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ERC Guidelines 2005 #1

Freitag, 12. Juni 2009 | Autor: Björn

Nachdem es sehr lange, sehr ruhig war gibt es jetzt mal ein etwas größeres Projekt.
Und zwar die Besprechung der ERC Guidelines 2005.
Das das Thema ein etwas größeres ist, werde ich den Artikel teilen.

Ich hoffe, das ist für die lieben Leser in Ordnung, bei Feedback kann man sich wie gewohnt an mich wenden.

Viel Spaß beim Lesen.

Das International Liason Comittee Of Resuscitation (ILCOR) trifft sich alle 5 Jahre um die momentane „Situation“ bezüglich der Kardio-Pulmonalen Reanimation (Herz-Lungen-Wiederbelebung – HLW) und der angegliederten Themengebiete zu erörtern und zu verbessern. Dies geschah zuletzt im Jahre 2005, da wurde die neue Richtlinie zur Herz-Lungen-Wiederbelebung (Guidelines) veröffentlicht.
Anschließend geben die jeweils zuständigen Organisationen für Europa (European Resuscitation Council, kurz: ERC) und die Vereinigten Staaten von Amerika (American Heart Association, kurz: AHA) die angeglichenen Richtlinien für die entsprechenden Länder aus.
Die Übersetzung eben jener Richtlinien in Landessprache (die „Veröffentlichungssprache“ ist Englisch) dauert eine weitere Zeit, sodass die 2005 beschlossenen Richtlinien letztendlich 2007 endgültig in Kraft traten.
Ob die Richtlinien vom jüngeren German Resuscitation Council (GRC) weiter angeglichen werden oder sich diese nur um eine zeitnahe einheitliche Übersetzung kümmern werden, entzieht sich meiner Kenntnis.
Die 2005 veröffentlichte Richtlinie brachte zum Zeitpunkt des Inkrafttretens seitens der Teilnehmer, wie auch bei den Ausbildern zu einiger Verwirrung und Unverständnis, ob der enthaltenen Veränderungen.

Dazu muss man immer wieder sagen, dass diese enthaltenen Änderungen jeder Richtlinie stets eine gewisse Verbesserung für das Patientenwohl oder der „Handhabbarkeit“ für die Ersthelfer enthalten.

Immer wieder jedoch tritt bei Teilnehmern eine gewisse Skepsis auf, wenn man ihnen diese neue Richtlinie zu vermitteln versucht.
Besonders gravierend äußern sich diese Zweifel, sollte der Teilnehmer bereits vor 2007 (als die neue Richtlinie letztendlich aktuell wurde) einen Kurs besucht haben.

Hierbei entsteht immer wieder das Unverständnis, warum die Inhalte denn nun „schon wieder“ geändert wurden und sie zweifeln dann regelmäßig an dem Sinn der Richtlinien allgemein, wenn sie sich „doch eh wieder ständig ändert“.

So möchte ich nun hier einmal die „neue“ Richtlinie – die ja mittlerweile seit bereits 2 Jahren aktuell ist und unterrichtet wird – beleuchten, um die Vor- und Nachteile selbiger aufzuzeigen.

Dazu möchte ich erst einmal klären, was in der Richtlinie alles enthalten ist.
So finden sich in der Richtlinie folgende – für Ersthelfer relevante – Handlungsanweisungen:

    • Herz-Lungen-Wiederbelebung (Kardio-Pulmonale Reanimation, kurz: Reanimation) beim Erwachsenen, sowie bei Kindern,
    • Stabile Seitenlage, sowie die
    • Atemwegsverlegung durch Fremdkörper.
  • Die Änderungen belaufen sich in den Gebieten auf verschiedene Dinge.
    Im Verlauf möchte ich nun die Neuerungen vorstellen.
    Vorweg muss folgendes erklärt werden:
    Diese Neuerungen sind als Verbesserungen im herkömmlichen Sinne zu verstehen.
    Es geht hierbei nicht um ein „Richtig“ oder „Falsch“, sondern um ein „besser als vorher“. In der neuen Richtlinie wird eben jener Verbesserung Rechnung getragen, eine signifikante Veränderung zur vorherigen Richtlinie kann meines Wissens nach nicht nachgewiesen werden. Das bedeutet eben, dass ein Mensch, der – wegen mangelnder Fortbildung – nach der vorherigen „alten“ Richtlinie reanimiert wird, keine stark verminderte Überlebenswahrscheinlichkeit hat, zu dem, der nach der „neuen“ Richtlinie reanimiert wird.
    Die grundsätzliche „Überlebensrate“ hängt davon ab, dass die Reanimation möglichst sofort eingeleitet wird, nicht, ob man sich nach den Empfehlungen von 2000 oder 2005 richtet.

    In der Reanimation gibt es mit die größten Änderungen.
    Als Erstes sei die Angleichung der Reanimation bei Kindern und bei Erwachsenen herausgestellt.
    In allen Altersstufen läuft die Reanimation nun in einer Geschwindigkeit von 100 Kompressionen/Minute ab.

    Dies ist eine Würdigung an den Ersthelfer, da Teilnehmer der Kurse „Erste Hilfe“ und „Erste Hilfe am Kind“ sich nicht mehr viele verschiedene Abfolgen merken müssen, sondern der Ablauf prinzipiell immer gleich ist.
    Des Weiteren ist die Erhöhung der Frequenz bei Säuglingen beispielsweise marginal und kann der Übersichtlichkeit halber vernachlässigt werden.
    Zudem ermöglicht die verhältnismäßig niedrigere Frequenz, dass sich das Herz vollkommen mit Blut füllen und somit eine bessere Versorgung der Organe mit Blut gewährleistet werden kann.

    Im Zuge dessen wurde die Anzahl der Kompressionen von 15 auf 30 erhöht. Das ist aus folgendem Grund durchaus sinnvoll.
    Durch die Kompressionen wird die Pumpleistung des Herzens ersetzt, sodass durch die Kompressionen der Blutkreislauf in Gang gesetzt wird, um die lebenswichtigen Organe mit Blut und damit mit Sauerstoff zu versorgen.
    Diese benötigen aber nicht nur einen möglichst kontinuierlichen Blutfluss, sondern auch einen entsprechenden Blutdruck. Selbiger wird nun durch die höhere Anzahl der Kompressionen zuverlässiger erreicht und die Dauer der suffizienten Durchblutung wird dadurch erhöht.

    Gleichzeitig wurde das für den Laien umständliche und komplizierte Aufsuchen des Druckpunktes vereinfacht, indem man den Druckpunkt mit „in der Mitte der Brust“ beschreibt.
    Nachdem bei diesbezüglichen Befragungen herausgefunden wurde, dass bei der Beschreibung „in der Mitte der Brust“ in der Regel exakt der Druckpunkt gezeigt wurde, wurde eben beschlossen, diese Beschreibung mit der vorhergehenden Beschreibung „Am Rippenbogen entlang, bis zum Brustbeinende, dann zwei Finger anlegen und den Handballen der anderen Hand daneben“ zu ersetzen.
    Die Erfahrung zeigt nun, dass diese neue Formulierung nicht nur gut angenommen, sondern auch verständlicher und besser zu merken ist, als die vorherige Umschreibung.

    Weiterhin wurde – auch wenn das von einigen Organisation vehement abgestritten wird – die sogenannte Zwei-Helfer-Methode, bei der sich ein Helfer um die Beatmung des Patienten kümmert, der andere Helfer um die Brustkorb-Kompression (Thoraxkompression), komplett abgeschafft.
    Ein Helfer kümmert sich um beides, bei mehr als einem Helfer wechseln sich beide – unter Berücksichtigung einer möglichst geringen Ausfallzeit der Reanimation – nach etwa 1-2 Minuten (entspricht ca. 2-4 Abfolgen der Reanimation, bestehend aus 30 Kompressionen und 2 Beatmungen) ab, sodass ein Helfer entweder beide Maßnahmen durchführt, oder eben keine.
    Dabei kann eine längere, kontinuierliche Reanimation gewährleistet werden, da die Erschöpfungsanzeichen wesentlich geringer ausfallen, als bei einem einzelnen Helfer.

    Die Beatmungsanzahl wurde innerhalb der neuen Richtlinie verhältnismäßig verkürzt, da es bei 30 Kompressionen bei 2 Beatmungen blieb, diese aber im Vergleich zur vorherigen Richtlinie weiter „entschärft“ wurden, da es sich nicht mehr um 2 „effektive“ Beatmungen bei maximal 5 Versuchen handelt, sondern um 2 Beatmungen. Ob diese nun effektiv sind oder nicht, ist für die Durchführung nun irrelevant.
    Die Begründung hierin ist nun bei genauerer Betrachtung logisch und nachvollziehbar, im direkten Vergleich kommt die Beatmung – bei vorliegendem „dogmatischen Wechsel“ – dann jedoch entsprechend „zu kurz“.

    Man hat in der neuen Richtlinie einen größeren Fokus auf die Durchführung der Thoraxkompressionen gelegt, statt, wie in der vorherigen Richtlinie, auf die Beatmung.
    Grund hierfür ist sehr einleuchtend und eigentlich sogar recht simpel:
    Was will der Patient mit soviel Sauerstoff, wenn dieser nicht transportiert wird…

    Bei einem vorliegenden Herz-Kreislauf-Stillstand liegt die Problematik hauptsächlich darin, dass der Sauerstoff nicht mehr transportiert wird. Denn Sauerstoff ist ja weiterhin noch im Blut gebunden, jedoch muss dieser aber auch erst einmal transportiert werden.

    Der noch im Blut enthaltene Sauerstoff reicht sogar noch für eine – je nach Literatur mehr oder weniger großzügig bemessene – gewisse Dauer aus, um, bei bestehender Blutzirkulation, die lebenswichtigen Organe mit genügend Sauerstoff zu versorgen, ohne dass Folgeschäden auftreten.
    Dazu muss aber eben zeitnah mit der Thoraxkompression begonnen werden.

    Die noch vorhandenen Beatmungen sorgen „nur“ für ein weiteres „Auffüllen“ der im Blut gebundenen Reserven.
    Ob die Beatmung nun effektiv ist, oder nicht, ist in diesem Zusammenhang also uninteressant, da diese nicht zwangsläufig notwendig ist.
    Bei Eintreffen des Rettungsdienstes wird der Patient mit 100%igen Sauerstoff beatmet, sodass dabei dann ein Überangebot an Sauerstoff besteht.

    Eine weitere Neuerung, die dann auch im Zusammenhang mit der Stabilen Seitenlage steht, ist, wann die eben die genannte Stabile Seitenlage verwendet und wann der Patient reanimiert wird.

    Als Voraussetzungen für eine Reanimation werden in der neuen Richtlinie Bewusstlosigkeit des Patienten, sowie eine nicht normale Atmung genannt.
    Diese Änderung in der Formulierung – von „Keine Atmung vorhanden“ zu „Nicht normale Atmung vorhanden“ – stellt wiederum einen großen Knackpunkt dar.

    Immer wieder fand der Rettungsdienst Patienten mit insuffizienter (unzureichender) Atmung vor, die – obwohl bei diesen eine Reanimation angezeigt gewesen wäre – in die Stabile Seitenlage verbracht wurden.
    Den Ersthelfern kann man allerdings hierzu keinen Vorwurf machen, der geneigte Ersthelfer kann nun mal nicht unterscheiden, ob eine Atmung nun suffizient ist, oder nicht – zumindest nicht nach der „alten“ Richtlinie. Denn für den Ersthelfer ist Atmung nun mal Atmung. Ob das nun eine präfinale Schnappatmung ist, oder nicht, das kann der Ersthelfer in diesem Moment nicht beurteilen.

    In der neuen Richtlinie ist nun von einer „nicht normalen Atmung“ die Rede.
    Das bedeutet nun auf der einen Seite, dass auch Patienten, die „eigentlich noch eine Atmung haben“ reanimiert werden, aber auch, dass der Ersthelfer nun in einer „Entscheidungsposition“ ist, die es ihm ermöglicht eine Problematik zu erkennen und entsprechend zu beheben.
    Der Punkt dabei ist nur, dass sich viele Ersthelfer schwer daran tun, zu erkennen, ob es sich bei einer vorliegenden Atmung um eine normale oder eben um eine nicht normale handelt.
    Mein Hinweis ist immer, dass Atemgeräusche, sowohl bei der Einatmung, als auch bei der Ausatmung (Giemen, Brummen, Rasseln), sowie zu schnelles oder auch zu langsames Atmen genauso keine normalen Atemformen darstellen, wie eben gar keine vorhandene Atmung.
    Wenn sich ein Ersthelfer unsicher ist, ob es sich bei der vorliegenden Atmung um eine „normale“ Atmung handelt, sollte er eine Reanimation beginnen.

    Und spätestens dabei fragt sich auch der letzte Teilnehmer immer wieder folgendes:
    Wenn doch aber noch eine Atmung vorhanden ist und damit das Herz doch eigentlich noch schlägt, ist es dann nicht gefährlich Thoraxkompressionen durchzuführen?
    Die Antwort ist seit der berühmten „Schweinestudie“ recht einfach: Nein!

    Zur Erklärung:
    Die „Schweinestudie“ ist eine medizinische Studie, bei der am Schwein überprüft wird, ob es Schäden am schlagenden Herzen hinterlässt, wenn es reanimiert wird.
    Warum ausgerechnet an Schweinen?
    Das liegt erst einmal daran, das man an Menschen nicht so ohne Weiteres solche Studien durchführen kann.
    Zum anderen, weil die Organe des Schweins denen des Menschen am ähnlichsten sind.
    Nun ist es daher so, dass man dabei einer Studie am Schwein Indizien gewinnt, dass, sollte die Fragestellung am Schwein positiv beantwortet werden, ein ähnliches Ergebnis für den Menschen gemutmaßt werden kann.
    Bei dieser Studie ging es nun darum, ob das Herz eine Schädigung davon trägt, sollte es während seiner Tätigkeit reanimiert werden.
    Man hat dabei herausgefunden, dass es – dem Schweineherzen – eben nichts ausmacht, wenn das schlagende Herz reanimiert wird.

    Daher nun die „Umformulierung“ der Richtlinie auf die „normale“, bzw. „nicht normale“ Atmung.

    Alles in allem kann man also festhalten, dass die Änderung der Richtlinie durchaus eine positive Verbesserung für den Patienten im Hinblick auf die Reanimation darstellt.

    So… Das war also der erste Teil der “ERC”-Serie. Bis zur nächsten Folge ein schönes Wochenende

    Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

    info@schockzeichen.de

    ERC Guidelines 2005 #2 | ERC Guidelines 2005 #3

    Thema: Allgemeines, Erste Hilfe | 3 Kommentare

    schockzeichen.de twittert…

    Montag, 25. Mai 2009 | Autor: Björn

    Ganz kurz in eigener Sache:
    schockzeichen.de ist nun auch auf Twitter verfügbar…

    Thema: Allgemeines | Beitrag kommentieren

    Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und Hitzschlag

    Sonntag, 26. April 2009 | Autor: Björn

    Unter den „thermischen Schädigungen“, die man haben kann, gibt es diverse.
    Drei Verschiedene sorgen in den Erste-Hilfe-Kursen immer wieder für Verwirrung, obwohl sie eigentlich recht leicht zu unterscheiden sind.
    Worüber rede ich?
    Über den

    • Sonnenstich,
    • die Hitzeerschöpfung
    • und den Hitzschlag.

    Der Sonnenstich stellt hierbei eine Reizung der Hirnhäute (Meningitiden) durch die Strahlung der Sonne dar, die isoliert das Gehirn betrifft. Es kommt dabei zu einer Schwellung der Hirnhäute und zu einer entsprechenden Symptomatik.

    Diese wären Kopfschmerzen, Übelkeit (teilweise bis zum Erbrechen) sowie Nackenschmerzen, bis hin zur sogenannten Nackensteifigkeit (Meningismus).
    Ebenso ist beim Patienten ein erhitzter, roter Kopf zu bemerken.

    Der Sonnenstich kann als isolierter „Hitzschlag“ im Gehirn angesehen werden, da die Symptomatik durch die langwellige Strahlung (Infrarotbereich) der Sonne ausgelöst wird, die durch den knöchernen Schädel dringen kann.

    Durch diesen Vorgang kann übrigens ausgeschlossen werden, dass es sich bei der verantwortlichen Strahlung um die UV-Strahlung handelt, da diese den Schädel erst gar nicht durchdringen könnte.

    Bei langer oder stetiger Bestrahlung des Kopfes mit Sonnenstrahlen kann – bis zu 8 Stunden nach dem eigentlichen Ereignis – ein Sonnenstich auftreten.
    „Prädestiniert“ für einen Sonnenstich sind demnach Menschen mit lichtem Haupthaar, also ältere Menschen, Kinder oder Leute mit Glatze.
    Die Hilfeleistung erstreckt sich dabei über Kühlen des Kopfes und des Nackens, bei dem die Schwellung der Hirnhäute gelindert wird.
    Ebenfalls sollte der Patient in den Schatten verbracht werden, damit die Hirnhäute nicht noch weiter gereizt werden.

    Anmerkend sollte allerdings noch erwähnt werden, dass Kopfschmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS; Handelsname: Aspirin) nicht wirken.
    Ein Arzt erwähnte mir gegenüber einmal, dass die einzig sinnvolle Therapie des Sonnenstichs aus „aggressivem Zuwarten“ bestünde.
    De facto ist es so, dass bei einem Sonnenstich eben Bettruhe und Kühlen des Kopfes, sowie des Nackens, am besten geeignet sind. Der Sonnenstich vergeht in der Regel nach spätestens einer Woche wieder von selbst.

    Präventiv sollte gerade bei Kindern oder den anderen „Risikogruppen“ bei direkter Sonneneinstrahlung eine Kopfbedeckung getragen und vermieden werden, längere Zeit in einem Fahrzeug mit geöffneten Schiebedach oder gar ohne Dach zu fahren.

    Die Hitzeerschöpfung ist mit der häufigste Grund, warum im Sommer der Rettungsdienst alarmiert wird, obwohl man diesem – ebenso wie dem Sonnenstich – recht leicht vorbeugen kann.
    Die Hitzeerschöpfung entsteht dadurch, dass bei längerer körperlicher Betätigung und mangelnder Flüssigkeitsaufnahme der Körper „austrocknet“ (exsikkiert). Ebenfalls kann es zu einer vasovagalen Synkope kommen.

    Durch das mangelnde Volumen sinkt der Blutdruck und das Gehirn kann nicht mehr ausreichend mit Blut und damit mit Sauerstoff versorgt werden.
    Dabei kommt es dann zu dem klassischen „Schwarz vor Augen werden“, also zu einer kurzzeitigen Bewusstlosigkeit.
    Diese kann durch Flüssigkeitsgabe relativ schnell wieder behoben werden.
    Eine vasovagale Synkope entsteht durch eine Weitstellung der Gefäße, durch die es zu einem Blutdruckabfall kommt.
    Diese ist in der Regel nur kurzfristig und kann ebenfalls sehr schnell durch eine Lagerung in der Schocklage kompensiert werden.
    Oftmals findet sich bei einer Hitzeerschöpfung eine Kombination aus beiden Vorgängen.

    Der Rettungsdienst gibt hierbei unter Umständen eine 0,9%ige Kochsalzlösung intravenös (NaCL 0,9% i.v.) und der Patient wird dann ins Krankenhaus verbracht um weiteres auszuschließen.

    Präventiv wäre hier also eine ausreichende Flüssigkeitsgabe von Nöten, damit die Hitzeerschöpfung gar nicht erst auftritt.
    Als Hilfemaßnahme bietet sich hier beim wachen Patienten eine Schocklagerung an, die auch nach kurzer Zeit zur Besserung führt. Ebenfalls kann dem wachen Patienten klares Wasser angeboten werden.

    Wenn der Patient sich besser fühlt, kann man vorsichtig beginnen ihm aufzuhelfen, wobei man darauf achten muss, dass dieses möglichst langsam und in mehreren Schritten erfolgt.
    Beginnend mit einer Flachlagerung (die Beine herunternehmen), übergehend zum langsamen Aufrichten bis zum Sitzen und erst abschließend das Aufhelfen zum Stehen.
    Sollte der Patienten während einer einer Phase über „Schwummerigkeit“ oder erneuten „Schwarz vor den Augen werden“ klagen, sollte die jeweils vorhergehende Position eingenommen werden und spätestens dann der Rettungsdienst verständigt werden.

    !! Bewusstlose Patienten kommen generell in die Stabile Seitenlage. !!

    Die Hitzeerschöpfung kann man nun als eine „Vorstufe“ zum Hitzschlag sehen.
    Dieser tritt heutzutage weit seltener auf, als noch vor etwa 15-20 Jahren, dennoch handelt es sich beim Hitzschlag um ein lebensbedrohliches Ereignis, das nicht unterschätzt werden sollte.
    Während die Hitzeerschöpfung und der Sonnenstich meist eine stärkere „Befindlichkeitsstörung“ darstellen und in der Regel nach kurzer Zeit wieder behoben werden können, ist der Hitzschlag eine hoch kritische Notfallsituation.

    Der Hitzschlag ist eine generalisierte Überhitzung des Körper (Hyperthermie), die der Körper von allein nicht beheben kann, die natürliche Temperaturregulation kann dabei nicht mehr stattfinden.

    Beim Hitzschlag kommen mehrere Faktoren zusammen, die häufigste Situation heutzutage ist ein Zusammenspiel aus Exsikkose (Austrocknung), Hyperthermie und sehr hoher Außentemperatur.
    Als leider klassische Situation kommt hierbei der Säugling im geschlossenen Fahrzeug vor.
    Durch den Hitzestau im geschlossenen Fahrzeug kommt es dabei zu einer Überhitzung des Körpers (Hyperthermie). Der Körper versucht sich durch Schwitzen (Transpiration) zu kühlen.
    Normalerweise sorgt die Verdunstungskälte dafür, dass die Körpertemperatur sinkt. Da im geschlossenen Fahrzeug jedoch keine Luftbewegung stattfindet, kommt es zu keiner Kühlung sondern nur zu einer weiter steigenden Körpertemperatur.

    Die starke Transpiration sorgt zudem für eine stärker werdenden Exsikkose (Austrocknung), sodass sich die Symptomatik verstärkt.
    Nach mehr oder weniger langer Zeit steigt die Körpertemperatur so hoch, dass der Körper diese nicht mehr kompensieren kann.

    Es kommt hierbei neben einer sehr hohen Körpertemperatur bei meist trockener Haut zu einer starken Rötung des Kopfes. Bei einer fortgeschrittenen Symptomatik kann der Kopf auch violett erscheinen.
    Weiterhin kann eine starke Bewusstseinseintrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit auftreten.

    !! Dieses Krankheitsbild ist, wie gesagt, ein hochkritisches und muss umgehend notfallmedizinisch versorgt werden. !!

    Dazu gehört Flüssigkeitsgabe (Substitution), Senken der Körpertemperatur und das Vermeiden von weiteren organischen Störungen.
    Die Problematik bei der stark erhöhten Körpertemperatur liegt in unter anderem im Unvermögen des Gehirns, mit extremen Temperaturen umgehen zu können.

    Es kann in sehr schweren Fällen ebenfalls zu Krampfanfällen oder zum Herz-Kreislaufstillstand kommen.

    Ersthelfer sollten zuerst den Patienten aus der heißen Umgebungstemperatur entfernen und in den Schatten oder einen kühlen Raum verbringen. Übermäßige Kleidung wie Jacken oder Pullover sind zu entfernen und der Körper sollte versucht werden, mit feuchten Tüchern durch Verdunstungskälte heruntergekühlt zu werden.

    Beim wachen Patienten kann ebenfalls klares Wasser als Flüssigkeit verabreicht werden, um die körpereigene Temperaturregulation durch Transpiration wieder in Gang gesetzt zu bekommen.

    !! Ein Notarzt ist durch Notruf auf jeden Fall hinzuzuziehen. !!

    Generell stellt dieser Beispiel-Notfall eine Ausnahmesituation dar, die relativ simpel umgangen werden kann.
    Kinder sollten unter keinen Umständen – auch nicht für ein „paar Minuten“ – unbeaufsichtigt im Fahrzeug gelassen werden.

    Bei längeren Autofahrten, sollten – wenn sie unbedingt tagsüber bei stetem Sonnenschein stattfinden müssen – ausreichende Pausen eingelegt werden, bei denen das Fahrzeug gut gelüftet werden, sowie das Kind sich außerhalb des Fahrzeugs aufhalten und ihm regelmäßig Flüssigkeit angeboten werden sollte.

    Generell sollten Situationen, in denen es zu einer starken Überhitzung kommen kann vermieden werden und das Kind der Jahreszeit entsprechend gekleidet werden.

    Bei Erwachsenen sollte ebenfalls darauf geachtet werden, dass es nicht zu einer solchen starken Überhitzung kommt, jahreszeitentsprechende Kleidung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sollte unbedingt beachtet werden.
    Ebenfalls sollten anstrengende Arbeiten in geschlossenen überhitzenden Räumen auf weniger warme Tageszeiten verlagert werden.

    Gerade ältere Menschen sollten verstärkt auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten und beispielsweise längere Gartenarbeiten auf die Abendstunden verlagern, denn damit können von vornherein Hitzeerschöpfungen und ähnliches vermieden werden und man kommt „gesund durch den Sommer“.

    Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

    info@schockzeichen.de

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