gegeben werden.

Bei Reaktionen, Wechsel- oder Nebenwirkungen sollte wie in der Packungsbeilage verfahren werden und der Arzt konsultiert werden. Wie bei allen Medikamenten sollte auch Hustensaft über die verschriebene Dauer eingenommen werden und nicht bei Anzeichen der Besserung sofort eigenmächtig abgesetzt werden.

Abschließend als kleines „Schmankerl“ möchte ich noch die – zugegeben zwar ältere – meines Erachtens dennoch etwas missglückte Werbung des Hustensaftes Mucosolvan zum Besten geben:

Stoppt den Hustenreiz und löst den Schleim!

Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

info@schockzeichen.de

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Krupp, Pseudo-Krupp und Epiglottitis

Samstag, 14. März 2009 | Autor: Björn

Zwei Erkrankungen, die immer wieder verwechselt werden, was im Zweifelsfall tödlich enden kann, sind Pseudo-Krupp und die Epiglottitis.
In Erste Hilfe am Kind-Kursen kommt es auch immer wieder zu Verwechslungen zwischen diesen beiden und viele Ausbilder hüten sich zudem, die Epiglottitis überhaupt zu erwähnen.
Pseudo-Krupp wird häufiger – wenn auch nicht immer – besprochen. Trotzdem ranken sich immer noch einige Mythen um den Unterschied zwischen (echtem)Krupp(husten) und Pseudo-Krupp.
Aber wie immer wollen wir vorne beginnen.

Alle 3 Erkrankungen sind Erkrankungen der oberen Atemwege, genauer gesagt, des Kehlkopfes.
Allerdings unterscheiden sie sich

  • im Erreger
  • im genauen Bereich.
  • So sind die Erreger der Epiglottitis und des Krupp(husten)s Bakterien (allerdings auch unterschiedliche), während Pseudo-Krupp in der Regel von Parainfluenzaviren verursacht wird.

    Der Pseudo-Krupp ist also meist eine virale Infektion der Schleimhäute im sogenannten subglottischen Bereich (unterhalb der Stimmritze).
    Das typische Alter für Kinder, die einen Pseudo-Krupp-Anfall erleiden, liegt zwischen 6 Monaten und 5 Jahren, der Altersgipfel liegt bei bis etwa 3 Jahren. Die Symptomatik des Pseudo-Krupp-Anfalls entsteht durch das Anschwellen der Schleimhäute in den Atemwegen. Wachstumsbedingt vergrößern sich im voranschreitenden Alter die Atemwege, sodass dadurch die Gefahr des Wiederauftretens eines Pseudo-Krupp-Anfalls stark gemindert wird.
    Pseudo-Krupp tritt gehäuft im Spät-Herbst bis Früh-Winter auf, die klassischen Monate sind zwischen Oktober und November.
    Des Weiteren treten Pseudo-Krupp-Anfälle meist in den frühen Morgenstunden auf, oftmals besteht seit einigen Tagen ein leichter Erkältungs-Infekt bei den Kindern.
    Bei Pseudo-Krupp sind nun die Schleimhäute entzündet und gereizt (die „trockene“ Heizungsluft reizt zusätzlich), es kommt so zu einem Anschwellen, worauf das Kind mit dem charakteristischen „bellenden“ Husten reagiert. Zudem tritt Heiserkeit auf und das Kind hat eine hörbar pfeifende Einatmung (inspiratorischer Stridor).
    Je nach Schweregrad des Anfalls unterteilt man den Pseudo-Krupp in 4 Grade:

  • Schweregrad I:
  • 
„bellender“ Husten, Heiserkeit, begleitet von einem leichten pfeifenden Atemgeräusch bei der Einatmung

    Hörbeispiel:

    Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

  • Schweregrad II:
  • 
bellender Husten, deutliches pfeifendes Atemgeräusch mit beginnender oder leichter Atemnot

  • Schweregrad III:

  • ausgeprägtes Atemgeräusch, deutliche Atemnot mit Einziehungen (des Brustkorbes), Unruhe

  • Schweregrad IV:
  • 
hochgradige Atemnot, ausgeprägtes Atemgeräusch auch bei Ein- und Ausatmung, Zyanose (Blaufärbung von Haut und Lippen)

    Pseudo-Krupp spricht in aller Regel gut auf entsprechende Behandlung an, jedoch ist ein progredienter Verlauf möglich, sodass man entsprechend vorbereitet sein sollte, bei Unsicherheit oder Unklarheit über den Schweregrad, einen Notruf abzusetzen. Jeder Anfall sollte wenigstens dem Kinderarzt gemeldet werden, damit eine Abgrenzung getroffen werden kann, ob es sich tatsächlich „nur“ um Pseudo-Krupp handelt.

    Als klassische Behandlung für den Pseudo-Krupp-Anfall verbringt man das Kind in eine feucht-kalte Umgebung („Vernebelung“ von kaltem Wasser in der Dusche, das Kind auf dem Arm der betreuenden Person; Verbringen des bekleideten, zugedeckten Kindes auf den Balkon/die Terrasse).
    Zudem sollte man selbst Ruhe bewahren, da das Kind – je nach Schweregrad – unruhig und verängstigt ist.
    Zur weiteren (medikamentösen) Therapie zählt die Gabe von Glucokortikoiden (z.B.: Prednison), im weiteren Verlauf auch Vernebelung von Epinephrin durch den Notarzt.

    Zum Pseudo-Krupp gehört ebenfalls der „spasmoide“ Krupp.
    Dieser ist häufig allergisch oder psychosozial bedingt. Während sich der „klassische“ Pseudo-Krupp häufig mit leichtem Fieber und vorangegangener Infektion präsentiert, ist der „spasmoide“ Krupp afebril (fieberlos). Er tritt gehäuft im Alter zwischen 1-3 Jahre auf und ist stets gutartig. Eine Verbesserung der Situation tritt hierbei meist schon nach einigen Stunden ein, eine medikamentöse Therapie ist nicht angezeigt. Adäquate Betreuung bringt schnell Besserung.

    (Echter)Krupp(husten) ist eine bakterielle Entzündung und eigentlich eine Form der Diphtherie. Diese ist in Deutschland – bedingt durch die Impfempfehlung – stark zurückgegangen und quasi nicht mehr existent. Allerdings kommt es auch heute noch vereinzelt zu Fällen von Diphtherie.
    Diese Krankheit ist meldepflichtig, daher kann man Statistiken im Internet nachlesen.
    2007 wurden in ganz Deutschland 2 Fälle gemeldet, 2002 und 2005 war es ein Fall. 2001, 2003 und 2006 gingen ohne eine Meldung vorüber.
    Trotzdem darf Diphtherie nicht unterschätzt werden.
    Die Symptomatik ist abhängig davon, wo die Diphtherie besteht und ist vor allem nicht altersabhängig. Beim (echten)Krupp ist es meist eine Kombination aus der Kehlkopfdiphtherie (der eigentliche Krupp), die als Begleiterscheinung mit der Rachendiphtherie einhergeht.
    Rachendiphtherie äußert sich in Regel durch Abgeschlagenheit (Patient fühlt sich „matt“), Übelkeit – wobei Erbrechen seltener auftritt – und Schluckbeschwerden bei faulig-süßem Mundgeruch. Häufig ist dies noch verbunden mit Bauch- und Gliederschmerzen bei zunehmendem Fieber.
    Die Symptomatik der Kehlkopfdiphtherie besteht aus bellendem Husten, zunehmender Heiserkeit und Stimmlosigkeit (Aphonie). Zudem besteht auch hier ein pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen. Die Progredienz hierbei ist allerdings insgesamt etwas langsamer als beim Pseudo-Krupp, die Inkubationszeit von Diphtherie beträgt 2-6 Tage.
    Die Gefährlichkeit der Diphtherie besteht außerdem darin, dass die Erreger (Corynebacterium diphtheriae) ein bestimmtes Gift ausscheiden (Exotoxin), die die menschlichen Zellen angreifen.
    Dabei kann es zu vielseitigen Komplikationen kommen, darunter der gefährlichen Myokarditis, die zum akuten Herztod führen kann.
    Deshalb muss im Krankheitsfall eine sofortige medikamentöse Therapie begonnen werden. Dadurch kann die Letalitätsrate beträchtlich gesenkt werden. Hierzu wird dem Patienten ein Antitoxinserum verabreicht und er wird weiterhin mit Antibiotika behandelt.
    Für den Ersthelfer bedeutet dies, dass primär eine symptomatische Behandlung und die Verbringung des Patienten ins Krankenhaus (im Zweifelsfall Notruf) im Vordergrund steht.
    Als prophylaktisch wichtiger kann hier allerdings die Schutzimpfung von Säuglingen und die Auffrischungsimpfungen (bis ins Erwachsenenalter) angesehen werden.

    Während der (echte)Krupp eine eher „langsam“ verlaufende Krankheit darstellt ist die nun folgende Epiglottitis eine rasch verlaufende und hochakute Erkrankung.
    Die – eigentlich seltene – Epiglottitis ist ebenfalls eine bakterielle Infektion, die heutzutage am häufigsten durch eine Kombination von Streptokokken und Staphylokokken verursacht wird. Dennoch wird sie auch heute noch sehr häufig durch Haemophilus influenzae Typ B (HiB) verursacht, wobei Säuglinge nach der Empfehlung der STIKo hiergegen geimpft werden.
    Die Epiglottitis kann zu jeder Jahreszeit auftreten und betrifft am häufigsten Kinder im Alter von 2 Jahren bis 5-6 Jahren.
    Es kommt zu plötzlichem, starken Fieber, einhergehend mit massiven Schluckbeschwerden, daraus resultierend Nahrungsverweigerung und starkem Speichelfluss.
    Das Kind hat eine ausgeprägte Atemnot, ist – im Gegensatz zum Pseudo-Krupp-Anfall – sehr ruhig und „hochkonzentriert“ und sitzt vornübergebeugt. Es kommt bei der Epiglottitis ebenfalls zu einer Verengung der Atemwege, im Gegensatz zu den anderen Krupp-Syndromen ist bei der Epiglottitis allerdings der Kehldeckel (Epiglottis) betroffen und der typische Husten fehlt vollständig.
    Es kann neben einem pfeifenden Atemgeräusch beim Einatmen ebenfalls zu einem Röcheln bei der Ausatmung (Karcheln) kommen. Dies tritt allerdings meist erst im fortgeschrittenen Stadium auf.

    !Die Epiglottitis stellt einen akuten Notfall dar, zu dem unbedingt ein Notarzt hinzugezogen werden sollte!

    Als Hilfemaßnahmen steht vor allem die Beruhigung des Kindes im Vordergrund. Das Kind sollte möglichst nicht gestresst werden, da es zu einer weiteren Verschlechterung des Allgemeinzustandes führen könnte.
    Auch hier hilft das Verbringen des Kindes in ein feuchtes und kühles Millieu (siehe Pseudo-Krupp: Bad, Balkon).
    Der Ersthelfer sollte keinesfalls den Mund-Rachenraum inspizieren, da selbiges zu einer weiteren Verschlimmerung der Atemsituation des Kindes führen könnte.

    Bei Eintreffen des Notarztes steht die Sicherung der Atemwege im Vordergrund, welche häufig durch rasche Intubation des sedierten Kindes realisiert wird.
    Auch bei der Epiglottitis sollte schnellstmöglich eine Behandlung mit Glucokotikoiden (Prednison) und zusätzlich intravenöser Gabe von Antibiotika begonnen werden.

    Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

    info@schockzeichen.de

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