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Skilled and Aware of It – Der Dunning-Kruger-Effekt

Montag, 6. September 2010 | Autor:

Ich möchte vorausschicken, dass dieser Artikel intentiell für Ausbilder gedacht ist, um ihnen ihre Arbeit ein wenig zu erleichtern und ihnen kleine Einblicke in meine persönliche Sichtweisen und Auffassungen zu geben. Selbstverständlich ist aber jeder Interessierte eingeladen, sich ebenfalls mit diesem Artikel zu befassen.
Ich hoffe, dass dieser Artikel dem einen oder anderen Ausbilder dabei hilft, seine Aufgabe und seine Methodik aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.

Dieser Artikel hier soll die gleiche Einleitung erhalten, wie die Veröffentlichung, auf die ich mich beziehe.

1995 ging McArthur Wheeler in zwei Pittsburgher Banken und raubte sie am helllichten Tag aus, ohne auch nur den leisesten Versuch, sich selbst unkenntlich zu machen.
Er wurde in der selben Nacht verhaftet, kurz nachdem die Videobänder der Überwachungskameras in den 23-Uhr-Nachrichten gezeigt wurden.
Als ihm in der Vernehmung später die Bänder gezeigt wurden, schaute er ungläubig und murmelte nur: „Aber ich habe doch den Saft getragen …“.
Anscheinend unterlag Mr. Wheeler dem Trugschluss, dass das Einreiben mit Zitronensaft sein Gesicht unsichtbar für Kameras macht.

Was aber verleitete Mr. Wheeler nun dazu, seinen aberwitzigen Plan umzusetzen, obwohl der gesunde Menschenverstand ihn eigentlich davon hätte abhalten sollen?

Jeder Mensch hat schon mal jemanden kennengelernt, der so sehr von sich selbst überzeugt war, dass es schier an Größenwahn grenzte.
Aber im gleichen Atemzug wusste man schon nach wenigen Minuten Konversation, dass es mit dem fachlichen Hintergrundwissen desjenigen nicht weit her ist. Mögen sich dererlei Mängel in bestimmten Wissensgebieten als nicht zwangsläufig gravierend herausstellen, sind diese in anderen um so schlimmer.

Diesem Umstand haben sich David Dunning und Justin Kruger angenommen und mehrere Studien hierzu durchgeführt und veröffentlicht.
Unskilled and Unaware of It: How Difficulties in Recognizing One’s Own Incompetence Lead to Inflated Self-Assessments“, so lautet der illustre Name, der momentan in vielen Blogs sowie in „Manager-Magazinen“ und der Klatschpresse Einzug gehalten hat.
Dass diese Veröffentlichung bereits 11 Jahre alt ist, scheint niemanden zu stören, anscheinend sind die Meisten erst jetzt darauf gestoßen.

Was hat es aber denn nun überhaupt mit diesem „Dunning-Kruger-Effekt“, wie er landläufig genannt wird, überhaupt auf sich?

In diesem Artikel möchte ich genauer auf die Ergebnisse von Dunning und Kruger eingehen und das Licht auf uns als Ausbilder rücken. In vielfältigem Weg kann nämlich genau diese Veröffentlichung den Ausbildern eine helfende Hand reichen und sie weiterbringen.

Viele derer, die auf den „Dunning-Kruger-Effekt-Zug“ aufgesprungen sind, zitieren lediglich die Konklusionen, bzw. Arbeitsthesen, die sich aus der Veröffentlichung ergeben:

    • Inkompetente Personen neigen dazu, ihre eigenen Fähigkeiten zu überschätzen,
    • Inkompetente Personen erkennen überlegene Fähigkeiten bei anderen nicht,
    • Inkompetente Personen können das Ausmaß ihrer eigenen Inkompetenz nicht erkennen,
    • Inkompetente Personen können durch Bildung nicht nur ihre Kompetenz steigern, sondern auch lernen, sich und andere besser einzuschätzen.

Aber warum verhält es sich so? Wie kamen Dunning und Kruger überhaupt darauf? Warum berichten Leute, die sich mit den eigentlichen Studien gar nicht bis wenig auseinander gesetzt haben, über eine eigentlich wissenschaftliche Arbeit?

All diese Fragen scheinen sich die Wenigsten zu stellen, da handfeste, einschlägige Formulierungen sowieso viel besser scheinen, als ellenlange Erklärungen und Versuchsangaben.
Da ich aber ein Freund selbiger bin und ich versuchen möchte, dass Leute verstehen, worüber sie sprechen, möchte ich ein wenig genauer darauf eingehen.

Die besprochene Publikation von David Dunning und Justin Kruger findet sich im „Journal of Personality and Social Psychology“ 77 Nr. 6 aus dem Jahr 1999. Dunning und Kruger arbeiten beide im Department of Psychology an der Cornell University.

Die durchgeführten Studien von Dunning und Kruger wurden geteilt, um die Arbeitstheorien einzeln zu überprüfen.

Die erste Studie behandelte das schwierige Feld des Humors.
Hierzu wurden der Testgruppe mehrere Witze genannt, die sie auf einer Skala von 1 – 11 bewerten sollten.
Als Messwert wurden die ausgewählten Witze 7 professionellen Komikern vorgelegt, die darum gebeten wurden, die Witze auf der gleichen Skala zu bewerten.
Die Testgruppe wurde ebenfalls darum gebeten, ihre eigene Fähigkeit, Witziges zu erkennen, zu bewerten.

Zur Vereinfachung wurde die Testgruppe in Viertel aufgeteilt und das jeweilige Mittel diente einer grafischen Veranschaulichung.
Hierbei zeigte sich, dass die eigene Wahrnehmung über Witzigkeit und der tatsächliche Vergleich mit den Bewertungen der Komiker stark auseinander liefen.

Während das untere Viertel sich in der eigenen Wahrnehmung bei 58% einordnete, zeigte der Vergleich ein Ergebnis von 12 %. Während sich die Ergebnisse bei den nächsten beiden Vierteln immer weiter annäherten, trat im Top-Viertel ein interessantes Phänomen auf:
Dieses schätzte sich selbst um etwa 15 % schlechter ein, als es tatsächlich war.

Da sich dieser Test allerdings nicht eindeutig bewerten ließ – Humor kann nicht final als richtig oder falsch bewertet werden – sollte eine zweite Studie das Testergebnis bestätigen.
Zu diesem Zweck wurde die Fähigkeit zum logischen Denken abgefragt. Außerdem sollten sich die Probanden wieder selbst bewerten, diesmal ihr eigenes Testergebnis schätzen, sowie ihre allgemeine Fähigkeit zum logischen Denken.
Auch hier zeigte sich nach der Gruppierung in Viertel ein ähnliches Ergebnis. Das untere Viertel erreichte ein Testergebnis von 12 %, schätzte allerdings seine erreichte Punktzahl auf 62 %. Deren allgemeine Fähigkeit wurde im Mittel auf 62 % geschätzt.
Aber auch im Top-Viertel zeigte sich wieder das gleiche Bild. Dieses schätzte sein Testergebnis auf 68 % und ihre allgemeine Fähigkeit auf 74 %. Erreicht wurden im Mittel allerdings 86 %.

Die dritte Studie sollte die vorangegangenen Studien in einem weiteren Metier absichern. Diese dritte Studie wurde in 2 Phasen durchgeführt.
In der ersten Phase wurde den Probanden ein Grammatik-Test vorgelegt, auch hier sollte wieder eine Einschätzung über die allgemeinen grammatikalischen Fähigkeiten, sowie das Abschneiden bei dem Test erfolgen.

Hierbei zeigte sich weiterhin eine gravierende Differenz zwischen der eigenen Wahrnehmung des unteren Viertels und des tatsächlichen Ergebnisses.
Während das tatsächliche Ergebnis im Bereich der 10 % angesiedelt war, erfolgte die eigene Wahrnehmung über den Testerfolg bei 62 %, die allgemeinen Fähigkeiten gar bei 68 %.
Auch bei Phase 1 der dritten Studie trat das Phänomen auf, dass das Top-Viertel sich zu schlecht bewertete. Während es seine Testergebnisse bei 70 % und ihre allgemeinen Fähigkeiten bei 72 % sah, lagen die tatsächlichen Ergebnisse im Mittel bei 89 %.

In Phase 2 wurden Teilnehmer des unteren und des Top-Viertels 6 Wochen nach dem Test aus Phase 1 eingeladen, um jeweils 5 Tests ihrer Mitprüflinge zu bewerten.
Anschließend hatten sie die Möglichkeit, ihre Eigeneinschätzungen zu revidieren.

Hierbei korrigierte das untere Viertel zwar seine allgemeinen Fähigkeiten um 3,5 Prozentpunkte nach unten, hob aber die Beurteilung über ihre Testergebnisse um 4,9 Prozentpunkte an.
Das Top-Viertel korrigierte beide Ergebnisse nach oben, allgemein um 5,6 Prozentpunkte, das Testergebnis um 10,2.

In der vierten Studie wurde das Vorgehen etwas abgewandelt, die Hälfte der Probanden erhielt – zur Stützung der 4. Arbeitsthese -, nach einem initialen Test für sämtliche Teilnehmer, einen Crash-Kurs in „Logisches Denken“. Anschließend erhielten alle Teilnehmer die Möglichkeit, ihre Selbstbewertung zu korrigieren.
Es zeigte sich, dass alle trainierten Teilnehmer vom Training profitiert hatten und ihre eigene Einschätzungen in die richtige Richtung korrigierten (wenn auch im unteren Viertel weiterhin eine starke Überschätzung der eigenen Fähigkeiten vorlag).

Am interessantesten erachte ich persönlich jedoch die Schlussfolgerungen aus dem Artikel von Dunning und Kruger.

Sie erläutern klar und deutlich, dass mangelnde Kompetenz in bestimmten Bereichen dazu führt, dass Personen schwerwiegend falsche Entscheidungen treffen können und dass ihre mangelnde Kompetenz dazu führt, dass sie diese Fehler nicht erkennen können. Dunning und Kruger nennen das die „dual burden“.
Aber deutlich wird auch, dass ausgeschlossen werden kann, dass Menschen immer im Unklaren über ihre eigene Inkompetenz sind.
Es werden interessante Beispiele genannt, wie beispielsweise das „1-on-1“ gegen Michael Jordan, das Gitarren-“Duell“ gegen Eric Clapton oder auch das Golfspiel gegen Tiger Woods.

Schaut man sich jedoch – gerne Sportler – in einem beginnenden Stadium an, sieht man sehr häufig genau diesen Effekt, da sie ihre Fähigkeiten maßlos überschätzen. Fußballspieler beispielsweise sehen sich – wenn auch nur in der Kreisliga – gern auf dem gleichen spielerischen Level wie ein Bundesligaspieler. Einige derer glauben tatsächlich, dass sie „oben“ mitspielen könnten, auch wenn Trainer, Freunde und Verwandte dies verneinen. Genau darauf beziehen sich die Ausführungen von Dunning und Kruger.

Je mehr man sich umschaut, umso häufiger vermag einem dieses Phänomen auffallen.

Aber auch die statistische Signifikanz der eigenen Unterschätzung von kompetenten Menschen wird erläutert.
Viele kompetente Menschen unterliegen dem Irrglauben, dass ihre Mitkompetetoren die gleichen kognitiven Fähigkeiten besitzen wie sie selbst. Daraus ordnen sie ihre eigene Position in der Mitbewerberschaft geringer ein, als sie tatsächlich ist. Dunning und Kruger beziehen sich hierbei auf den „false-concensus-effect“ nach Ross (1977). Beim Betrachten der Mitbewerber folgt danach allerdings eine Rekalibrierung ihrer Einschätzung nach oben, da sie fähig sind, die Inkompetenz ihrer Mitbewerber zu erkennen.
Dieses Phänomen kann man auch sehr gut bei herausragend kompetenten Menschen in seiner Umgebung beobachten.
Ich kenne einen Arzt, der, seit ich ihn kenne, seine eigenen Leistungen schlechter einschätzt. Es fing bereits in der Schule an, als nach Arbeiten oder Klausuren mit ihm die Pferde durchgingen, da er ein Durchfallen seinerseits vermutete. Und er zeigte sich jedes Mal erneut überrascht, dass er einer der Besten war.
Das zog sich weiter durchs Studium und auch durch seine beginnende medizinische Karriere. Die Problematik hierbei zeigt sich in der Praxis, wenn es sich um schnell zu treffende Entscheidungen handelt.
Tendentiell neigen diese Personen dann dazu, viel abzuwägen und lange nachzudenken, bevor sie eine Entscheidung treffen.
Allerdings kann eine gefestigte Persönlichkeit das Zögern ausgleichen.
Der von mir erwähnte Arzt ist nicht nur einer der kompetentesten Menschen, die ich kenne, sondern zeichnet sich auch durch eine stabile Persönlichkeit aus.

Kommen wir aber nun zu den Schlussfolgerungen für diesen Artikel.

Jedem Ausbilder mag schon einmal ein Teilnehmer aufgefallen sein, der „alles besser“ wusste als man selbst, der eine fast magische Art und Weise hatte, durch sein „gefährliches“ Halbwissen den gesamten Kurs aufzurühren. Solche Menschen kann man getrost – wenn auch wertungsfrei – als inkompetente Menschen im Sinne von Dunning und Kruger bezeichnen.
Ziel als Ausbilder ist nun, die Kompetenz derer so zu steigern, dass sie ihre eigene Inkompetenz ansatzweise begreifen.
Sie sollen keine fertigen Ärzte oder Rettungsdienstler sein, sondern erkennen, dass das was sie zu wissen glauben falsch ist.
Dies hört sich nun nach einer recht radikalen und „verachtenden“ Sichtweise an, macht aber durchaus Sinn, wenn man intensiver darüber nachdenkt.
Es geht im Groben um Kompetenzsteigerung.
Natürlich ist es das vorrangige Ziel, die Teilnehmer handlungsfähig zu machen, aber es erspart einem viele „graue Haare“, wenn man sich bewusst macht, dass bestimmte Teilnehmer Kurse nicht um des Stören willens stören und Unsinn erzählen, sondern weil sie es einfach nicht besser wissen.
Ich persönlich hatte schon mehrfach ein Zusammentreffen mit solchen Personen und muss zugeben, dass ich mich in meiner Anfangszeit als Ausbilder anschließend stark selbst hinterfragt habe, ob ich nicht vielleicht doch die Aussagen besser hätte prüfen müssen. Ich opferte nicht nur einmal meine Pausen, um Sachverhalte zu klären oder mir gesicherte Quellen zu suchen, um meine eigenen Standpunkte zu unterstützen.
Im Nachhinein stellte es sich zu 99% heraus, dass meine Sorge vollkommen unbegründet war.
Mit mehr Erfahrung und größerer Selbstsicherheit lernt man, dass viele „kritische“ Fragen lediglich bloßes, verständnisloses Nachfragen darstellen.
Ich hatte einen besonders „schlimmen“ Teilnehmer, der eigentlich seit dem morgendlichen Erscheinen nicht von meiner Seite wich, um mir seltsam tiefgreifende aber für diesen Sachverhalt doch „dumme“ Fragen zu stellen.
Ich wunderte mich zwar, beantwortete aber fast ausnahmslos die Fragen. Nach etwa einem Drittel des Kurses bemerkte ich, wie der restliche Kurs von den „professionellen“ Fragen genervt war, da sie nicht nur das Ziel des Kurses, sondern auch das medizinische Verständnis der meisten Anderen überstiegen. Ich bat ihn also, doch seine Fragen in der Pause zu stellen.
In der Pause dann stellte er mir seine Fragen, die ich zwar teilweise nicht verstand, weil sie bereits im Unterricht behandelt wurden, aber ich antwortete pflichtgemäß. Auf meine Frage, woher diese spezifischen Fragen kämen, lächelte er mich verschmitzt an: Er habe mich nicht vorführen wollen, weil er ja Medizinstudent sei und mich testen wolle, ob ich denn auch „gut genug“ für diesen Unterricht sei. Ich solle ihm nicht böse sein. Er fuhr fort in mir großes Potential zu erkennen, ich solle mir doch überlegen, Medizin zu studieren.
Wie geht man mit solchen Menschen um, bei denen man merkt, dass definitiv Grundlagen fehlen, sie sich aber dennoch für kompetent und qualitativ hochwertig ausgebildete Menschen halten?
Ein anderes Beispiel ist ein interessanter Vorfall in verschiedenen Ebenen.
Es handelt sich dabei um eine Geschichte, die ich bereits mehrfach erzählt habe und deshalb nur kurz anreiße:
Ein Teilnehmer kommt während der Unterrichtseinheit mit der Helmabnahme darauf, dass es kontraproduktiv sei, den Helm abzunehmen, da ansonsten das Hirn aus dem Schädel fallen könne.
Dies ist eine nachgewiesene Ente der Boulevardzeitung mit den vier großen Buchstaben aus den 1970er Jahren.
Heute noch werden in ganz Deutschland Ausbilder mit dieser Geschichte konfrontiert.
Das ist auf der einen Seite ein Beispiel dafür, wie hartnäckig sich Gerüchte und Fehlinformationen halten und auf der anderen Seite ein Beispiel für den besprochenen Dunning-Kruger-Effekt.
Inkompetente Menschen können eben nicht erkennen, dass eine solche Verletzung unmöglich ist, bedingt durch die physikalischen Voraussetzungen, die gegeben sein müssten. Kann man ihnen das vorwerfen? Definitiv nicht.
Entsprechend sollte man ihnen nicht nur ihren Irrtum aufzeigen, sondern auch kurz und prägnant erläutern, warum eine solche Verletzung nicht möglich ist. Hierbei reicht in der Regel schon die Aussage, dass bedingt durch den Helm die Aufprallenergie des Sturzes verteilt wird und es so eben nicht zu einer solchen Verletzung kommen kann, da diese punktuelle Energie voraussetzt.

Aber vor allem auch auf der anderen Seite des Tisches kann man durch Eigenreflexion eine Menge Probleme ersparen.
Das Schlüsselwort, wie es auch Dunning und Kruger erwähnen, lautet Feedback.

Wenn wir zurückschauen, stellen wir fest, dass die Unfähigkeit mangelnde Kompetenz zu erkennen eine der Bürden des inkompetenten Menschen ist. Selbstverständlich erhalten Ausbilder didaktische und pädagogische Grundwerkzeuge an die Hand, allerdings ist – gerade mit einem Seitenblick auf die Sportler der Kreisliga – gerade dieser Status der beginnenden Kompetenz ein recht komplizierter, respektive gefährlicher Zustand. Ich habe in meiner Zeit als Ausbilder schon einige „Ausbilder-Lehrlinge“ erlebt, die ihren Unterricht für pädagogisch und didaktisch makellos hielten. Es hat ihnen aber auch noch nie jemand gesagt, dass Frontalunterricht der am wenigsten effektive Unterricht ist. Eine Akzeptanz von lediglich 10% seitens der Teilnehmer spricht hierbei Bände.
Dennoch verfallen viele beginnende Ausbilder sehr oft in diese Unterrichtsform, da diese dem Ausbilder weniger abverlangt. Der Stoff wird geradlinig durchgezogen, man vermeidet unliebsame Fragen und das „Austesten“ der Teilnehmer, die die Kompetenz des Ausbilders auf die Probe stellen wollen.
Ich möchte mich davon auch selbst gar nicht ausnehmen, zu verlockend ist da die Versuchung.
Aber es geht darum, sich selbst und seine Unterrichtsmethoden ständig zu hinterfragen.
Ich hatte einen Ausbilder im Praktikum bei mir, der zwei Themen eigenständig aufbereiten und unterrichten sollte.
Hierbei handelte es sich um die stabile Seitenlage und um das Thema Bauchschmerzen.
Während bei der stabilen Seitenlage eine klare Handlungsanweisung vorgegeben ist, ist das Thema Bauchschmerzen ein wenig komplex und diffuser.
Über Bauchschmerzen kann man vieles oder gar nichts sagen. Die Problematik möchte ich hier nicht weiter erörtern, das würde den hier schon gedehnten Rahmen dieses Artikels vollends sprengen.
In der Ausbildung wird immer wieder gesagt, dass man knappe und so allgemein wie möglich gehaltene Aussagen treffen soll und sich nicht vom Hundertste ins Tausendste verzetteln soll.
Genau das ist meinem Praktikanten passiert.
Und je bohrender die Nachfragen wurden, um so mehr verhaspelte er sich in medizinischen Details, die zu allem Unglück auch noch falsch waren.
Ich griff schließlich ein, früh genug um den Zeitablauf zu retten und spät genug, als das mein Praktikant verstand, warum seine Ausbilder ihm erklärt hatten, sich nicht auf Detailfragen einzulassen.
Das mag jetzt auf den ersten Blick gemein oder unfair erscheinen aber diese Erfahrung hatte eine ausnehmlich positive Wirkung auf ihn. Er erkannte, dass seine pädagogisch didaktischen Finessen, die er sich selbst zugestand, quasi nonexistent waren und er nicht ausreichend vorbereitet war.
Während unserer Nachbesprechung kamen wir selbstverständlich darauf zu sprechen und er erläuterte mir, dass er gar nicht verstand, wie das passieren konnte, er fühlte sich plötzlich überrumpelt und in die Ecke gedrängt. Durch den von ihm empfundenen Zugzwang glitt er immer tiefer hinein, bis er sich mit einer Frage konfrontiert sah, die er nicht beantworten konnte. Er habe versucht, sich die Frage, während er versuchte sie zu erklären, selbst zu beantworten, wodurch er immer nervöser wurde.
Auf meine Frage, warum er nicht klar gesagt hätte, dass er die Antwort nicht wisse, sie aber gerne nachreichen könne, antwortete er mir, er habe in diesem Moment gar nicht erkannt, dass er die Antwort nicht wusste.
Und an dieser Stelle möchte ich wieder betonen, dass es nicht verwerflich oder peinlich ist, etwas nicht zu wissen.
Es geht darum, den vorgegebenen Stoff zu vermitteln, nicht darum, Mediziner oder Rettungsdienstler auszubilden.
Wir möchten Handlungskompetenz beim Ersthelfer schaffen. Zuviel oder zu detaillierte Information ist dabei für den Teilnehmer nicht nur uninteressant, sondern auch kontraproduktiv.

Eine vielfältige Ausbildungsweise verbessert nicht nur die Lehr-, sondern auch die Lernerfahrung. Wenn man sich mit Ausbilderkollegen unterhält, kommt man immer wieder auf positive und negative Erfahrungen mit bestimmten Unterrichtsmethoden. Man sollte sich hierbei nicht scheuen, zu fragen ob man diese Methode bei sich mal ausprobieren darf. Ich war schon oft überrascht, wenn ich Methoden ausprobiert habe, die mir im Leben nicht eingefallen wären. Tatsächlich habe ich mich danach oft gefragt, warum dies mir nicht eigefallen ist.
Als Beispiel mag hier das Vorgehen dienen, bestimmte Themen in einer Gruppenarbeit von den Teilnehmern erledigen zu lassen, beispielsweise Themen wie Unterkühlung oder Hitzeerschöpfung. Mit der auszugebenden Dokumentation erreichen die Teilnehmer in kurzer Zeit richtige Ergebnisse, die sie nicht nur handlungskompetenter werden lassen, sondern ihnen auch das Gefühl vermitteln, selbst etwas zum Erfolg beigetragen zu haben.

Nicht zuletzt ist es eine gute Idee, dass andere Kollegen mit im Unterricht sitzen und ihn sich anhören. Diese können danach kompetentes und spezifisches Feedback geben.
Hierbei ist es allerdings wichtig, einige einfache Grundregeln zu beachten:
Das Feedback sollte spezifisch sein. Je genauer man Probleme eingrenzt und beschreibt, umso einfacher fällt es, sie an sich selbst zu beobachten und zu beheben.
Hierbei liegt ein weiterer Knackpunkt, denn man sollte ein gewisse Ausgewogenheit an positiven und negativen Punkten finden.
Des Weiteren sollte das Feedback möglichst neutral formuliert werden. Kollegen wollen sich untereinander weiterhelfen, das sollte man immer im Hinterkopf behalten, es geht nicht darum jemanden in die sprichwörtliche Pfanne zu hauen.

Als Abschluss dieses – wie immer – sehr langen Artikels noch eine Bemerkung, wie sie auch Dunning und Kruger in ihrer Veröffentlichung erwähnen.
Je öfter und genauer ich diesen Artikel lese, komme ich nicht umhin, mich zu fragen, ob ich selbst an der von mir beschriebenen Problematik leide.
Vielleicht sind meine Schlussfolgerungen falsch oder unlogisch, vielleicht überschätze ich meine Fähigkeiten maßlos selbst. Jedem Lesenden steht es selbstverständlich frei, falsche Denkweisen oder Korrekturen aufzuzeigen, denn selbst wenn alles in diesem Artikel Geschriebene unter völlig falschen Annahmen verfasst wurde, kann jeder versichert sein, dass es nicht mit böser Absicht geschehen ist. Meine Inkompetenz hat verhindert, dass ich die richtigen Zusammenhänge erkannt habe.

In diesem Sinne darf ich gerne um Feedback bitten.

Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

info@schockzeichen.de

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Notrufe vom Handy…

Dienstag, 30. Juni 2009 | Autor:

…sind ab dem 01.07.2009 nur noch mit eingelegter, betriebsbereiter SIM-Karte möglich.

Hier die offizielle Pressemitteilung der Bundesnetzagentur zum Download.

Momentan ist es noch so, dass Notrufe auch von Mobiltelefonen ohne eingelegte SIM-Karte abgesetzt werden können.
Das ist auch sinnvoll, da Notrufe in Deutschland generell anonym abgesetzt werden dürfen.
Da aber Leitstellen auch bei eingeschalteter Rufnummer-Unterdrückung die Rufnummer sehen können, stellt das Herausnehmen der SIM-Karte die einzige Alternative dar.

Da dieses aber anscheinend für “Jugendstreiche” genutzt wird (das ja einen Missbrauch einer Notrufnummer darstellt), wird nun zum 01.07. die Nutzung ohne SIM-Karte “abgeschafft”.

Grundsätzlich kann aber auch weiterhin bei für kostenpflichtige Anrufe gesperrter SIM-Karte, fehlendem Guthaben oder nicht vorhandenem Netz-Signal ein Notruf abgesetzt werden.

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ERC Guidelines 2005 #3

Freitag, 26. Juni 2009 | Autor:

Doch nu früher… Ich hatte ein wenig mehr Zeit als eingeplant, daher jetzt der neue Teil, Die Arbeiten am nächsten Schockcast sind auch in Vorbereitung, für alle, die den Schockcast mögen.
Dazu wird es auch ein kleine Änderung geben, dazu aber später mehr.
Hier soll es nun nach Artikel #1 und Artikel #2 um den letzten Teil der Betrachtung der ERC Guidelines gehen, um die Fremdkörperverlegung.
Anbei noch eine Frage an die “Profi-Leser” von schockzeichen.de: Ist jemand auf dem diesjährigen ERC-Kongress in Köln? Vielleicht eine kleine Mail, ich hätte da mal die ein oder andere Frage ;)

So… nun folgt aber deer letzte Teil dieser „Abhandlung“, nämlich die Änderungen bezüglich der Atemwegsverlegung (Obstruktion) durch einen Fremdkörper (FBAO – Foreign Body Airway Obstruction).

Wichtig ist vorab hierbei zu erwähnen, dass es sich eben um einen Fremdkörper handeln muss.
Die folgende Maßnahmen machen keinen Sinn und bringen auch keine Besserung bei einem „Verschlucken“ mit einer Flüssigkeit.
Diese ist zwar durchaus mehr als unangenehm – wer sich schon mal an seiner eigenen Spucke verschluckt hat, weiß das nur zu gut… – gibt sich aber in der Regel nach kürzerer Zeit von selbst.
Das soll nicht heißen, dass ein „Verschlucken“ einer Flüssigkeit nicht gefährlich sein kann, allerdings ist sie – wie schon geschrieben – nicht durch diese Maßnahmen zu beheben.

Bevor wir nun aber zu den eigentlich Maßnahmen und den Änderungen, die durch die neue Richtlinie zu verzeichnen sind, kommen, möchte ich vorab erst ein mal das Wort „Verschlucken“ erklären und die größten Missverständnisse aus dem Weg räumen.

Der Körper unterscheidet generell zwischen Flüssigkeiten und Speisebrei, sowie Luft.
Das ist durchaus sinnvoll, da je nachdem, was es ist, es eine andere Bestimmung hat.
Der Körper benötigt logischerweise die Flüssigkeit und den Speisebrei in einem anderen Organ (Magen), als die Luft (Lunge).
Da im Halsbereich zwei Röhren verlaufen, nämlich die Speiseröhre (Ösophagus) und die Luftröhre (Trachea), muss der Körper nun entscheiden, wo was hineinkommen soll.
Dafür ist der Kehlkopf (Larynx) zuständig.
Er unterscheidet zwischen Flüssigkeit und Speisebrei, die er in den Ösophagus leitet, sowie Luft, die er in die Trachea lässt.
In manchen Fällen kann es nun vorkommen, dass der Kehlkopf durch Flüssigkeit und/oder Speisebrei gereizt wird (diese berührt die Schleimhäute des Kehlkopfes und/oder der Trachea) und dadurch eben diese starken Hustenreiz auslöst.
In noch selteneren Fällen kann es dann passieren, dass ein größerer Brocken den Kehlkopf passiert und so in der Luftröhre landet und sich dort festsetzt.
Daraus entsteht dann ein massiver Husten- und Würgereiz.

Das bedeutet also, dass beim „Verschlucken“ ein Fremdkörper tatsächlich in die falsche Röhre gelangt ist. Das sprichwörtliche „etwas in den falschen Hals bekommen haben“ kann man also doch durchaus wörtlich verstehen.

Daraus kann man nun also schlussfolgern, dass der nett gemeinte Rat, den mir meine Großmutter beispielsweise immer gab:
„Dann trink‘ halt mal was Bub‘„
absolut nicht effektiv ist.
Denn wenn ich dann etwas trinke, kommt es ja in die Speiseröhre, wo es gar nicht „benötigt“ würde.

Man kategorisiert die FBAO in zwei Schweregrade.
Eine „milde“ Obstruktion der Atemwege, sowie eine schwere Obstruktion.

Eine milde Obstruktion äußert sich beim Patienten dadurch, dass er noch husten und auch würgen kann.
Die Ausprägung der Atembeeinträchtigung ist relativ gering, er kann zumeist sogar noch sprechen.
Im Falle einer milden Obstruktion reicht es aus, den Patienten weiterhin zum Husten zu animieren, eine weitere Behandlung ist meist nicht nötig, da durch das Husten der Fremdkörper hinausbefördert werden kann…

Eine schwere Obstruktion ist gravierender. Der Patient kann dabei nicht mehr husten, das Sprechen fällt ihm im Bestfall sehr schwer meistens kann er gerade noch so nicken.
Hierbei ist eine aktive Hilfeleistung durch den Ersthelfer nicht nur indiziert, sondern auch lebensnotwendig, der Patient ist nicht in der Lage sich des Fremdkörpers selbst zu entledigen.

Die nun durchzuführende Maßnahme ist simpel aber effektiv.
Man begibt sich leicht seitlich hinter den Patienten und beugt den Oberkörper des Patienten nach vorne.
Dann schlägt man mit der flachen Hand – mit ausreichend viel Kraft – auf den Rücken, zwischen die Schulterblätter des Patienten.
Das führt man bis zu 5 mal durch, während man nach jedem Schlag überprüft, ob der Fremdkörper hinausbefördert wurde.
Falls nicht – und das ist die Änderung in der „neuen“ Richtlinie – führt man bis zu 5 Oberbauchkompressionen durch.
Dazu stellt man sich hinter den Patienten und legt die geschlossene Faust auf den Oberbauch des Patienten (Der Oberbauch befindet sich etwa zwischen dem Ende des Brustbeins und dem Bauchnabel).
Die andere Hand legt man über die Faust und beugt den Patienten nach vorn.
Anschließend führt man ruckartige Kompressionen auf den Oberbauch des Patienten aus.
Wichtig ist hierbei, dass die Kompressionen möglichst „gerade“ nach hinten durchgeführt werden.
Nach jeder Oberbauchkompression sollte überprüft werden, ob der Fremdkörper hinaus gelangt ist.
Man möchte hierbei sicher stellen, dass nur wirklich benötigte Oberbauchkompressionen durchgeführt werden.
Sollte also nach der ersten Oberbauchkompression der Fremdkörper bereits draußen sein, bitte nicht weitermachen.
Zudem muss der Patient nach spätestens der ersten erfolgten Oberbauchkompression definitiv in Krankenhaus verbracht werden, damit er auf eventuelle innere Verletzungen untersucht werden kann.

Viele Kollegen sehen – durch das hohe Verletzungsrisiko bei der Oberbauchkompression – die Durchführung als relativ kritisch an, war die Oberbauchkompression in der Laienausbildung doch, soweit ich weiß, 10 Jahre lang nicht mehr enthalten.
Die Frage, die sich hierbei immer stellt, ist die, der Verhältnismäßigkeit… Es ist eine Sache der Abwägung.
Die Maßnahme hat durchaus ihre Berechtigung. Doch muss sie entsprechend angewendet werden.

Ich möchte hier nun kurz erläutern, welcher Mechanismus hinter der Oberbauchkompression steckt und warum dieser durchaus positiv für den Verlauf einer schweren Obstruktion sein kann…
Dazu hole ich ein wenig aus und erkläre ganz kurz die Atemmechanik (also wie Atmen funktioniert).
Im Bauchraum befindet sich das Zwerchfell (Diaphragma). Dieses Muskelfell trennt nicht nur die Bauchorgane von den Brustorganen, sondern kann sich auch – es ist ja schließlich ein Muskel – zusammenziehen und entspannen.
Einatmen funktioniert nun folgendermaßen:
Das Zwerchfell dehnt sich aus und zieht sich nach unten hin weg, es entsteht ein freier Raum, der somit das Volumen der Lunge vergrößert.
Dadurch entsteht ein Unterdruck in selbiger, so dass Luft hineingesogen wird.
Beim Entspannen des Zwerchfells wird das Lungenvolumen wieder verkleinert und die Luft wird – bedingt durch den dadurch entstehenden Überdruck wieder hinaus befördert.
Die Zwischenrippenmuskulatur (Intercostalmuskulatur) hat zwar auch etwas damit zu tun, darauf werde ich aber an anderer Stelle einmal genauer eingehen.

Dieses Prinzip macht man sich nun bei der Oberbauchkompression zu Nutze.
Durch das ruckartige Zusammendrücken des Oberbauches wird auch das Zwerchfell komprimiert. Durch diese Komprimierung entsteht also ein Überdruck in der Lunge, wodurch die Luft hinaus gepresst wird.
Da die Trachea nun aber durch den Fremdkörper verlegt ist, wirkt dieser Druck also gegen den Fremdkörper.
Im optimalen Fall reicht dieser Druck dabei aus, den Fremdkörper aus der Trachea zu befördern.

Die Problematik ist eben – wie bereits geschrieben – die hohe Verletzungsgefahr.
Man muss sich vorstellen, dass man im Oberbauch wichtige Organe hat, darunter beispielsweise die Leber.
Durch den ruckartigen Druck, der bei der Oberbauchkompression angewandt wird, entsteht ein sehr hohes Gefahrenpotential, dass man eben eines dieser Organe verletzt.
Und wenn die Leber verletzt wird, ist das durchaus gefährlich, da die Leber eines der am besten durchblutetsten Organe darstellt, die wir im Körper haben.
Sollte diese also verletzt worden sein, kann der Patient schwere Komplikationen entwickeln.
Deswegen ist die Verbringung in eine Klinik absolut notwendig.

Die Oberbauchkompression ist also die Maßnahme bei einer schweren FBAO, die nach den „Rückenschlägen“ durchgeführt wird, sollten diese nicht den gewünschten Erfolg bringen.
Die Frage, die sich nun stellt, ist, was mache ich, sollte die Oberbauchkompression auch nicht zum gewünschten Ergebnis führen.
Die Frage ist einfach zu beantworten:
Die besprochenen Maßnahmen werden einfach im Wechsel durchgeführt.
Also bis zu 5 „Rückenschläge“ im Wechsel mit bis zu 5 Oberbauchkompressionen.
Das wird solange durchgeführt, bist entweder

  • der Fremdkörper entfernt ist,
  • der Rettungsdienst eintrifft,
  • oder der Patient bewusstlos wird.

Im Falle einer eintretenden Bewusstlosigkeit sollte – spätestens dann – unverzüglich der Rettungsdienst verständigt werden.
Der Patient sollte vorsichtig auf den Boden gelegt und die „Standardmaßnahmen“ bei Bewusstlosigkeit ergriffen werden (Ansprechen – „Um Hilfe rufen“ – Atemkontrolle – HLW bzw. Stabile Seitenlage).

Ich habe zwar zwischenzeitlich die eine oder andere Bemerkung über die Behandlung von Kindern verloren, möchte das aber nun noch einmal kurz zusätzlich aufbereiten.
Ich denke hierbei erübrigt sich eine genauere Erläuterung, diese würde sich in der Regel nur wiederholen, so dass ich primär die Änderungen und die durchgeführten Maßnahmen aufbereiten werde. Änderungen und Ergänzungen werde ich aber selbstverständlich erläutern.

Bei der Herz-Lungen-Wiederbelebung habe ich bereits erwähnt, dass das Aufsuchen des Druckpunktes, die Geschwindigkeit und die Anzahl der Kompressionen angeglichen worden sind.
Es gibt dennoch eine Änderung bezüglich der Reanimation bei Kindern.
Und diese bezieht sich auf eine isolierte Maßnahme vor der eigentlichen HLW.
Bei Säuglingen und Kindern macht man – nach festgestellter „nicht normaler“ Atmung – mit 5 Initialbeatmungen. Das sind 5 Beatmungen, die eben vor der eigentlichen HLW durchgeführt werden… Sie stellen also eine Erweiterung dar.
Anschließend (und auch währenddessen) prüft man, ob das Kind/der Säugling dabei Lebenszeichen (in Form von Husten, Würgen oder Abwehrbewegungen) hat.

Liegen beim Patienten Lebenszeichen vor, fährt man mit den Beatmungen fort, bzw. dreht den Patienten, falls wieder eine „normale“ Atmung vorhanden ist, in die Stabile Seitenlage.

Bei nicht vorhandenen Lebenszeichen wird anschließend die „normale“ HLW begonnen, sprich im Verhältnis 30:2.

Da der Jugendliche mehr dem Erwachsenen zuzuordnen ist, entfallen bei diesem die Initialbeatmungen.

Die „neue“ Stabile Seitenlage kann mittlerweile – wie bereits erwähnt – auch bei Säuglingen und Kindern durchgeführt werden.
Das Problem hierin lag in der „alten“ Richtlinie darin, dass die Extremitäten, proportional gesehen, zu kurz waren, was die Durchführung der „alten“ Stabilen Seitenlage bei Säuglingen und jungen Kindern unmöglich machte.
Mit den erläuterten Änderungen ist dies nun möglich, was eine Verbesserung für Handhabung durch den Ersthelfer darstellt.

Eine prägnantere Änderung findet sich bei der Behandlung der FBAO bei Säuglingen.
So wird bei Säuglingen keine Oberbauchkompression durchgeführt, stattdessen macht man Thoraxkompressionen.
Die Durchführung erfolgt wie die Thoraxkompression bei einer Reanimation, erfolgt jedoch langsamer.
Der Grund hierfür ist recht simpel, sollte aber erwähnt werden – vor allem, weil ich ihn so nicht als Argumentation gefunden habe…
Die Problematik ist, dass bei einem Säugling die Leber überproportinal groß ist… Daher ist auch die Verletzungsgefahr relativ gesehen höher, bei einem Säugling selbige zu verletzen.
Der andere Grund ist, dass bei Säuglingen der Brustkorb noch nicht so verknöchert ist, wie bei einem Erwachsenen. Es ist also verhältnismäßig einfacher, den benötigten Druck aufzubauen…

Durch die Kompression wird der Druck im Brustkorb erhöht, der wie auch bei der Oberbauchkompression auf den Fremdkörper wirkt und ihn, bedingt durch eben jenen Druck hinausbefördert.

Nach diesem doch durchaus langen Text hoffe ich doch, ein wenig Licht ins Dunkel gebracht zu haben.
Sehen wir der neuen Richtlinie freudig entgegen, denn die wird 2010 veröffentlicht.

Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

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Thema: Allgemeines, Erste Hilfe, Erste Hilfe am Kind | 2 Kommentare