ERC Guidelines 2005 #2

Mittwoch, 24. Juni 2009 |  Autor: Björn

Nach dem ersten Artikel zur Guideline 2005, der hier gefunden werden kann, möchte ich nun endlich den zweiten Teil nachliefern.
Der dritte Teil wird voraussichtlich Anfang nächster Woche erscheinen.

Aber wenden wir uns nun der „neuen“ Stabilen Seitenlage zu.

Die meiste Kritik an der „alten“ Stabilen Seitenlage war die Kompliziertheit und die Schwierigkeit, sie sich zu merken…
In meinen Kursen gab es immer wieder folgende Problematik: 15 Leute, die ihre EH-Fortbildung für die BG gemacht haben und meine Frage, wer sich noch an die Stabile Seitenlage erinnere…
Mit Zögern und „Frolic‘s“ von allen 15 Teilnehmern habe ich dann ein „richtige“ Stabile Seitenlage anlegen können…

Das allein war schon genug, um die Änderung endlich anzustreben, aber da hört es ja nicht auf…
Auch die „schwere“ Handhabung und die vielen praktischen Hindernisse, die es zu überwinden galt, wurden von den Ausbildern immer ein wenig verschwiegen und heruntergespielt.
Allein die Tatsache, dass bei einem „Bewusstlosen“ der Grundtonus der Muskulatur fehlt, kann einen Ersthelfer im Ernstfall völlig aus der Bahn werfen.
Denn in seinem Kurs hatte er einen anderen Teilnehmer, der ihm – wenn auch unterbewusst – helfen wollte und sich dann selbst mitgedreht hat. Oder das aufgestellte Bein dann eben hat einfach stehen lassen.

Jeder der schon mal einen wirklich Bewusstlosen versucht hat, in die Stabile Seitenlage zu legen, weiß wovon ich rede.
Darauf geht aber kein Ausbilder so konkret ein, wir wollen motivieren und nicht abschrecken.

Dieses Problem besteht so zwar jetzt immer noch, aber es fällt einfach nicht mehr so sehr ins Gewicht.

Ich persönlich halte die getätigten Änderungen für äußerst sinnvoll:
Man reduziere die Stabile Seitenlage von 6 Arbeitsschritten auf 3,
Ändere die Komplexität auf ein „verständliches“ Maß,
und nehme die Extremitäten (Arme) aus dem Weg…

Nach den Erfahrungen mit meinen Kursteilnehmern, die nun ihre ersten Fortbildungen haben, da sie die „neue“ Stabile Seitenlage kennen, sind durchweg positiv…

Die Leute trauen sie sich häufiger zu und führen sie sicherer durch. Theoretisch also ein Erfolg auf ganzer Linie.
Häufig kommen allerdings Einwände bezüglich der achsengerechten Lagerung.
Diese ist allerdings tatsächlich nur entscheidend beim Patienten mit einer Wirbelsäulenverletzung.
Diese kann der Ersthelfer jedoch weder ausschließen noch bestätigen. Von daher ist das ein Scheinargument gegen die „neue“ Stabile Seitenlage.
Primärer Grund für die Stabile Seitenlage ist und bleibt die Atemwegssicherung. Und da diese eine lebensrettende Maßnahme darstellt, steht sie eindeutig über Abwendung einer eventuellen Querschnittlähmung. Der Ersthelfer kann nun mal nicht entscheiden, ob die Querschnittlähmung vermeidbar wäre oder nicht, ob der Patient aber im Zweifelsfall aspiriert oder die Zunge die Atemwege blockiert, kann er abschätzen und durch die Stabile Seitenlage beheben.
Und statistisch gesehen haben beispielsweise nur knapp mehr als 1% der verunfallten Motorradfahrer tatsächlich eine Wirbelsäulen Verletzung.
Das mag eine zynische Sichtweise sein, aber ansonsten kann ich dem Ersthelfer auch sagen, dass er am besten gar nichts tut… Und dass das nicht sein kann, sollte jedem klar sein.
Zudem garantiert die „alte“ Stabile Seitenlage keine bessere Lagerung des Patienten. Denn das Drehen des Patienten über seinen eigenen Arm ist eben so „schonungslos“ für den Patienten, wie das Umlagern bei der „neuen“. Und die Armposition der neuen Seitenlage empfinde ich persönlich als weitaus angenehmer.
Des Weiteren hat die „neue“ Stabile Seitenlage den unglaublichen Vorteil, dass sie nun auch bei Kleinkindern und Säuglingen anwendbar ist. Konnte die „alte“ Stabile Seitenlage bei diesen nicht angewendet werden, weil deren Extremitäten unverhältnismäßig kurz waren, ist dies nun durchaus möglich (Ich habe es persönlich an Säuglingen verschiedener Altersstufen getestet).
Aber wie funktioniert sie nun die ominöse „neue“ Stabile Seitenlage?
Hierzu eine bebilderte „Anleitung“:

Pos. 1 der Stabilen Seitenlage

Den zugewandten Arm in zwei Rechten Winkeln neben den Kopf legen (Schutzmann-Stellung)

Die Hand des abgewandten Armes mit dem Handrücken an das Kinn des Patienten legen, die eigene kopfwärtige Hand dagegen legen (Handflächen aufeinander – Backe Backe Kuchen)

Pos. 2 der Stabilen Seitenlage

Mit der fußwärts gerichteten Hand das abgewandte Bein am Oberschenkel, von außen, nahe am Knie greifen, leicht anheben und durch sanften Zug den Patienten zum Ersthelfer drehen.

Endposition der Stabilen Seitenlage

Anschließend nochmals die Atmung prüfen und den Patienten gegebenenfalls zudecken… Fertig.

Alles in allem ist sie schneller, einfacher und sicherer durchzuführen.
Natürlich ist das nicht das Optimum, aber besser als die „alte“ Stabile Seitenlage oder gar nichts zu tun.

Abschließend sollte man noch anmerken, das selbstverständlich ein Notruf abgesetzt werden muss.
Deshalb sollen Ersthelfer „um Hilfe rufen“.
Sollte allerdings – sobald der Patient in die Stabile Seitenlage verbracht ist – niemand erschienen sein, bzw. auf die „Hilferufe“ reagiert haben, soll der Ersthelfer spätestens jetzt selbst einen Notruf absetzen.

Um den „Hilferuf“, bzw. das „um Hilfe rufen“ werde ich mich noch später in einem separaten Artikel kümmern.

Das war Teil 2 des Artikels. Ich hoffe er war informativ zu lesen.

Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:

info@schockzeichen.de

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Thema: Allgemeines, Erste Hilfe

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2 Kommentare

  1. [...] es auch ein kleine Änderung geben, dazu aber später mehr. Hier soll es nun nach Artikel #1 und Artikel #2 um den letzten Teil der Betrachtung der ERC Guidelines gehen, um die Fremdkörperverlegung. Anbei [...]

  2. [...] ERC Guidelines 2005 #2 | ERC Guidelines 2005 #3 Tags »   ERC, Guidelines, Herz-Lungen-Wiederbelebung, Laien « Trackback: Trackback-URL | Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Thema: Allgemeines, Erste Hilfe [...]

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