Fieber und Fieberkrampf
Samstag, 28. Februar 2009 | Autor: Björn
Ein häufiges Thema in „Erste Hilfe am Kind“-Kursen ist immer wieder Fieber und der Fieberkrampf. Dabei kommt es häufig zu einem Missverständnis über die Benennung Fieber und „erhöhte Temperatur“.
Dazu muss man wissen, wie die normale Temperatur beim Menschen ist und wie die Temperaturregulation funktioniert.
Die normale Körpertemperatur variiert bei jedem Menschen. Auch ist ein Unterschied zwischen Männern und Frauen zu verzeichnen. Der Regelbereich liegt zwischen 36,5°C und 37,6°C. Dabei schwankt die Körpertemperatur innerhalb von 24 Stunden, das Maximum ist um ca. 18 Uhr, das Minimum um etwa 2 Uhr nachts. Bei körperlicher Betätigung ist ebenfalls eine Schwankung um bis zu 2°C möglich.
Die Thermoregulation beim Menschen funktioniert sowohl nach oben, als auch nach unten. Steigt die Körpertemperatur also über die Normaltemperatur an, versucht der Körper diese zu korrigieren. Dies geschieht durch Schwitzen: Der Körper transportiert Schweiß an die Hautoberfläche, welcher durch Verdunstungskälte die Körpertemperatur senkt.
Sinkt die Körpertemperatur unter den Schwellenwert, beginnt der Körper durch Muskelbewegung Wärme zu erzeugen. Das nennt man Zittern.
Fieber ist nun eine Verschiebung der Grund-Körpertemperatur nach oben.
Dabei nennt man eine leichte Verschiebung „erhöhte Temperatur“, eine stärkere Verschiebung wird dann als Fieber bezeichnet. Fieber, dass eine Temperaturschwelle von 40°C (je nach Literatur auch 41°C) übersteigt nennt man Hyperpyrexie. Hyperpyrexie ist meist die Folge einer schweren Fehlregulation des Körpers, während „normales“ Fieber eine „normale“ Wärmeregulation darstellt, die auf einem höheren Grundniveau stattfindet.
Erhöhte Temperatur kann ein Zeichen einer beginnenden Infektion sein und sollte durch regelmäßige Temperaturmessung kontrolliert werden. Ebenfalls sollte dem Kind immer wieder ausreichend Flüssigkeit angeboten werden, da der Körper einen höheren Flüssigkeitsbedarf hat. Zudem sollte man das Kind in leichte, lockere Kleidung verbringen und gegebenenfalls die Zimmertemperatur senken, da durch eine hohe Raumtemperatur eine „exogene Überwärmung“ entstehen kann. Bei Unsicherheit über die Herkunft der erhöhten Temperatur kann ein Kinderarztbesuch Klarheit schaffen. Der Temperaturbereich der erhöhten Temperatur liegt zwischen etwa 37,6°C und 38,5°C (je nach Literatur auch 38°C).
Fieber ist oftmals ein Zeichen beginnender Immunabwehr, das bedeutet der Körper wehrt sich gegen einen „Angriff von außen“, wie Bakterien oder Viren. Fieber schließt direkt an die „erhöhte Temperatur“ an und sollte ebenso behandelt werden. Zusätzlich kann man durch Wadenwickel oder Medikamentengabe, das Fieber kontrollieren und gegebenenfalls ein wenig senken. Fieber sollte allerdings unter normalen Umständen nicht um mehr als 1°C gesenkt werden. Auch bei Fieber sollte regelmäßig die Temperatur gemessen und genügend Flüssigkeit angeboten werden. Zudem kann ein Notruf durchaus indiziert sein, vor allem, wenn das Fieber kontinuierlich weiter steigt. Generell sollte bei Fieber die Ursache geklärt werden und bei anhaltendem Fieber ist zumindest ein Kinderarztbesuch angebracht. Der Temperaturbereich von Fieber erstreckt sich von 38,5°C (je nach Literatur auch 38°C) bis hin zu 40°C (je nach Literatur auch 41°C).
Hyperpyrexie ist wie geschrieben eine massive Fehlregulation der Körpertemperatur, die meist auf ein Problem des Zentralen Nervensystems (ZNS) zurückzuführen sein kann. Eine Hyperpyrexie stellt eine kritische Situation dar welche der (Not-)Ärztlichen Behandlung bedarf. Dementsprechend ist ein Notruf angebracht. Weiterhin ist auch eine medikamentöse Therapie indiziert.
Der Fieberkrampf ist ein zerebraler Krampfanfall, der in der frühen Kindheit auftreten kann. Dabei ist die endgültige Temperatur irrelevant, ein Fieberkrampf wird durch den raschen Temperaturanstieg ausgelöst.
Ein Fieberkrampf tritt in einer Altersspanne von etwa 6 Monaten bis 5 Jahren auf, der Altersgipfel liegt zwischen 14 und 18 Monaten. Vor dem 7.ten Lebensmonat und dem 5.ten Lebensjahr ist ein Auftreten möglich, aber sehr selten.
Fieberkrämpfe kommen in zwei Varianten vor.
Der unkomplizierte, oder auch einfache, Fieberkrampf ist der am häufigsten vorkommende Fieberkrampf. Er dauert in der Regel nicht lange (bis zu maximal 15 Minuten), tritt höchstens 3 Mal auf, aber höchstens einmal in 24 Stunden. Zudem kommen diese nur innerhalb der oben genannten Altersgrenzen vor.
Der komplizierte – oder atypische – Fieberkrampf tritt entsprechend häufiger als 3 Mal auf, mehrfach innerhalb von 24 Stunden oder in so genannten Krampfserien, dauern länger als 15 Minuten oder es sind in der Familienanamnese Fälle von Epilepsie bekannt.
Ob Fieberkrämpfe tatsächlich die Entstehung von Epilepsie begünstigen, ist nicht endgültig geklärt, falls doch ist die Wahrscheinlichkeit bei unkomplizierten Fieberkrämpfen extrem gering, bei komplizierten Fieberkrämpfen ebenfalls gering.
Weiterhin treten bei unkomplizierten Fieberkrämpfen so gut wie nie weitere Entwicklungsstörungen auf.
Fieberkrämpfe sollten immer dem Kinderarzt gemeldet werden, zudem ist oft ein Notruf zwar „zu spät“ (der Krampf ist beendet bevor der Rettungsdienst eintrifft), sollte aber dennoch durchgeführt werden, das Kind sollte in der Klinik untersucht und eventuell weiterhin behandelt werden.
Bei Kindern, die bereits einen Fieberkrampf hatten, bekommen prophylaktisch Diazepam-Rektiolen verordnet, die im Falle eines Krampfes verabreicht werden sollten. Ebenfalls sollte in diesem Fall das Fieber bereits ab 38° – 38,5°C medikamentös (z.B. mit Paracetamol) gesenkt werden.
Des Weiteren kann bei Impfungen präventiv ein Antipyretikum gegeben werden, da es bei Impfungen als Reaktion zur Fieberbildung kommen könnte.
Fieberkrämpfe können sehr bedrohlich wirken, man sollte deshalb versuchen möglichst ruhig zu bleiben. Es ist wichtig für den Rettungsdienst zu wissen, wie lange der Krampf gedauert hat. Deswegen sollte der Krampf beobachtet werden und die Dauer gemerkt oder notiert werden.
Bei Fieber oder auch Fieberkrämpfen ist es vorteilhaft, wenn man eine so genannte Fieberverlaufskurve anlegt, das bedeutet, dass man die Uhrzeit und die höhe des gemessenen Fieber aufschreibt, damit man einen Überblick über die Entwicklung bekommt. Wichtig ist auch noch, wo das Fieber gemessen wurde. Normalerweise wird entweder unter dem Arm (axilliär), im Mund (oral), im Ohr (aurikulär) oder im Rektum (rektal) gemessen. Dabei kann es zu Abweichungen bei den Temperaturen kommen, als „sicherste“ Methode nimmt man die rektale Messung, welche allerdings auch die Unangenehmste darstellt. Die rektal gemessene Temperatur liegt etwa 0,4°C höher als die axilliär oder aurikuläre Messung. Ohrthermometer sind durch ihre recht genaue und vor allem schnelle Messung gerade bei Kindern zu bevorzugen.
Bei Fragen, Korrekturen oder Anregungen freue ich mich über einen Kommentar oder eine E-Mail an:
info@schockzeichen.de



